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Greift nach den Sternen: die erste deutsche Astronautin | BR24

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Suzanna Randall hat große Pläne. Sie will die erste deutsche Frau auf der ISS werden und allen Mädchen und Frauen in Deutschland zeigen: Auch Frauen können sich in Männerdomänen durchsetzen und gegen viele Widerstände ihre Ziele erreichen.

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Greift nach den Sternen: die erste deutsche Astronautin

Suzanna Randall hat große Pläne. Sie will die erste deutsche Frau auf der ISS werden und allen Mädchen und Frauen in Deutschland zeigen: Auch Frauen können sich in Männerdomänen durchsetzen und gegen viele Widerstände ihre Ziele erreichen.

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Suzanna Randall

Suzanna Randall ist eine Frau, die hoch hinaus will. Ende 2020 will sie auf die Internationale Raumstation ISS. Der Traum vom Weltall – bislang wird er vor allem für Männer wahr. Weltweit haben Frauen in der Raumfahrt nur einen Anteil von zehn Prozent. Unter den elf deutschen Astronauten war keine einzige Frau. Deutschland gehört damit im internationalen Vergleich gemeinsam mit Kasachstan zu den Schlusslichtern: Jedes Land, das mehr als drei Astronauten stellte, schickte mindestens auch eine Frau ins All. Die Möglichkeiten, sich offiziell bei der ESA, der Europäischen Weltraumorganisation zu bewerben, sind selten. Beim letzten Auswahlverfahren 2008 beteiligte sich Randall. Und scheiterte – auch, weil die promovierte Astrophysikerin die Bewerbung zu sehr auf die leichte Schulter nahm.

45 Millionen Euro für die erste deutsche Frau im All

Die nächste Gelegenheit kam für die heute 39-Jährige mit der Casting-Kampagne "Die erste deutsche Astronautin": Rund 45 Millionen Euro will die private Initiative sammeln – damit Ende 2020 die erste deutsche Frau auf der ISS forschen kann. Ein Vorhaben, das junge Frauen und Mädchen für die Wissenschaft begeistern will: "Das wird eine riesige Symbolkraft haben", glaubt Randall: "Im Moment sehen Mädchen in wissenschaftlichen und technischen Berufen nur sehr wenige Frauen."

400 hoch qualifizierte Bewerberinnen – Naturwissenschaftlerinnen, Pilotinnen, Ingenieurinnen – meldeten sich für das Auswahlverfahren an, bei dem das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt mit von der Partie war. Randall setzte sich als eine von zwei Finalistinnen durch. Nur eine von beiden wird – sofern das Geld zusammenkommt – auf Weltraummission gehen. Seit Anfang 2018 lernt Randall Russisch, Roboterkunde und Tauchen und absolviert Parabelflüge, das heißt, sie trainiert Schwerelosigkeit in der Luft. Normalerweise findet das in der Zero-G-Boing statt, die zunächst steil nach oben fliegt, um dann im Sturzflug etliche Höhenmeter zu fallen. Suzanna Randall trainiert aber auch in einer kleinen Cessna über dem Ammersee. Denn auch der Pilotenschein ist eine Grundbedingung für die Reise ins All.

"Germany’s next Top-Astronautin"

Randall muss bei ihrem Astronautentraining Ausdauer und Mut beweisen, trotzdem erinnert die Berichterstattung über die Astronautinnen-Kampagne eher an einen Schönheitswettbewerb – mit Titeln wie "Germany’s next Top-Astronautin" oder "Ich wäre so gern Miss ISS".

Suzanna Randall nimmt das noch mit Humor, die Bildzeitung etwa hat sie einmal "Miss Universe" genannt: "Da habe ich gedacht: Hey, das ist doch cool, also, wenn man's in die Bildzeitung als "Miss Universe" geschafft hat, hat man’s geschafft im Leben." Trotzdem: Dass bei dem Wettbewerb Frauen darauf reduziert werden könnten, wie gut sie aussehen, darf nicht sein, so Randall. Auch sie wurde in Studium und Promotion oft unterschätzt, einmal wollten männliche Kollegen sie zum Kopieren schicken. Was sie besonders ärgert: Wenn junge Mädchen ihr schreiben, sie würden sich für Mathe und das Weltall interessieren – aber das sei doch nur etwas für Jungs. Suzanna Randall motiviert das, Vorbild zu sein für die nächste Generation: "Ich bin sehr dickköpfig. Wenn mir jemand sagt, das kannst du nicht, das wird eh nichts, dann denke ich mir: Jetzt erst recht."

Kommunikation und Multitasking: weibliche Stärken

Beim nächsten Auswahlverfahren der ESA wird mit Sicherheit eine Frau dabei sein – davon ist Suzanna Randall überzeugt. Zumal in der Raumfahrt momentan vor allem Fähigkeiten gefragt seien, die als typisch weiblich gelten: Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie Multitasking-Fähigkeit. "Die Zeit, wo man wirklich Supermann sein musste", sagt Randall, "wie am Anfang der Raumfahrt, wo das wirklich die Militärjet-Piloten waren und physische Kraft ganz, ganz wichtig war – diese Zeiten sind vorbei."

Wann das nächste Auswahlverfahren der ESA stattfindet, steht noch in den Sternen. Für sie selbst wird es aber in jedem Fall zu spät sein, das bevorzugte Alter von Bewerbern liegt zwischen 27 und 37 Jahren. Umso mehr erhofft sich Suzanna Randall, dass ihr Flug ins All möglich wird – und sich so viel Unterstützer wie möglich finden.