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Hanna Schygulla erhält Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München | BR24

© Marco Nagel/BR Bild

Hanna Schygulla in der "Winterreise"

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    Hanna Schygulla erhält Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München

    Somnambuler Blick, kaum bewegte Stimme: Das Spiel von Hanna Schygulla ist unverkennbar. Zusammen mit Rainer Werner Fassbinder brachte sie Film-Glamour nach München, nun verleiht die Stadt ihr den mit 10.000 Euro dotierten Kulturellen Ehrenpreis.

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    Hanna Schygulla ist unverkennbar – keiner, der ihre Filme gesehen hat, wird sie ohne Weiteres vergessen. Sie spielt "undramatisch", wie die Jury zu Recht bemerkte, und doch mit stärkstem Effekt: dem "Schygulla-Sound". In der Laudatio zur Preisvergabe heißt es: "Bis heute ist Hanna Schygulla das Gesicht in Fassbinders Ouevre und die Stimme, die sein Erbe lebendig hält." 1967 habe sie der junge Regisseur als "Antigone" ans Münchner "Action-Theater" geholt und zur tragenden Figur seines "Anti-Theaters" gemacht. Mit "Liebe ist kälter als der Tod" begann 1969 ihre Filmkarriere, mit "Die Ehe der Maria Braun" und "Lili Marlen" kam der große Ruhm.

    Sie "betörte Generationen von Kinogängern"

    Aber Schygulla war nicht nur die Muse von Fassbinder, sie arbeitete auch mit so markanten Regisseuren wie George Tabori, Wim Wenders, Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotha und anderen. Die Jury: "Zu Beginn eine 'Vorstadt-Diva', später ein Star des deutschen Autorenfilms und der europäischen Filmszene. Mit Regisseuren wie Ettore Scola, Jean-Luc Godard und Carlos Saura wurde Hanna Schygulla zur Stil-Ikone und betörte Generationen von Kinogängern."

    Vielfach ausgezeichnet, holte die Schauspielerin das Filmband in Gold, den Silbernen Bären aus Berlin, die Goldene Palme aus Cannes nach München. Und die Jury vergisst nicht, darauf hinzuweisen, dass sie mit Helmut Newton durch den Englischen Garten spazierte und sich über Jahre um ihre pflegebedürftigen Eltern am Rand der Stadt kümmerte.

    Zweite Karriere mit jungen Regisseuren

    Danach startete sie mit jungen Regisseuren wie Jörg Graser, Hans Steinbichler und Fatih Akin in eine "zweite Karriere". Als liebenswerte Schwester Myriam war sie jüngst in Cédric Kahns "Auferstehung"zu sehen. Berlin ehrte sie mit dem Goldenen Bären für ihr Lebenswerk. Ihre Autobiografie erzählt, wie aus dem schlesisch-polnischen Flüchtlingskind im zerstörten Nachkriegsmünchen ein Weltstar wurde, der Glamour in die Isar-Metropole brachte. Der Buchtitel klingt wie ihr Lebens- und Schauspiel-Motto: "Wach auf und träume".

    Mit dem Kulturellen Ehrenpreis an Hanna Schygulla ehrt die Stadt München nach eigenen Worten eine Chanteuse und Schauspielerin, die in Paris lebt, die Filmgeschichte schrieb und ihre Bindung an München aufs Natürlichste mit französischer Lebensart, internationalem Renomée und Weltläufigkeit in Einklang bringt.

    Mit dem Kulturellen Ehrenpreis, vergeben seit 1958, wird eine Persönlichkeit von internationaler Ausstrahlung für ihre kulturellen oder wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnet. In vergangenen Jahren wurden Gerhard Polt, Antje Kunstmann, Herlinde Koelbl, Uwe Timm und Jürgen Habermas geehrt.

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