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Humor als Verteidigungstrategie: Cartoonist Mordillo gestorben | BR24

© dpa-Bildfunk/Herbert Pfarrhofer

Die Knollennasen-Männchen machten ihn berühmt: Cartoonist Guillermo Mordillo

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Humor als Verteidigungstrategie: Cartoonist Mordillo gestorben

Der argentinische Zeichner Guillermo Mordillo ist tot. Seine Figuren mit den Knollennasen sind auf der ganzen Welt berühmt. Für ihre tragikomischen Geschichten ohne Worte hatte der begnadete Beobachter Mordillo große stumme Vorbilder.

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Guillermo Mordillo starb im Alter von 86 Jahren auf Mallorca, wie seine Agentur gegenüber der dpa bestätigte. Mordillo wurde für seine wortlosen Knollnasen-Männchen berühmt. Seine Karriere führte ihn von seiner Geburtsstadt Buenos Aires rund um die Welt: Als Werbegrafiker nach Lima, als Trickfilm- und Popeye-Zeichner nach New York und als Grußkarten-Designer nach Paris, wo er nicht nur die Frau seines Lebens, sondern auch seinen eigenen Stil fand.

"Ich zeichne Cartoons, um nicht zu weinen"

Hier begann er seine Cartoons zu zeichnen, die auf der ganzen Welt verstanden werden, weil sie eben ohne Worte auskommen: "Als ich in Paris 1966 anfing, Cartoons zu zeichnen, sprach ich nicht sehr gut Französisch", erzählte Murdillo später. "Deshalb beschloss ich auf Worte zu verzichten – und es funktionierte. Als ich damit begann, dachte ich, ich würde vielleicht zehn oder 15 Cartoons zeichnen." Es sind dann doch sehr viel mehr Bilder geworden. "Ich weiß nicht wie. Aber ich habe es geschafft."

Ja, er hat es geschafft – auch ohne Worte: Wie seine stummen Vorbilder: die Marx Brothers, Charlie Chaplin, dem er einmal die Hand geschüttelt hat, und all die anderen tragikomischen Stars der Stummfilmzeit: "Meine Figuren erinnern an Buster Keaton. Sie sind nicht traurig, aber melancholisch. Auch ich bin ein melancholischer Mensch. Jeden Tag sieht und hört man schreckliche Dinge in den Nachrichten. Die Menschen leiden zu viel. Deswegen zeichne ich Cartoons, um nicht zu weinen. Es ist eine Verteidigungsstrategie. Ich verteidige mich mithilfe des Humors und ich hoffe, dass ich auch anderen Menschen dabei helfen kann, sich gegen die Traurigkeit zu verteidigen."

© picture-alliance / KPA

Mordillo-Figuren: Verzweifelt aber einfallsreich

Cartoons voller Zärtlichkeit und Liebe

Auch das macht Mordillos weltweiten Erfolg aus. In seinen Cartoons sei so viel Zärtlichkeit und Liebe verborgen, meinte einst ein anderer stummer Künstler der Pantomime, Marcel Marceau. Und es ist doch tröstlich, dass die kleinen Männchen und Weibchen ebenso verwirrt und hilflos durch die Welt stolpern wie wir. Wie sie durch Labyrinthe irren oder auf einsamen Inseln festsitzen und dennoch nicht verzweifeln, sondern so einfallsreich und neugierig wirken wie ihr Schöpfer: "Vielleicht sehe ich mehr als andere Menschen, weil ich genauer hinschaue. Wenn ich durch die Straßen einer Stadt gehe, dann arbeitet mein Gehirn wie ein Computer: Überall entdecke ich kleine Szenen. Ich höre Gespräche von Passanten, höre den Wind in den Bäumen, und wenn ich Zug fahre, komme ich noch nicht einmal dazu, eine Zeitung zu lesen, weil sich vor dem Fenster so viel abspielt. Ideen sind wie Schmetterlinge: Sie fliegen um uns herum. Man muss sie nur fangen."

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