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Handke über Journalisten: "Hätte Fußtritte austeilen sollen" | BR24

© Barbara Gindl/picture alliance

Peter Handke: Wenig Vertrauen in Literatur

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    Handke über Journalisten: "Hätte Fußtritte austeilen sollen"

    Vor seinem Ausraster gegenüber Journalisten Mitte der Woche hat Literaturnobelpreisträger Peter Handke dem österreichischen "News"-Magazin ein Interview gegeben. Auch darin bleibt sein Ton weiterhin scharf: nicht nur den Medien gegenüber.

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    Geführt wurde das Interview bereits am vergangenen Samstag - also bevor Peter Handke in seinem Heimatort Griffen in Kärnten mit Medienvertretern aneinander geriet und gedroht hatte, keine Interviews mehr zu geben. Und schon in diesem Interview hat sich der Dichter einmal mehr über seiner Meinung nach ignorante Journalisten beschwert. Er habe jedenfalls den Eindruck gehabt, kaum einer der Fragesteller, die nach der Preisverkündung am 10. Oktober zu seinem Haus nach Chaville bei Paris geeilt seien, habe seine Bücher gelesen. Stattdessen seien sofort "provokative Fragen" nach seiner umstrittenen, serbenfreundlichen Haltung im Jugoslawien-Krieg gestellt worden. Im Nachhinein habe er sich gedacht, so Handke, er hätte "ein paar Fußtritte austeilen sollen".

    "Hauptsache, es ist geschehen"

    Mit dem Nobelpreis habe er aus "Gründen, die Sie sicher ahnen können", überhaupt nicht gerechnet, so der Schriftsteller, eine Anspielung auf die heftige politische Kritik an seinen Äußerungen. Am Telefon erhalte er, anders als in den Medien, viel Unterstützung. Das sei "bewegend, auch im physikalischen Sinn": "Manche sagen auch, das ist der Sieg der Literatur. Dann sage ich: Mit siegen hat Literatur nichts zu tun." Dass ihn Salman Rushdie einen "Trottel" genannt hat, kommentierte Handke im Interview mit dem ironischen Satz: "Da hat er ja recht."

    Zur Kritik von Politikern äußerte er sich ebenso gelassen: "Naja, macht ja nichts. Das gehört ja alles dazu. Hauptsache, es ist geschehen. Mein Freund Adolf Haslinger hat mir immer, wenn ein Hund gebrüllt hat - und ich bin sehr empfindlich gegen Hundegebrüll - , gesagt: 'Lass ihn doch, der muss das tun!' Dass nennt man amor fati, die Liebe zum Geschick." Am Lesen findet Handke nach eigener Aussage keine Freude mehr, da er "kein rechtes Vertrauen" in das habe, was "heutzutag' geschrieben" werde. Es sei "fast eine Schande", dass er sowenig Bücher zur Hand nehme.

    Peymann hält Kritik für "sehr aufgeblasen"

    Der frühere Intendant des Berliner Ensembles und des Burgtheaters, Claus Peymann, der viel mit Peter Handke zusammengearbeitet hat, nannte die Kritik am Autor "sehr aufgeblasen" und führte die Aufregung auf den "ungewöhnlichen Charakter" von Handke zurück: "Er ist kein Opportunist, er richtet sich nicht nach der Mehrheit, sondern spricht seine eigene Meinung aus, wie das Schriftsteller machen sollten." Auch Vertreter der Schwedischen Akademie hatten Handke energisch verteidigt, wenn auch nicht, ohne darauf hinzuweisen, dass seine politischen Auslassungen bisweilen "prekär und plump" gewesen seien. Wenn "etwas Neues" herauskomme, will die Akademie demnach die Lage neu bewerten.

    Auf jeden Fall will Handke weiter kreativ bleiben. Auf die Frage, ob er in den letzten Jahren weniger geschrieben, sich "zurückgezogen" habe, antwortete er: "Nein, beim Schreiben muss man sich zurückziehen. Aber das Schreiben muss weitergehen, um Gottes willen! Das Entwerfen, Erzählen." Bei den Salzburger Festspielen 2020 wird ein neues Stück von Handke uraufgeführt. Es geht darin um den Tschechen Zdenek Adamec, der sich 2003 aus Protest gegen die politischen Verhältnisse selbst in Brand steckte. Handke sagte dazu: "Die Festspiele haben es sich halt geschnappt. Es war ein schöner Streit zwischen Burgtheater und Salzburg."

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