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Handke rastet aus: "Stellt mir nicht solche Fragen!" | BR24

© Barbara Gindl/Picture Alliance

Peter Handke ist genervt

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    Handke rastet aus: "Stellt mir nicht solche Fragen!"

    Der Literaturnobelpreisträger ist genervt von Kritikern, die seine pro-serbische Haltung hinterfragen. Bei einem Auftritt in seiner Heimat reagierte der Autor unwirsch, verbat sich weitere Fragen und betonte, er "komme von Homer und Cervantes".

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    Peter Handke zeigt sich dünnhäutig: Bei einem seit längerem geplanten Besuch in seiner Kärtner Heimatgemeinde Griffen in der Nähe von Klagenfurt, reagierte er am Dienstagabend sehr aufgebracht auf Kritiker, die seine serbenfreundliche Haltung zum Thema machen. Aktuellen Anlass dafür gab es: Saša Stanišić, der diesjährige Träger des Deutschen Buchpreises und ein gebürtiger Bosnier, hatte dem Nobelpreisträger in seiner Dankesrede zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse vorgeworfen, dieser habe sich eine Wirklichkeit zurechtgelegt, die "nur noch aus Lüge" bestehe. Nach Stanišićs Auffassung leugnet Handke Kriegsverbrechen.

    "Keiner hat irgendwas von mir gelesen"

    Bei einem unerwarteten und nicht geplanten Gespräch mit Journalisten in Griffen rastete der in Paris lebende Nobelpreisträger schließlich aus und sagte nach den Aufzeichnungen des Ö1-Morgenjournals wörtlich: "Ich stehe vor meinem Gartentor und da sind fünfzig Journalisten - und alle fragen nur wie Sie und von keinem Menschen, der zu mir kommt, höre ich, dass er sagt, dass er irgendetwas von mir gelesen hat, dass er weiß, was ich geschrieben hab, es sind nur die Fragen: Wie reagiert die Welt, Reaktion auf Reaktion. Ich bin ein Schriftsteller, komme von Tolstoi, ich komme von Homer, ich komme von Cervantes, lasst mich in Frieden und stellt mir nicht solche Fragen!"

    In der österreichischen Presse hieß es sogar, Handke wolle "nie wieder Journalistenfragen" beantworten. Für seine Literatur "interessiere sich niemand", wird der Schriftsteller zitiert. Eine für heute Mittag geplante Pressekonferenz, die als "kurze Begegnung mit den Medien" bezeichnet worden war, sei am Morgen von der Gemeinde abgesagt worden. Auf der Homepage von Griffen ist zu lesen, Handke habe das Verhältnis zu seinem Heimatort als "etwas zärtliches" bezeichnet. Bei einem Empfang nach der abendlichen Gemeindratssitzung waren dem Autor eine "Pfeffermühle aus Kärtner Holz", sowie ein Bild vom Stift Griffen überreicht worden.

    "Ich fühle mich losgebunden von mir selber"

    Auf die Frage, was ihm der Nobelpreis bedeute, hatte Handke dem Morgenjournal zufolge bemerkt: "Heimito von Doderer, der große österreichische Epiker, hat mal in seinen Büchern über einen seiner Helden geschrieben, er fühle sich losgebunden vom Fall des eigenen Ich. Vielleicht bedeutet mir der Preis auch, dass ich mich losgebunden fühle von mir selber. Man ist nicht mehr das Individuum, das man war."

    Am kommenden Donnerstag steht Handkes zum modernen Klassiker gewordenes Theaterstück "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" am Stadttheater Klagenfurt auf dem Spielplan. Das Schauspiel kommt ohne Worte aus. Ob der Autor, wie eigentlich geplant, die Vorstellung besuchen wird, ist offiziell nicht bekannt. Bei dem Besuch in Griffen war Handke nicht nur von Bürgermeister Josef Müller und Mitgliedern des Gemeinderats empfangen worden, sondern auch von Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ).

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