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Günter Rohrbach
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Moritz Holfelder
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Günter Rohrbach

Günter Rohrbach war immer mittendrin. Bei Vorbereitungen. Bei Dreharbeiten. Bei Premieren. Gab Ratschläge. Mischte sich ein. Wollte die Filme, die er produzierte, auch seine eigenen nennen können. 1979 wurde er Chef der Münchner Bavaria, just zu dem Zeitpunkt, als dort "Das Boot" abzusaufen drohte. Sieben Millionen D-Mark hatte man schon ausgegeben für die damals größte deutsche Produktion, aber es existierte noch nicht einmal ein brauchbares Drehbuch. Das Projekt schien dem Untergang geweiht.

Da setzte Günter Rohrbach eine Handvoll damals noch relativ unbekannter Schauspieler durch, darunter Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer, Uwe Ochsenknecht, Otto Sander – und machte Wolfgang Petersen zum Regisseur, obwohl vom Aufsichtsrat eigentlich ein Mann aus Hollywood gefordert wurde, wie sich Rohrbach erinnert: "In dieser Zeit, wo man alles Mögliche miteinander durchmacht, durch viele Höhen und Tiefen geht, wo die Dämonen jede Nacht kommen und einen am Schlaf hindern, weil mal wieder dieses und jenes passiert ist, da hat sich dann doch eine Freundschaft gebildet – und die hat sich bis heute gehalten. Wir erzählen uns, was der eine und was der andere macht."

Erfolgreicher Skeptiker

"Wassereinbrüche gestoppt!" – Günter Rohrbach konnte das als Produzent immer wieder vermelden; er rettete so manches Filmprojekt. Dabei sieht er sich selbst eher als Skeptiker, als Warner, als einer, der oft dort ein halbleeres Glas erkennt, wo andere ein halbvolles sehen. Für ihn als Produzenten war das oft schwer zu vermitteln: "Erstens wird das dann beobachtet," so Rohrbach, "der Regisseur fühlt sich unwohl. Dadurch wird er auch nicht besser, im Gegenteil, dadurch wird er eher schlechter. Aber entscheidend ist ja, dass man das, was man selber an Kritik empfindet, für den weiteren Fortgang des Films einbringt. Und das kann man sehr viel besser am Abend, wenn man in Ruhe mit dem Regisseur sprechen kann."

Als Produzent ließ er sich nie festlegen, letztlich forderte und förderte Rohrbach beides: Populäres Kino und Kunst. Zuerst als legendär mutiger Redakteur beim WDR, der Regisseuren wie Klaus Lemke, Peter Zadek, Wim Wenders, Rosa von Praunheim, Rainer Werner Fassbinder und Wolfgang Petersen zu meist höchst umstrittenen Fernsehfilmen verhalf. Dann als Geschäftsführer der Bavaria, der Loriots Kinokomödie "Ödipussi" produzierte, aber auch die Ossi-Klamotte "Go Trabi Go" sowie drei große Thriller von Dominik Graf. Und schließlich kam ab 1994 die Zeit als freier Produzent – mit Kinderfilmen wie "Rennschwein Rudi Rüssel" über Historien-Dramen wie "Aimée und Jaguar" bis zur Jan-Weiler-Komödie "Das Pubertier". Das war 2017 seine bisher letzte Produktion.

Mit unerbittlicher Leidenschaft

Als hartnäckig, enthusiastisch und humorvoll beschreiben ihn diejenigen, mit denen er zusammengearbeitet hat, von Joseph Vilsmaier über Senta Berger bis Edgar Reitz. Erfolge hat er selbst immer als glückhaft empfunden, aber gearbeitet hat Rohrbach für alle seine Filme immer mit unerbittlicher Leidenschaft.Ein großer Produzent wurde er, weil er nie lockergelassen hat. Auch bei den Filmen, die am Ende missglückten.

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Moritz Holfelder

Sendung

kulturWelt vom 23.10.2018 - 08:30 Uhr