Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Stuttgart bietet faszinierende Einblicke in die Welt der Azteken | BR24

© Bayern 2

Vor 500 Jahren fielen die Spanier bei den Azteken ein, die Raubkunst wurde in ganz Europa verteilt. Eine Landesausstellung im Stuttgarter Linden-Museum zeigt 150 hochkarätige Leihgaben aus mexikanischen und europäischen Museen.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Stuttgart bietet faszinierende Einblicke in die Welt der Azteken

Vor 500 Jahren fielen die Spanier bei den Azteken ein, die Raubkunst wurde in ganz Europa verteilt. Eine große Landesausstellung im Stuttgarter Linden-Museum zeigt nun rund 150 hochkarätige Leihgaben aus mexikanischen und europäischen Museen.

Per Mail sharen
Teilen

Von der Großleinwand spricht ein junger Mann mit Baseballcap und Ohrring. Er spricht Nahuatl, die Sprache der Azteken, und seine Nachricht lautet: "Leute, wir müssen die Sprache unserer Vorfahren wieder lernen. Das ist unsere Tradition!"

Wie er sind viele Mexikaner stolz auf die Leistungen der Azteken. Völlig zu Recht, findet Doris Kurella, die Kuratorin der Großen Landesausstellung "Azteken" im Stuttgarter Linden-Museum: "Zum einen gab es eine hochentwickelte Wirtschaft, die Medizin war sehr gut, das ganze Staatswesen hat funktioniert. Das ganze Leben, auch das alltägliche Leben, nicht nur die Rituale, waren vom Ritualkalender vorherbestimmt. Man hat im Wahrsagekalender geschaut, wann man am besten heiratet, damit die Ehe glücklich verläuft. Alles war von der Religion durchdrungen und durch die Religion bestimmt."

Erzählungen von Göttern, Tier- und Menschenopfern

Im Halbdunkel eines Saales befindet sich eine raumfüllende Sonnenscheibe. Weil das steinerne Original in Mexiko 24 Tonnen wiegt, musste das Linden-Museum sie nachbauen. Eine Videoprojektion lässt auf der Scheibe Riesen und Feuerzungen tanzen – erzählt wird der Schöpfungsmythos der damaligen Zeit. Damit eine neue Sonne aufsteigen kann, musste sich einer der Götter opfern. Der Legende nach war es der bescheidene Gott Nanauatzin, der freiwillig ins Feuer sprang und als Sonnengott Tonatiuh wiedergeboren wurde.

© Museum der Kulturen Basel, Foto: Peter Horner

Figur des Sonnengottes Tonatiuh

Um den Kreislauf von Entstehen und Vergehen in Gang zu halten, sollten auch die Menschen Opfergaben bringen – vor allem Tiere und Pflanzen. Doch es gab auch Menschenopfer. Nach aztekischem Glauben waren sie gleichwertig mit anderen Geschöpfen – also durfte es keine Ausnahme geben. Allerdings übertrieben die Spanier beim Thema Menschenopfer, um ihre eigene Religion in ein besseres Licht zu rücken.

Missionierung und Inquisition

Auch darüber hinaus haben die Katholiken großen Schaden angerichtet, sagt Museumsleiterin Ines de Castro: "Die katholische Kirche war natürlich – durch die Missionierung – Bestandteil der Eroberung. Es gab eine sehr starke Inquisition in Mexiko und dadurch ist sehr viel zerstört worden. Es gab Bücherverbrennungen, Statuen wurden zerstört, Menschen getötet. Andererseits haben wir durch die Beschreibungen der Ordensleute auch einen sehr guten Einblick in diese Kultur."

Eine Kultur, die vom Opferritual geprägt ist – und die in Mexiko bis heute lebendig ist.

Die Große Landesausstellung "Azteken" kann vom 12. Oktober 2019 bis 3. Mai 2020 im Linden-Museum Stuttgart besucht werden.

© D.R. Archivo Digital de las Colecciones del Museo Nacional de Antropología, Secretaría de Cultura – INAH

Mictlantecuhtli aus Keramik und Pigment

© D.R. Archivo Digital de las Colecciones del Museo Nacional de Antropología, Secretaría de Cultura – INAH

Kopf des Gottes Tlaloc aus metamorphem Gestein

© D.R. Archivo Digital de las Colecciones del Museo Nacional de Antropología, Secretaría de Cultura – INAH

Räuchergefäß in Gestalt der Wasser- und Fruchtbarkeitsgöttin Chalchiuhtlicue aus Keramik und Pigment

© D.R. Archivo Digital de las Colecciones del Museo Nacional de Antropología, Secretaría de Cultura – INAH

Kelch mit appliziertem Schädel aus Ton, Keramik und Pigment (Detailansicht)

© Royal Museum of Arts and History, Brüssel

Adlerkopf aus Stein

© Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Vogelkopfmaske aus Holz, Türkis, Spondylusmuschel, Harz, Perlmutt und Malachit

© Rautenstrauch-Joest-Museum Köln; Rheinisches Bildarchiv Köln, Wolfgang F. Meier, 2012

Skulptur des Ehecatl aus Andesit

© MAS, Antwerpen, Foto: Hugo Maertens, Brügge

Anhänger aus Gold

© Museum der Kulturen Basel, Foto: Peter Horner

Steinskulptur in Form einer gefiederten Schlange, polychrom bemalt

© Nationaal Museum van Wereldculturen, Foto: Irene de Groot

Dreifußschale mit Rassel aus Keramik und Pigment

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!