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Fürchtet euch nicht - weder vor "Hello World", noch vor KIs | BR24

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Einige von Ihnen müssen jetzt stark sein: Es geht um Mathe, dieses schreckenerregende, mit Zahlen bewehrte Monster. Deswegen gleich vorneweg der Hinweis: Das Buch "Hello World" erklärt Mathematik so, dass niemand schweißnasse Hände bekommen muss.

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Fürchtet euch nicht - weder vor "Hello World", noch vor KIs

Einige von Ihnen müssen jetzt stark sein: Es geht um Mathe, dieses schreckenerregende, mit Zahlen bewehrte Monster. Deswegen gleich vorneweg der Hinweis: Autorin Hannah Fry erklärt Mathematik so, dass niemand schweißnasse Hände bekommen muss.

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Mathematikerin Hannah Fry beginnt ihre Ausführungen im Sachbuch "Hello World" mit der lapidaren Frage, was denn ein Algorithmus sei: "Ein Algorithmus ist eine Abfolge logischer Anweisungen, die von Anfang bis Ende zeigen, wie eine Aufgabe ausgeführt werden soll. Nach dieser breit gefassten Definition zählt auch ein Küchenrezept als Algorithmus."

Algorithmen sind mathematisch gefasste Handlungsanweisungen, kein Hexenwerk. Nach der sehr anschaulichen Einführung in die unterschiedlichen Typen von Algorithmen allerdings vertändelt sich Fry ein wenig. Sie bringt viele Beispiele, leider sehr viele, mit denen fast jeder Vortrag und jedes Sachbuch beginnt: Wie der sowjetische Offizier Petrow die Behauptung eines Spionagesatelliten ignorierte, die US-Amerikaner hätten ihre Atomraketen gestartet; wie der erste Wettkampf zwischen selbstfahrenden Autos kläglich scheiterte; wie das Programm "Deep Blue" Gari Kasparow schlug.

Ein Gespür für Details

Gleichzeitig hat Hannah Fry ein gutes Gespür für Details. Etwa wenn sie auf einen fiesen Trick der IBM-Programmierer hinweist: "Bei den sechs Spielen zögerte der Computer immer wieder, nachdem er seine Berechnungen beendet hatte – manchmal mehrere Minuten lang."

Das Ziel der einprogrammierten Verzögerung: Den Großmeister Gasparow glauben zu machen, "Deep Blue" durchschaue seine Taktik nicht.

Aufschlussreich sind auch ihre Erklärungen, warum das autonome Fahren mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Was, wenn eine Baustelle den normalen Straßenverlauf verändert? Dann muss das System anhand zahlreicher Sensordaten blitzschnell entscheiden, welchen Informationen es vertraut. Was Menschen relativ gut können, und den Hinweisen folgen, den Standstreifen zu befahren. Nun, die allermeisten Menschen, nicht umsonst sind Baustellen Staufallen.

Wider blindes Vertrauen und panische Angst

Fry kennt als Mathematikerin die Möglichkeiten und Schwächen der Algorithmen. Deswegen warnt sie vor allem davor, Vorhersagesoftware zu vertrauen, die verspricht, das Verbrechen einzudämmen. Und zitiert den Soziologen Gary Marx mit einem schlagenden Vergleich: In der Sowjetunion gab es bemerkenswert wenig Straßenkriminalität, als sich das Land auf dem Höhepunkt totalitärer Herrschaft befand. Aber, mein Gott, zu welchem Preis?“"

Wer eine Einführung in die Welt der Algorithmen sucht, ist bei Hannah Fry gut aufgehoben. Und wer vor Angst vor der Herrschaft künstlicher Intelligenz nicht mehr schlafen kann, dem sei der letzte Satz des Buches ans Herz gelegt: "Noch nie waren Menschen so wichtig wie im Zeitalter der Algorithmen."

Hannah Fry: "Hello World – Was Algorithmen können und wie sie unsere Leben verändern", übersetzt aus dem Englischen von Sigrid Schmid (272 Seiten), ist im C.H.Beck Verlag erschienen.

© C.H.Beck / Montage: BR

Das Cover von "Hello World" von Hannah Fry

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