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Gibt es ein Jung gegen Alt bei Fragen des Klimaschutzes, während der Corona-Krise und im Alltag?

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Gott mit Gendersternchen: Ist Gott eher Frau als Mann?

Kolleginnen und Kollegen, Kolleg*innen oder KollegInnen - immer mehr Menschen und Institutionen bemühen sich um eine geschlechtergerechte Sprache. Auch Mitglieder der Kirchen gendern. Dabei geht es bei "Gott*" um mehr als sprachliche Gerechtigkeit.

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Von
  • Astrid Uhr
  • Christina Fuchs

Ein alter Mann mit weißem Bart: Dieses Bild von Gott ist in vielen Kirchen zu sehen. Ein falsches Bild, sagen die Mitglieder der 'Katholischen Studierenden Jugend' (KSJ) Eichstätt: "Gott kann auch weiblich sein, oder gar keinem Geschlecht angehören", findet Jeremia Funk. Für viele Menschen sei Gott eher ein Gefühl von Geborgenheit, von Liebe und von Zuversicht – das Geschlecht spiele da keine Rolle.

Mit dem Genderstern hinter dem Substantiv Gott wollen die jungen Leute nicht nur Sprache hinterfragen, sondern auch die Gesellschaft. Und die patriarchalische Struktur der Katholischen Kirche. Wenn man Gott weiblich denke, wäre es ganz normal, dass Frauen auch Priesterinnen werden könnten, so die Meinung der KSJ.

Inklusive Sprache spiegelt Vielfalt wider

"Gendern ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen", beobachtet Professorin Carolin Müller-Spitzer vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. Je vielfältiger und diverser unsere Gesellschaft werde, umso vielfältiger würden auch unsere sprachlichen Zeichen, sagt sie.

Die Diskussion ziehe sich durch alle Altersstufen, und über die Geschlechtergrenzen. Zwar würden eher die Jungen aus akademischen, städtischen Kreisen gendern, "aber es ist auch nicht so, dass alle Studierenden sagen, sie möchten furchtbar gern geschlechtergerecht schreiben".

Gendern - ein aufgezwungener Sprachprozess?

Den einen wird zu wenig gegendert, den anderen zu viel: Gendern ist auch zur Glaubensfrage geworden. Die einen wollen mit dem Stern alle Menschen sichtbar machen und niemanden ausschließen, die anderen wollen sich nicht einen umständlichen Sprachstil aufzwingen lassen.

"Ich stehe zur Gleichberechtigung, aber ich meine nicht, dass sich durch ein Sternchen was ändert", sagt ein älterer Gottesdienst-Besucher in Eichstätt in der Sendung STATIONEN. Laut einer Umfrage von Infratest Dimap lehnen fast zwei Drittel der Deutschen eine gegenderte Sprache ab.

"Einige fühlen sich erzogen und bevormundet", so der Eindruck der Münchner Journalistin Sara Maria Behbehani. Der Stern spalte mehr, als dass er eint. Deswegen würde der Stern sein eigentliches Ziel, nämlich durch Sprache alle Menschen miteinzubeziehen, verfehlen.

Muss die Bibel umgeschrieben werden?

Auch viele Mitglieder der Kirchen probieren sich aktuell aus. So hat sich auch das Laiengremium 'Zentralkomitee der Katholiken' (ZdK) für das Gendern entschieden, ebenso wie die Evangelische Landeskirche. Nach und nach schreiben diese jetzt ihre Online-Texte um.

Wenn sogar Mitglieder der Kirchen für das Gendern sind - muss dann die Bibel umgeschrieben und gegendert werden? Diese Diskussion betrachtet Prof. Reiner Anselm von der LMU München mit Gelassenheit. Der evangelische Theologe plädiert dafür, die Entstehungsgeschichte der Bibel zu berücksichtigen. Damals sei die Rolle der Frau eine ganz andere gewesen. "Die Bibel spielt in einer patriarchalischen Gesellschaft, in der Geschlechtergerechtigkeit nicht gegeben ist. Das sollte man nicht im Nachhinein verschleiern wollen."

Handeln wichtiger als sprechen

"Weniger Aufmerksamkeit auf die Sprache, mehr Aufmerksamkeit auf die Gleichberechtigung", das wünscht sich auch Prof. Anselm: "Man sollte darauf hinweisen, dass wir heute nicht mehr in einer patriarchalischen Gesellschaft leben wollen." Und dass die Botschaft der Bibel dazu anleiten soll, die Differenz oder die Ungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen zu überwinden.

"Wir müssen nicht anders sprechen, sondern uns anders verhalten" fordert auch ein Gottesdienst-Besucher in Eichstätt gegenüber dem BR. Die Kirche solle Frauen mehr partizipieren lassen, überhaupt mehr auf die Menschen hören. Damit trifft er auch den Wunsch der Studentinnen und Studenten der KSJ Eichstätt.

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