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Der Name steht für Erfolg: Gunter Sachs-Schau in Schweinfurt | BR24

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In diesem Jahr feiert die Kunsthalle Schweinfurt ihr zehnjähriges Bestehen. Zum Jubiläum widmet die Kunsthalle Gunter Sachs vom 15. März bis 16. Juni 2019 eine exklusive Ausstellung.

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Der Name steht für Erfolg: Gunter Sachs-Schau in Schweinfurt

Verfolgt von Paparazzi, beliebtes Porträt-Motiv für zeitgenössische Künstler: Der Playboy und Fotograf Gunter Sachs inspirierte eine Ära. In der Kunsthalle Schweinfurt sind 170 Arbeiten von und über ihn zu sehen. Eine spektakuläre Werk-Schau.

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Klar, er war ein Playboy. Gunter Sachs hatte ein Techtelmechtel mit der persischen Exil-Kaiserin Soraya. Er war drei Jahre lang mit Brigitte Bardot verheiratet. Vor der Hochzeit in Las Vegas lässt der fränkische Industriellensohn aus einem Hubschrauber rote Rosen auf das Anwesen der französischen Filmikone regnen. Die zweite Ehe mit dem schwedischen Model Mirja Larsson hält dann bis zum Tod von Gunter Sachs vor knapp acht Jahren. Aber Sachs war eben nicht nur Lebemann, sondern auch Kunstliebhaber. Selbst ein ambitionierter Fotograf, dazu Sammler von Fotokunst und Malerei. Die Kunsthalle in Schweinfurt – Sachs wurde 1932 ganz in der Nähe geboren – zeigt erstmals dessen eigenen Arbeiten und Sammlung in einer Ausstellung.

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Verfolgt von Paparazzi, beliebtes Porträt-Motiv für zeitgenössische Künstler: Der Playboy und Fotograf Gunter Sachs inspirierte eine Ära. In der Kunsthalle Schweinfurt sind 170 Arbeiten von und über ihn zu sehen. Eine spektakuläre Werk-Schau.

Der Name Sachs hat in Schweinfurt einen hohen Stellenwert. Ernst Sachs erfand die Freilaufnabe mit Rücktrittbremse am Fahrrad und gründete 1895 mit dem Kaufmann Karl Fichtel die Firma Fichtel & Sachs. Mit dem Verkauf von Stoßdämpfern und Kupplungen beschäftigte das Unternehmen zeitweise mehr als 10.000 Menschen. Im Ersten Weltkrieg erwarb Ernst Sachs Schloss Mainberg. Dort wo sein Enkel Gunter 1932 geboren wurde. Der Gunter Sachs, der später zum berühmten Playboy wurde und bis zu seinem Tod einen Bezug zu Schweinfurt hatte, sagt sein Sohn Rolf Sachs: "Wir verdanken der Stadt Schweinfurt sehr viel, und das werden wir auch nie vergessen. Hier, das Museum, das ursprünglich als Stadtbad von meinem Urgroßvater gespendet wurde, ist ein wunderschöner Umbau. Ich erinnere mich, als ich Kind war, war das Schwimmbad eher eine dunkle Sache und war nicht sehr zeitgemäß, und jetzt ist daraus wirklich ein ganz toll proportioniertes Museum geworden."

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Gunter Sachs, "Heldenepos" (1996)

Ein Museum, das dieses Jahr schon seinen zehnten Geburtstag feiert. Und quasi als Geschenk kam die zweite Ausstellung mit Werken von Gunter Sachs ins Haus. Vor sechs Jahren zeigte die Kunsthalle die private Sammlung von Gunter Sachs mit Werken von Andy Warhol oder René Magritte. Jetzt steht Gunter Sachs als Künstler im Mittelpunkt. Rolf Sachs: "Er war ein großer Ästhet, und ich glaube, diese ästhetische Sprache ist etwas ganz Besonderes, was bei seiner Foto-Kunst rüberkommt. Das gibt es aber sehr oft, dass der Künstler gleichzeitig auch Sammler ist, und bei ihm, das muss man einfach sagen, waren ganz einfach auch die Mittel da. Sehr oft hat ein Künstler einfach nicht die Mittel, um sich die Kollegen kaufen zu können."

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Andy Warhol, "Gunter Sachs" (1972)

Von Paparazzi gejagte Berühmtheit

Die Kunsthalle zeigt einen Überblick der Kamerakunst von Gunter Sachs. Fotografie, Film und erstmals Fotografien von Gunter Sachs selbst im Zusammenhang mit seiner Fotosammlung. Denn Sachs war als Figur des internationalen Jetsets Zeit seines Lebens ein beliebtes Fotomotiv, eine von Paparazzi gejagte Berühmtheit. Sachs als Fotograf, Filmemacher und Motiv, das gab es so noch nie, sagt Andrea Brandl, die Leiterin der Kunsthalle: "Es ist tatsächlich so gewesen, dass zwei Leute dieselbe Idee hatten, nämlich Dr. Letze vom Institut für Kulturaustausch und ich, und wir haben uns vor zwei Jahren die Frage gestellt, was ist eigentlich aus der Foto-Sammlung geworden. Wir wussten um sie, nur ein ganz, ganz kleiner Teil davon wurde 2013/14 gezeigt, etwa neunzig Fotos. Und mit diesem starken Partner aus Tübingen haben wir über eineinhalb Jahre diese Ausstellung konzipiert."

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Gunter Sachs, "Ascot"

"In dieser Konzentration noch nie gezeigt"

Gezeigt werden zahlreiche Fotografien von Gunter Sachs aus den Bereichen Mode, Stillleben, Architektur, Portrait, Landschaftsfotografie und Experimentalfotografie. Die Bilder werden im Kontext seiner privaten Fotosammlung präsentiert, die Werke von bekannten Größen wie Andreas Feininger, Andy Warhol oder Irving Penn sowie mehrere Arbeiten junger Künstler umfasst. Andrea Brandl: "In dieser Konzentration ist die Sammlung tatsächlich, und das war auch der Hintergedanke, noch nie gezeigt worden. Es sind etwa 170 Arbeiten. Das Interessante bei dieser Ausstellung ist auch, dass wir lokale Bezüge haben. Nicht so sehr über das Thema, aber über die Kunstgeschichte an sich. Mit einem Namen wie Yves Klein haben wir Bezüge zur eigenen Sammlung, das macht es zusätzlich spektakulär."

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Gunter Sachs, "Esquisse"

Abgerundet wird die Ausstellung mit dem filmischen Werk von Gunter Sachs. Preisgekrönte Kurzfilme oder sein Sportfilm „Happening in White“ über den Skisport. Damals 1969 war er einer ersten, der die Super-Zeitlupe als Stilmittel einsetzte. Die erste Gunter Sachs-Ausstellung in Schweinfurt war 2013 ein Riesenerfolg. 65.000 Besucher wollten die Sammlung des prominenten Industrieerben sehen. Ähnlich viel Zuspruch erhofft sich Andrea Brandl von der Ausstellung über seine Kamerakunst: "Gunter Sachs, der Name steht für Erfolg, das ist ganz klar. Ich freue mich natürlich besonders, dass uns die Familie Sachs zum zehnjährigen Jubiläum der Kunsthalle unterstützt. Wir sind ja 2009 eröffnet worden, von der damaligen Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Das wird sicher ein großer Erfolg!"

Bis zum 16. Juni ist die Ausstellung in der Kunsthalle zu sehen. Und dann spekuliert man in Schweinfurt insgeheim schon darauf, auch Werke von Rolf Sachs zeigen zu können. Der Sohn von Gunter Sachs ist selbst Künstler und Designer und lebt schon seit einigen Jahren in London.

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