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Das Modelabel "Grubenhelden" auf der New York Fashion Week | BR24

© ARD

Hemden aus Grubenkitteln, Muster auf Kohlebasis: Das Gladbecker Modelabel Grubenhelden schneidert seinen Kunden die Geschichte des Bergbaus auf den Leib. Und stellte den Kohlenpott-Style nun in Manhattan vor – mit echten Kumpels auf dem Catwalk.

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Das Modelabel "Grubenhelden" auf der New York Fashion Week

Hemden aus Grubenkitteln, Muster auf Kohlebasis: Das Gladbecker Modelabel Grubenhelden schneidert seinen Kunden die Geschichte des Bergbaus auf den Leib. Und stellte den Kohlenpott-Style nun in Manhattan vor – mit echten Kumpels auf dem Catwalk.

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Kohlekumpel goes Big Apple: Für Matthias Bohm, Gründer des Gladbecker Modelabels Grubenhelden, ist klar: Die Zechen sind dicht, aber das Ruhrgebietskind will ihre Story in die Welt tragen: "Wie kann ich meinem Opa, der Bergmann war, besser danke sagen und allen Bergleuten danke sagen, als der ganzen Welt von unserer Geschichte zu erzählen? Wir machen Mode. Und wohin geht es im Bereich Mode als auf die größte Fashion Show der Welt? Und das ist Nach New York."

Bergbau-Charme in New York

Vier echte Bergleute auf dem Catwalk in einer der hippsten Ecken von Manhattan: Nach Tagen des Rummels liefen die perfekt gestylten Bergleute wie am Schnürchen. Kohlekumpel Klaus Pütz war dabei klar im Vorteil: "Ich war schon hier zur Fashion Week, hab mir die angeguckt, da war natürlich Bling-Bling – und hier ist jetzt unser Bergbau-Charme." Zwischen langbeinigen Models in hipper Streetwear zogen sich die Kumpels in einem nachgebauten Waschraum um und krempelten ihre Ärmel hoch.

© Antje Passenheim

Alte Stoffe für neue Mode

Grubenhelden-Gründer Bohm will dieses Bild für immer wahren: "Wir nutzen die Bekleidung als Vehikel, um Geschichte zu erzählen." Und in die Haut der Kohlekumpel zu schlüpfen: "Jeder beschäftigt sich mit Klamotten, und der Bergmann zieht sich zu seiner Schicht um. Zieht sich sein Bergmannshemd an, seine Jacke, seine Hosen. Und so war die Idee geboren, mit Zeitzeugen und den Originalstoffen der Bergleute coole, stylishe Klamotten zu machen. Wo du im ersten Augenblick gar nicht siehst, dass die Sachen aus dem Pott kommen."

Familiengeschichten werden zu Mode

Jacken, Röcke, Kapuzenpullis: Schwarz-Weiss-Mode, die Bände spricht. Denn jedes Teil zitiert an irgendeiner Stelle ein Stück Bergmannsalltag, erklärt Chefdesignerin Felicitas Kasper: "Entweder im Grubenhemdstoff, im Jackenstoff oder mit unseren Mustern, wo wir mit Original-Kohle arbeiten." Die Geschichten, die dazugehören, tragen Bergarbeiterfamilien und ihre Kinder häufig selbst in den Gladbecker Laden der Grubenhelden. Etwa Joachim und Magdalena Hermanski: "Der Bergkittel war von ihrem Vater, die Mutter war verstorben", erzählt Matthias Bohm. "Sie hatten den Haushalt aufgelöst, kamen zu mir in den Laden und haben mir den Kittel geschenkt." Auf einem Foto von 1938 war der Bergmann darin zu sehen.

© Grubenhelden

Modenschau der Grubenhelden bei der New Yorker Fashion Week

Und mit diesem Jahr nun beginnt die Show in New York: "Bergmannskittel Alois" ist das erste Stück, das über den Laufsteg in Manhattan schwebt. Die frisch gecasteten New Yorker Models finden ihn so hip wie die anderen Kleidungsstücke: Tolles Design, coole Streetwear, sagen Michelle und Tayler. Und Aly Ndiaye gerät sofort ins Philosophieren: Er fühle die Kraft, die dahinter stecke, fühle sich gut und selbstbewusst. Auch das Publikum ist begeistert: "Eine tolle Show, sehr anders als sonst", meint eine New Yorker Modejournalistin. Und Gründer Matthias Bohm ist sich sicher: Das war nicht die letzte Modenschau. Gelebter Strukturwandel auf Erfolgskurs. "Wir haben mittlerweile in ganz Europa, aber auch nach Japan und in die USA Sachen verschickt, wo die Leute die Klamotten einfach cool fanden."

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