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Es herrscht Krieg in der Ukraine, doch die Musiker der Band "Love'n'Joy" greifen nicht zu den Waffen, sondern gehen auf Tour.

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Konzerte oder Krieg: Ukrainische Band auf "unendlicher Tour"

Vier Männer aus der Ukraine reisen quer durch Europa. Und das, obwohl sie seit Kriegsbeginn eigentlich ihr Land verteidigen müssten. Doch sie sehen ihre Auftritte als Dienst an ihrer Heimat und dürfen unter einer Bedingung auf Tour.

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Annerose ZuberAnnerose ZuberBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Es herrscht Krieg in der Ukraine – doch die Musiker der Band "Love'n'Joy" haben nicht zu den Waffen gegriffen. "Man kann auch mit Musik sein Land verteidigen", erklärt Robin Heller, der Manager der Rockband. Die Tour ist genehmigt, allerdings müssen die Musiker eine Bedingung erfüllen.

Alle zehn Tage ein Konzert - mindestens

Die drei Musiker sind alle Anfang 30. Eigentlich dürften sie wegen des Krieges ihr Heimatland nicht verlassen. Unmittelbar nach Kriegsbeginn haben sie beim Kriegsministerium in Kiew die Ausreise beantragt – und auch eine Sondergenehmigung bekommen. Mit einer Auflage: Mindestens alle zehn Tage müssen sie ein Konzert geben, sonst erlischt die Ausreisegenehmigung und sie müssen wieder zurück.

Damit diese "unendliche Tour" nicht endet, solange in der Ukraine kein Frieden herrscht – dafür sorgt Robin Heller von der Künstleragentur "Sharewood Booking" aus Berlin. Er hat für die ukrainischen Musiker seine Kontakte in ganz Europa aktiviert.

In Europa unterwegs - und bald in den USA?

"Love'n'Joy" war schon in zahlreichen Städten und bei Festivals in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Belgien und Holland unterwegs. Im Juli folgen unter anderem Auftritte in Polen und Tschechien. Im September will die Band, die sich dem Sound der 60er-Jahre und dem Psychedelic-Rock verschrieben hat, ihr zweites Album veröffentlichen. Auftritte in England und auch den USA sind geplant.

"Love'n'Joy" zum vierten Mal im "Galeriehaus" Hof

Eine Station der Tour ist das "Galeriehaus" in Hof. Michael Böhm, der Wirt der traditionsreichen Künstlerkneipe, die zum Beispiel als Keimzelle der Filmtage gilt, kennt "Love'n'Joy" schon seit Längerem. Bereits 2017 gastierte die ukrainische Band zum ersten Mal in Hof.

Für ihn sei es selbstverständlich, die vier jungen Männer bei ihrer "unendlichen Tour" zu unterstützen. "Man kann ja durchaus diskutieren, inwieweit ein Land Menschen zwangsweise für den Dienst an Waffen verpflichten kann", sagt Böhm im Gespräch mit BR24.

2021 hatte "Love'n'Joy" übrigens in ihrem Musikvideo "Brut" schon vor dem Angriff durch einen Autokraten gewarnt.

Bei ihren Konzerten sammelt die ukrainische Band auch Spenden für die Hilfsaktion "Musicians Defend Ukraine". Dank dieser Spenden seien in den vergangenen Wochen schon mehrfach humanitäre Hilfsgüter in die Ukraine transportiert worden, erzählt Tourmanager Heller.

Akzeptanz bei ukrainischen Geflüchteten

Dieses Konzept überzeugt auch Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in der Region Hof. In Stadt und Landkreis haben seit dem Überfall Russlands rund 1.800 Menschen aus dem osteuropäischen Land Zuflucht gesucht. Es sind hauptsächlich Frauen mit Kindern – ihre Männer, Väter, Söhne durften nicht ausreisen, sondern sollen die Ukraine gegen die russische Armee verteidigen.

Die Angst um die Angehörigen ist ständiger Begleiter der Frauen und trotzdem akzeptieren sie die Ausnahmegenehmigung für die vier jungen Musiker: "Die Gewehre dieser Männer sind ihre Instrumente. Sie sammeln damit Spenden und unterstützen so die Ukraine", fasst Hanna Vinichuk die Stimmung bei dem Großteil der Flüchtlinge in der Region Hof zusammen. Vinichuk ist Integrationslotsin der Diakonie Hochfranken für den Landkreis Hof. Sie ist Deutsche mit ukrainisch-russische Wurzeln.

"Unendliche Tour" soll weitergehen

Ähnlich seien auch Reaktionen in anderen Tour-Orten von "Love'n'Joy". "Bisher haben wir noch nichts Negatives gehört", so Tourmanager Heller. Und damit die "unendliche Tour" nicht vorzeitig abgebrochen werden muss, ist er auf der Suche nach weiteren Auftrittsmöglichkeiten.

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