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Der Bertelsmann-Konzern hat Grund zu Feiern: Er steigerte seinen Umsatz im ersten Quartal 2021 deutlich gegenüber dem Niveau vor der Corona-Krise. Ein Grund dafür: Bestseller-Erfolge mit Sachbüchern, etwa von Bill Gates und Michelle Obama.

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Glänzende Geschäfte in der Pandemie: Buchmarkt boomt

Der Bertelsmann-Konzern hat Grund zu Feiern: Er steigerte seinen Umsatz im ersten Quartal 2021 deutlich gegenüber dem Niveau vor der Corona-Krise. Ein Grund dafür: Bestseller-Erfolge mit Sachbüchern, etwa von Bill Gates und Michelle Obama.

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Von
  • Peter Jungblut

Manche Zahlen können täuschen: Im März dieses Jahres stieg der Umsatz des Buchhandels gegenüber dem Vorjahr tatsächlich um sagenhafte fünfzig Prozent, aber das lag natürlich auch daran, dass im vergangenen Jahr im ersten Lockdown fast alle Läden geschlossen waren, während sie in diesem Jahr in manchen Bundesländern wie Berlin und Brandenburg geöffnet blieben. Und was ebenfalls auffällt: Mit Kalendern wurde klotzig verdient, sie machten vergleichsweise spät im Jahreslauf, nämlich im März, einen Umsatzsprung von 430 Prozent. Noch Anfang des Jahres hatten die Kalender-Verlage von einem "Fiasko" gesprochen.

Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte noch im Januar eine eher düstere Jahresbilanz gezogen von einem Umsatz-Minus von 2,3 Prozent im Jahr 2020 berichtet, im stationären Geschäft brachen die Einnahmen sogar um knapp neun Prozent ein. Nicht zuletzt der Lockdown mitten im wichtigen Weihnachtsgeschäft hatte die "Aufholjagd" vorübergehend ausgebremst.

Bill Gates fördert Umsatz mit Klima-Buch

Doch inzwischen scheint sich die Lage deutlich aufgehellt zu haben. Der Bertelsmann-Konzern freut sich über ein Umsatzplus von zehn Prozent im ersten Quartal 2021 und nennt als Grund dafür neben guten Geschäften mit dem Fernsehen nicht zuletzt hervorragende, nämlich zweistellige Wachstumszahlen vom Verlag Penguin Random House. Für gute Geschäfte sorgten Michelle Obama mit ihrem Weltbestseller "Becoming" in einer Ausgabe für junge Erwachsene, sowie Bill Gates mit seinem Klima-Sachbuch "How to Avoid a Climate Desaster".

Außerdem zeigte sich Bertelsmann geschmeichelt, dass gleich drei Top-Autorinnen auf der "Time 100 Next"-Liste der einflussreichsten Persönlichkeiten der Zukunft aufscheinen: die Erfolgsautorin Brit Bennett ("Die verschwindende Hälfte"), die Lyrikerin Amanda Gorman, die bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden das Gedicht "The Hill We Climb" vorgetragen hatte, und die Umweltaktivistin Ayana Elizabeth Johnson, die sich ebenfalls für eine zeitgemäße Klima-Politik engagiert ("All We Can Save - Truth, Courage and Solutions for the Climate Crisis").

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Gute Geschäfte: Buchhandlung

Auch der Verlag Bastei Lübbe hatte in der vergangenen Woche von einem deutlichen Umsatzplus berichtet und seinen Eigentümern eine Dividende in Aussicht gestellt. "In einem schwierigen Umfeld blickt Bastei Lübbe mit einem sehr attraktiven Programmangebot auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück", erklärte Joachim Herbst, Sprecher des Vorstands der Bastei Lübbe AG. Demnach haben vor allem größere Verlage mit einem populären Sortiment Grund zur Freude.

Expertin: "Sachbücher sind Wachstumsmotor"

Nischenanbietern geht es weniger gut, weshalb es in der "Frankfurter Rundschau" hieß, Corona "verstärke Ungleichheiten in der Verlagswelt": "Für größere Publikumsverlage mit ihren Starautoren wie T. C. Boyle oder Sebastian Fitzek ist das kein so gravierendes Problem. Bestseller verkaufen sich auch online, im Bahnhofskiosk oder sogar bei Discountern, die teils ihre Buchecken erweitert haben. Topseller sind ohnehin im Gespräch. Aber bei unbekannteren Schriftstellerinnen und Schriftstellern und nicht ganz so marktgängigen Themen sind Präsenz und persönliche Beratung im Buchhandel von allergrößter Bedeutung."

"Der Buchhandel wird derzeit von einer Welle der Sympathie getragen", so Buchmarkt-Expertin Gaby Marx im Januar in einem Gespräch mit dem Fachblatt "buchmarkt": "Dazu kommt, dass vielen Menschen mehr Lesezeit zur Verfügung steht, das zeigt sich am schnellen, sogar stapelweisen Kauf von Büchern." Die Fachfrau hielt vor allem Sachbücher für einen Wachstumsmotor im Buchhandel, weniger die Belletristik, und forderte die Läden dazu auf, sich vor allem in ihren digitalen Angeboten auf interessante Sachthemen zu konzentrieren: "Was fehlt, sind die hoch rentablen Impulskäufe, die bisher beim Besuch der Buchhandlung entstanden."

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