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Wie Christen auf YouTube über Exorzismus und Pornos denken | BR24

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Die "Global Video Church" will mit ihren YouTube-Videos über Jesus und die Bibel die ganze Welt erreichen. Auf den ersten Blick wirkt der Auftritt jung, modern und frisch - aber die Kritik wächst.

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Wie Christen auf YouTube über Exorzismus und Pornos denken

Die "Global Video Church" will mit ihren YouTube-Videos über Jesus und die Bibel die ganze Welt erreichen. Auf den ersten Blick wirkt der Auftritt jung, modern und frisch - aber die Kritik wächst.

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"In der Bibel steht, Frauen sollen sich gerade in der Gemeinde ganz still verhalten und erst recht nicht predigen. Stimmt das?", fragt sich LiMarie, eine der Youtuberinnen, die für GIVICI, die "Global Video Church" Videos drehen. Auf den ersten Blick wirkt die junge Frau wie eine, der vielen Beauty-Influencerinnen im Internet. Sie ist geschminkt und durchgestylt, doch gibt sie keine Schminktipps. LiMarie spricht über Jesus und darüber, ob man etwa als Christ Pornos schauen darf oder ob Frauen predigen dürfen.

LiMarie hat eine klare Meinung zur Rollenverteilung zwischen Mann und Frau: "Ohne groß zu diskutieren, dass es vollkommen unfair für die Frau ist, wenn sie sich immer unterordnen muss - das ist einfach die Gottesordnung, die so bestimmt worden ist und ich weiß, dass Gott es gut mit uns meint."

Kirche als YouTube-Kanal

GIVICI kommt aus dem pfingstkirchlichen und charismatischen Milieu. Gegründet hat die Gemeinde Inga Haase, die in Bingen auch ein theologisches Seminar ins Leben rief, nachdem sie mit ihrer eigenen theologischen Ausbildung unzufrieden war. "Die Vision ist, alle Menschen mit jeder Sprache zu erreichen. Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen", sagt Haase. Mit GIVICI wirbt die Pastorin für eine andere Kirche. Dafür will sie gezielt junge Menschen gewinnen.

Neben den wöchentlichen Youtube-Predigten macht Inga Haase Werbung für "Hauskirchen". Einmal pro Woche sollen sich Interessierte zu Gottesdiensten in Privatwohnungen treffen, die GIVICI-Web-Predigt hören und gemeinsam beten. Bis jetzt gibt es deutschlandweit nur elf solcher Hauskirchen.

Außen modern, innen sehr konservativ

Eine junge Kirche, flexibel, mit Popmusik und Predigten übers Smartphone – damit trifft GIVICI einen Nerv in einer Zeit, in der die großen Kirchen über Mitgliederschwund klagen. LiMaries Channel ist wohl einer der bekanntesten deutschen Kanäle von christlichen Influencern, sogenannten Christfluencern. Und doch mehrt sich Kritik. GIVICI hätte "sektiererische Aspekte", die Mitglieder seien "religiös verblendet".

"Theologisch würde ich diese Gemeinschaft zu den neo-charismatischen Gemeinschaften zählen, an der einen oder anderen Stelle habe ich aber durchaus fundamentalistische theologische Ansätze entdeckt", sagt Bernd Dürholt, Ansprechpartner für neue religiöse Bewegungen der evangelischen Kirche in München. GIVICI sei aber keine Sekte. Zwischen den Menschen, die die Youtube-Videos sehen und der Kirchenleitung bestünden keine Abhängigkeiten.

Und doch sieht der Berater die Bewegung kritisch. Autoritäre Gruppendynamiken könnten sich zukünftig in den gegründeten Hauskirchen entwickeln. Besonders problematisch findet er den Glauben an Besessenheit und Dämonen. GIVICI gäbe sogar konkrete Anweisungen zum Exorzismus, so Dürholt. "Diese Kirchen wirken nach außen hin sehr sehr modern, in ihrer Theologie und in ihrer Moralvorstellung sind sie aber sehr konservativ. GIVICI sagt klar Nein zu Abtreibungen, Pornos, Trans- und Homosexualität oder auch Sex vor der Ehe.

Spendenfinanzierte Video-Kirche

GIVICI finanziert sich vor allem über Spenden. Das hat Inga Haase den Vorwurf eingebracht, sich mit ihrer Kirche zu bereichern. Sie weist das entschieden zurück. "Ich nehm keinen einzigen Pfennig dafür. Ist auch wirklich so." Knapp 6.000 Abonnenten hat die Video-Kirche derzeit auf YouTube.

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radioWelt

Von
  • Nabila Abdel Aziz
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