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Glücksorakel: Lebensweisheiten aus der Glückskeksfabrik | BR24

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Vor gut 100 Jahren hat in San Francisco ein japanischer Einwanderer die Glückskekse erfunden.

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    Glücksorakel: Lebensweisheiten aus der Glückskeksfabrik

    In Bad Abbach wird Glück am laufenden Band produziert: Die Glückskeksfabrik im Kreis Kelheim beliefert nicht nur Möbelhäuser, sondern auch Kirchengemeinden. Die Ideen für die süßen Lebensweisheiten kommen dabei oft vom Auftraggeber selbst!

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    Von
    • Birgit Rätsch

    Das Industriegebiet von Bad Abbach im Kreis Kelheim: ein Baustoff-Großhandel, ein Feuerwehrauto-Hersteller, ein Maschinenbauer. Und mittendrin befindet sich die Glückskeksfabrik der Familie Schäfer.

    Ralph Schäfer, der gerade eine Bruchlandung als Trüffel-Exporteur hinter sich hatte, beschloss, nicht abzuwarten, bis das Glück kommt, sondern es kurzerhand selbst zu fertigen, in Form dieser Kekse, die man aus chinesischen Restaurants kennt. Dabei waren gar nicht Chinesen die Erfinder der Glückskekse, sondern ein japanischer Einwanderer, der vor gut 100 Jahren in San Francisco einen Teegarten betrieb. Zum Tee servierte er Kekse mit Glückssprüchen darin.

    Eine Million Glückskekse

    Die Idee faszinierte auch Ralph Schäfer. Als er im Jahr 2000 beschloss, Glückskeksfabrikant zu werden, waren es zunächst nur kleine Aufträge, dann aber kam eine große Marketing-Kampagne rein, mit dem Model Naomi Campbell als Aushängeschild: "Da durften wir dann weit über eine Million Glückskekse produzieren, und die gingen damals an viele, viele Unterwäsche-Läden in ganz Europa."

    Damit war klar: Mit Glückskeksen lässt sich Geld verdienen. Inzwischen ist Ralph Schäfer Seniorchef, Sohn Raphael hat die Firma übernommen. Der Teig wird nach einem Rezept der Familie hergestellt, er variiert auch mal, wenn ein Fitnessstudio Kekse ohne Zucker haben will. Der Teig wird in 200 kleine Pfannen gegeben, die ihre Runde in einer riesigen Backmaschine drehen, dann werden die Sprüche per Luftdruck in die Rohlinge gedrückt. Die Sprüche – ein eigenes Kapitel, sagt Ralph Schäfer: "Das hat sich sehr gewandelt im Laufe der Zeit. Wir haben jetzt viele Firmen, die bei uns sogenannte Motivationskekse ordern." Wenn etwa Firmeninhaber ihre Angestellten motivieren wollen, dann lassen sie ihre guten Wünsche in den Bad Abbacher Glückskeksen verpacken.

    Bibelspruch-Kekse gehen gut

    Aber nicht nur Firmen beauftragen die Familien Schäfer. Der Bruder von Ralph Schäfer ist evangelischer Pfarrer, so kam die Idee, dass auch sogenannte Bibel-Kekse gut gehen könnten. Inzwischen zählen Pfarreien und Bistümer häufig zu den Kunden der Schäfers. Der Bad Abbacher Priester Anton Dinzinger war pfiffig genug, Spenden für sein neues Pfarrheim über Glückskekse zu sammeln. Gegen einen Obolus gab es einen Glückskeks mit einem der Bibelsprüche, die Pfarrer Dinzinger ausgesucht hat. Sprüche wie "Der Herr möge dich segnen und dein Gebet groß machen; die Hand des Herrn möge mit dir sein, dass er dich frei macht von Unheil, und du ohne Beschwerde bleibst."

    Doch selbst Glückskeksfabrikanten sind nicht vor Unglück sicher. Die Corona-Krise und die Zwangspause vieler Unternehmen bekamen auch die Schäfers zu spüren. Die Umsätze gingen deutlich zurück. Da begannen sie, zunächst ehrenamtlich, Masken zu nähen und in ihrer Gemeinde zu verteilen. Und dann, damit wieder Geld ins Haus kommt, an die Apotheken der Umgebung zu verkaufen. Als sie mit den Masken in der Heiligkreuz-Apotheke Kelheim standen, kam das Glück durch die Hintertür zurück.

    Mit Glückkeksen Corona überwinden

    Apothekerin Sonia Linz war an den Masken wenig interessiert, aber umso mehr an den Glückskeksen. Sie orderte 9.000 Kekse – Corona-Kekse. Die Sprüche haben sich Sonia Linz und ihr Mann ausgedacht. Zum Beispiel: "Aus Krisen erwachsen auch immer neue Kräfte." Oder: "In Zeiten wie diesen braucht es Mut, Zusammenhalt und Zuversicht." Auf der Verpackung des Corona-Kekses war ein von Sonia Linz selbst gemaltes Virus, das Reißaus vor einer Spritze mit Impfstoff nimmt. Mit den Keksen will sie ihren Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern, eine kleine Aufmerksamkeit schenken: "Man muss irgendwie positiv bleiben, weil es werden sich die Zeiten wieder ändern. Mit Traurigkeit kommt man nicht weiter. Man muss einfach das Beste daraus machen und gesund bleiben."

    Zusammenhalten in der Coronakrise

    Auch in der Glückskeksfabrik in Bad Abbach wünscht sich Juniorchef Raphael eigentlich nur eines: "Dieser Wunsch geht an die ganze Bevölkerung, dass wir zusammenhalten in der aktuellen Situation." Sein Glückskeks-Spruchfavorit ist im Moment deshalb: "Wir schaffen das."

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