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Haim treten gegen die Altherren-Atmosphäre der Musikindustrie an | BR24

© Bayern2

Die Band Haim

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Haim treten gegen die Altherren-Atmosphäre der Musikindustrie an

Die drei Schwestern von Haim haben sich vom Indie-Rock-Geheimtipp zu einer großen Band entwickelt: mit klarer politischer Haltung und ur-amerikanischem Sound. Ihr neues Album "Women in Music Pt. III" hat auch eine feministische Botschaft.

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"Women in Music Pt. III" heißt das neue Album der kalifornischen Band Haim, das nun erschienen ist. Haim ist eine Band, die aus drei Schwestern besteht. Die erste Single des Albums erschien bereits vor einem Jahr, die Platte selbst wurde von den Fans sehnlich erwartet und hätte im April erscheinen sollen – die Veröffentlichung wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben.

Die momentan größte Band der Welt

"Ziehst du im Bett dieselben Gesichter wie auf der Bühne?" Sexistische Fragen wie diese stellen Journalisten den Mitgliedern von Haim seit Anfang ihrer Karriere. Als drei junge Frauen, die Musik machen, haben Danielle, Este und Alana Haim hunderte Kommentare zu ihrem Aussehen und ihren musikalischen Fähigkeiten bekommen. Kein Wunder, dass sie langsam die Nase voll davon haben. Die ersten Zeilen im Song "Man From The Magazine" sind direkt an Journalisten gerichtet, die Haim auf ihr Aussehen reduzieren: "Was ist das denn für ne Frage, Mann?"

Der Albumtitel "Women in Music Pt. III" ist eine direkte Anspielung auf die Altherren-Atmosphäre der Musikindustrie. Haim sind eine gestandene, Grammy-nominierte Band mit knapp drei Millionen Followern in den sozialen Netzwerken – und trotzdem, erzählen sie in Interviews, wollen ihnen männliche Angestellte in Gitarrenläden immer noch Akkorde erklären. Haim können es mittlerweile mit Humor nehmen. Und ihr neues Album sollte alle Zweifel an ihren Fähigkeiten und ihrem Status als momentan größte Band der Welt ausräumen.

Selbstverständliches Genre-Hopping

Die britische Musikzeitschrift NME hat in ihrer Rezension von "Women in Music Pt. III" die Höchstwertung vergeben: fünf von fünf Sternen. Und tatsächlich ist dieses Album Haims bisher bestes. Die Songs entstanden während einer für die Schwestern schwierigen Zeit. Bei Sängerin Danielles Partner und gleichzeitig dem Produzenten des Albums, Ariel Rechtshaid, wurde Hodenkrebs diagnostiziert. Und Alana Haim trauerte um eine enge Freundin, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.

Die Songs auf "Women in Music Pt. III" sind vielleicht auch deswegen insgesamt eher ruhig: Das Tempo ist bedächtig, der Fokus liegt auf den Texten und den Melodien. Musikalisch passiert aber innerhalb dieser Grundausrichtungen sehr viel. Folk-Legende Joni Mitchells Einfluss ist schnell erkennbar, genauso wie Haims Faible für den sonnengeküssten Rock-Sound von Fleetwood Mac. Aber auch Haims andere große Leidenschaft kommt dringt zum ersten Mal richtig durch: der poppige R&B-Sound der späten 90er- und frühen Nullerjahre.

Dieses selbstverständliche und natürlich wirkende Genre-Hopping ist vielen Bands, die von Haims Musik beeinflusst sind, in Fleisch und Blut übergegangen. Eine neue Generation von Musikerinnen und Bands, in den USA und auch in Deutschland, positionieren sich wie Haim auch klar gegen Sexismus und Rassismus und lassen ihre Musik zwischen Rock, R&B und HipHop hin und her tänzeln. Haims Ästhetik, Einstellung und Sound haben also schon in den letzten paar Jahren bereits deutliche Spuren hinterlassen. Und mit "Women in Music Pt. III" haben sie ein Album gemacht, das auch 2040 noch Hörerinnen und Hörer neu für sich entdecken werden: einen modernen Klassiker.

"Women in Music Pt. III" von Haim ist bei Universal erschienen.

© Universal

Cover von "Women in Music Pt. III"

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