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Grimme Online Awards in Köln vergeben | BR24

© dpa/pa

Eine Frau schaut sich die Plattform "Wem gehört Hamburg?" an

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    Grimme Online Awards in Köln vergeben

    Das Grimme-Institut hat in Köln die Grimme Online Awards vergeben. Der undotierte Preis gilt als wichtigste deutsche Auszeichnung für Online-Publizistik. Ausgezeichnet wurde unter anderem die Plattform "Wem gehört Hamburg?".

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    Die Plattform "Wem gehört Hamburg?" über Besitzverhältnisse auf dem Wohnungsmarkt ist in Köln mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden. Mehr als 1.000 Mieter haben auf der Plattform Belege über den Eigentümer ihrer Wohnung hochgeladen. Zusammengekommen sind die Eigentumsdaten zu 15.000 Wohnungen.

    Mehr Transparenz auf dem Mietmarkt

    "Es waren viele kleine Puzzleteile", schreibt das Recherchezentrum "Correctiv", das das Angebot zusammen mit dem Hamburger Abendblatt entwickelt hat. Das Ziel: mehr Transparenz auf dem Mietmarkt. Denn nur wenn man wisse, wie der Wohnungsmarkt wirklich aussehe und wer dort investiere, könne man auch etwas gegen den Mietwahnsinn unternehmen. Die Bürgerrecherche soll auch auf andere Städte ausgeweitet werden. Die Jury bezeichnete das Angebot als "herausragend".

    Der Grimme Online Award gilt als wichtigster deutscher Preis für Online-Publizistik. Aus 1.200 Vorschlägen hatte die Nominierungskommission 28 Angebote ausgesucht.

    Krautreporter ausgezeichnet

    Mit einer Crowdfundingaktion gegründet wurde 2014 auch das gleichfalls ausgezeichnete Portal "Krautreporter". Nach mehreren Umstrukturierungen trägt nun eine Genossenschaft die Kernredaktion. Die Jury zeigte sich überzeugt "von der thematischen Breite und Tiefe". In vorbildlicher Weise werde hier auf die Lebenswelt der Leser eingegangen, ohne ihnen nach dem Mund zu reden.

    Ebenfalls durch Crowdfunding finanziert ist der Blog "Butterbrod und Spiele", mit dem der Autor Moritz Gathmann und der Fotograf Christian Frey zur Fußball-WM 2018 aus ungewöhnlichen Perspektiven über Russland informierten. Auf ihrer Reportagereise trafen sie unter anderem einen sibirischen Comiczeichner und die Nachfahren schwäbischer Siedler. "Viele dieser Geschichten sind dadurch entstanden, dass man losfährt und einfach den Menschen zuhört", sagte Gathmann. In den etablierten Medien sei dafür eher kein Platz, weil auch nicht in jeder Geschichte das Wort "Putin" vorkomme.

    Die Sicht auf die Mutter

    Im übrigen wurden kleine Angebote ausgezeichnet, so der Podcast "Mensch Mutta", der sich aus ganz subjektiver Sicht mit dem Leben einer Mutter in der DDR beschäftigt, und der medienkritische Youtube-Kanal "Ultralativ", auf dem zwei Studenten über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen aus dem Youtuber-Universum informieren. "Ultralativ" sei schlau, aber auch offen für Doofes, hieß es in der Laudatio. Damit Geld zu verdienen, würde sich falsch anfühlen, sagte einer der Macher, Paul Schulte.

    Einen weiteren Preis gewannen die Strichmännchen-Cartoons des "Witzbildzeichners" Tobias Vogel in seinem Satire-Format "Krieg und Freitag". Die auf Twitter, Facebook und Instagram veröffentlichten Karikaturen behandeln sowohl politische als auch persönliche Themen.

    Ausgezeichnet wurden zudem der Gemeinschaftsblog "Techniktagebuch", der Veränderungen in der Alltagstechnik beschreibt, die Jugendnetzkonferenz "Tincon", die laut Jury einen Diskursraum für 13- bis 21-Jährige über das Internet eröffnet, und der Youtubekanal "Einigkeit & Rap & Freiheit", der den Publikumspreis gewann.

    Hohe Qualität journalistischer Netzformate

    Der diesjährige Jahrgang habe sich, so war bei der Präsentation der Nominierten im Mai zu hören, weniger durch innovative Konzepte als durch eine hohe Qualität und Breite der Projekte ausgezeichnet: Das digitale Geschichtenerzählen werde mit all seinen multimedialen Möglichkeiten genutzt, der crowdfinanzierte Journalismus habe seine Experimentierphase hinter sich gelassen. Begeistert zeigte sich sich die Nominierungskommission von der Entwicklung der Podcasts: Sie seien "zu einer festen Größe im Repertoire der Netz-Publizistik geworden".

    Mit dem Grimme Online Award zeichnet das Grimme-Institut seit 2001 qualitativ hochwertige Online-Angebote aus. In vier Kategorien: Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung und der Sparte "Spezial" für besonders innovative Konzepte. Jeder kann Vorschläge einreichen. Die Preisträger werden von einer Jury ausgewählt, es gibt aber auch einen eigenen Publikumspreis, der über eine Online-Abstimmung ermittelt wird.

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