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Männer, Krisen, Musical: So witzig ist "Gottschalk liest?" | BR24

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Romane schreiben ist wie Urlaub machen, Lesen gefährlich für die Nase und das Ibiza-Video taugt als neue "Fledermaus": In der zweiten Folge seiner Büchersendung lüftet Gottschalk mit seinen Gästen so manches Geheimnis - und diskutiert über Männer.

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Männer, Krisen, Musical: So witzig ist "Gottschalk liest?"

Romane schreiben ist wie Urlaub machen, Lesen gefährlich für die Nase und das Ibiza-Video taugt als neue "Fledermaus": In der zweiten Folge seiner Büchersendung lüftet Gottschalk mit seinen Gästen so manches Geheimnis – und diskutiert über Männer.

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Die Krise ist ja der Normalzustand der Literatur, sonst wäre sie weder lesenswert noch relevant. Also müssen Romanfiguren leiden, manchmal sogar unter Torschlusspanik, wie bei der österreichischen Autorin Marlene Streeruwitz und ihrer feministischen Abrechnung "Flammenwand". Die Krise als Chance – und der Mann als Möglichkeit, naja, eher als Problem. Darum geht es in der zweiten Ausgabe von "Gottschalk liest?" Und zu diesem Thema hat Moderator Thomas Gottschalk viele eigene Erfahrungen beizusteuern: "Nachdem ich nach einer langen, fröhlichen Lebenszeit als bunter Falter im Entertainment-Bereich vom Leben gestreift worden bin, habe ich sehr viel mehr Verständnis entwickelt für Krisen. Man muss Krisen haben, um literarische Krisen nachverfolgen zu können."

"Das ist ja wieder mein Elend"

Der Showstar hat nach eigenen Angaben alle vier Bücher, um die es in der zweiten Folge seiner Literatursendung geht, auch wirklich gelesen. Das sei schon keine Selbstverständlichkeit, behauptet die Autorin und Journalistin Johanna Adorján, die sich für ihr aktuelles Buch gerade eine ganze Reihe von "Männern" vorgeknöpft hat: "Keine Frau würde unvorbereitet ein Buch präsentieren, und so kam ich darauf, dass es schon noch Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, gerade, wenn sie auf Bühnen sitzen." Gottschalk will das nicht auf sich sitzen lassen: "Ich behaupte, dass es durchaus Frauen gibt, die über Dinge reden, von denen sie nicht genau wissen, worum es geht. Das ist ja wieder mein Elend, dass ich in der Feindbild-Funktion des Mannes bin, der aus einer anderen Zeit kommt. Da habt ihr jetzt gewonnen!"

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Thomas Gottschalk mit seinen Gästen (v.l.) Johanna Adorján, Marlene Streeruwitz und Friedemann Karig.

Den Stoff weise wählen

Lesen ist nach der Erfahrung von Gottschalk übrigens sehr viel gefährlicher, als manche denken, vor allem, wenn sie dazu einen Bildschirm benutzen: "Also ich nutze ungern diese Lese-Maschinen, vor allem, wenn man müde wird und dann so ein iPad auf der Nase hat." Die "iPad-Nase" ist also mindestens so verräterisch wie ein blaues Auge. Literatur hinterlässt nun mal Spuren, ist allerdings auch ziemlich erholsam, wie der Nachwuchsautor Friedemann Karig verrät. Er verfasste seinen Roman "Dschungel" über eine Männerfreundschaft jedenfalls unter Palmen: "Unter uns, dieser ganze Roman war eigentlich eine einzige, große Ausrede, um mit dem Geld vom Verlag – vielen Dank an Ullstein! – mal drei schöne Monate im Warmen zu machen." Davon ist selbst Thomas Gottschalk überrascht: "Ach, so geht das? Ich sage dem Verlag, ich schreibe jetzt einen Roman über Kerle, ich gehe jetzt jeden Abend los? Da muss man den Stoff weise wählen!"

Kurzfristig nicht dabei sein konnte der Tatort-Kommissar Axel Milberg, der mit seinem autobiografischen Kiel-Roman "Düsternbrook" gerade in aller Munde ist und auch schon Talkshow-Auftritte absolvierte. So richtig überzeugt scheint Thomas Gottschalk von der Lektüre nicht zu sein, würdigt aber Passagen, die den einen oder anderen überraschen dürften: "Es ist hübsch geschrieben. Es ist so wie bei mir: Wenn man es gelesen hat, freut man sich, wenn man es nicht gelesen hat, hat man nichts versäumt." Gut fand der Show-Titan demnach den so eindeutigen wie umstrittenen Werbespruch von Milbergs Vater, einem Kieler Anwalt: "Kannst du deine Frau nicht leiden, geh zu Milberg, lass dich scheiden".

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Thomas Gottschalk mit seinen Gästen Johanna Adorján und Friedemann Karig.

Das Ibiza-Video auf der Opernbühne?

Beim Thema "Männer" muss natürlich Österreich eine Hauptrolle spielen, nicht nur wegen Marlene Streeruwitz, sondern auch, weil dort gerade besonders testosterongesteuerte Männer für so unterhaltsame wie beunruhigende Schlagzeilen sorgten. Angeber-Rituale, Macho-Gesten, Ibiza-Video, ein Staat wie eine Operette. "Kennen Sie das Ibiza-Video aus Österreich?", fragt Marlene Streeruwitz die Runde. "Ich würde es nehmen und vertonen und bei den nächsten Wiener Festwochen oder Salzburger Festspielen als Oper aufführen und in Wien als Musical. Weil es einfach so ist, es ist wie die 'Fledermaus', es ist eine Betrugsgeschichte, wie wir sie aus dem bürgerlichen Theater kennen."

Die Bibliothek von Thomas Gottschalk ist ja bekanntlich ein Raub der Flammen geworden – traurig, aber aus der Sicht des Moderators auch eine Erleichterung: "Ich kann heute immer auf die Frage sagen, was ist in ihrem Bücherregal das Buch, das sie am meisten schätzen: Alles verbrannt! Normalerweise müsste ich ja sagen, James Joyce, 'Ulysses', ohne den könnte ich gar nicht! Das sind eben so Sachen, wo ich einfach sage: Ich habe viel Literatur an mir vorübergehen lassen, ohne mich damit zu beschweren."

Die zweite Folge von "Gottschalk liest!" finden Sie ab sofort in der BR-Mediathek, am Dienstag, den 18. Juni um 22.00 Uhr ist die Sendung im BR Fernsehen zu sehen.

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