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Gipfelstürmen in Deutschland: Vulkane, Endmoränen und Müllkippen | BR24

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Isabelle Auer hat mit ihrem Hund Xandi die jeweils höchsten Berge der Bundesländer erwandert.

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    Gipfelstürmen in Deutschland: Vulkane, Endmoränen und Müllkippen

    Ein Gipfelbuch auf gerade mal 116 Metern Höhe: Das finden Wanderer auf dem höchsten Berg Hamburgs, dem Hasselbrack. Isabelle Auer hat noch größere Überraschungen erlebt, als sie sich aufmachte, die höchsten Gipfel der Bundesländer zu erklimmen.

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    Als das BR Fernsehen im Januar 2017 Isabelle Auer zum ersten Mal trifft, hat sie einen Vorsatz für das neue Jahr: Die promovierte Geografin will die jeweils höchsten Berge aller 16 Bundesländer besteigen und darüber ein Buch schreiben. Eine Tour zu den "16 Summits" Deutschlands also. Aber gleich im ersten Bundesland, in Bayern, gibt’s ein Problem mit dem höchsten Berg – und daran ist ihr Hund schuld.

    Xandi ist schon ein älterer Hundeherr, über 10 Jahre alt. Den höchsten Berg Bayerns, die Zugspitze, hätte er nicht mehr gepackt, sagt Isabelle Auer. Also entscheidet sie sich kurzerhand für den höchsten Mittelgebirgsberg, den Arber. Am Arber kann er wenigstens die erste Etappe mitlaufen. Später, nach der Brotzeit, darf er auf der Hütte bleiben. Isabelle Auer war schon gut 500 Mal auf dem Arber, sie mag den Berg sehr, seine Mystik. Sie freut sich aber auch schon darauf, in den anderen Bundesländern neue Berge zu entdecken und zu erklimmen: "Jeder Berg ist ja anders, das hat schon allein mit der Entstehungsgeschichte zu tun, da sind Vulkane dabei, in der Rhön zum Beispiel, dann in Norddeutschland gibt‘s auch mal von der letzten Eiszeit die Endmoränen."

    Der höchste Berg Bremens ist eine Müllkippe

    "Diese 16 Gipfel, das sind besondere Berge", sagt Isabelle Auer. Nicht alle sind schön: Der höchste Berg Bremens, muss Isabelle Auer auf ihrer Tour feststellen, ist eine 50 Meter hohe Müllkippe. Mit einem Zaun drum, nicht besteigbar für Wanderer. Auer ist schockiert und verzichtet gerne auf den Aufstieg. Dafür erlebt sie in Mecklenburg-Vorpommern eine schöne Überraschung: Auf dem Gipfel der Helpter Berge, auf gerade einmal 179 Metern, findet sie ein Gipfelbuch: "Wir aus Süddeutschland würden das gar nicht als Berg erkennen, sondern nur als irgendeine Geländewelle, aber für die Leute dort ist dieser Berg so wichtig, dass sie ein Gipfelkreuz mit Gipfelbuch haben."

    Das beste Erlebnis ihrer Tour war für Isabelle Auer die Wanderung auf den Brocken, den höchsten Berg in Sachsen-Anhalt. Auf seinem Gipfel, sagt Isabelle Auer, spüre man richtig die Mystik. Einzelne Wegabschnitte des Aufstiegs heißen "Teufelstreppe" oder "Knochenbrecherkurve", dazu kommen Wind und Nebel. Der Brocken ist der windreichste Ort Deutschlands und an rund 300 Tagen im Jahr ist der Gipfel von Nebel umhüllt.

    Stasi-Geschichten und bedrohte Moore

    Vor allem aber macht es Isabelle Auer glücklich, dass sie ihr selbst gestecktes Ziel erreicht hat: Sie hat die jeweils höchsten Erhebungen der 16 Bundesländer besucht, 14 davon bestiegen und ein Buch darüber geschrieben. Es heißt "Deutschlands 16 höchste Berge" und ist 2019 in Bodenmais erschienen. Neben vielen Wandertipps erzählt Isabelle Auer von ihren Begegnungen, wie der Wirtin auf dem Fichtelberg in Sachsen, die mit alten Stasi-Geschichten auspackt. Auch Umwelt- und Naturschutz thematisiert die einstige Rangerin des Naturparks des Bayerischen Walds immer wieder. Etwa die Funktion des Totholzes auf dem Brocken in Sachsen-Anhalt, das vielen Wildtieren Lebensraum bietet oder wie bedroht die wenigen noch erhaltenen Moorlandschaften in Deutschland sind.

    Jetzt, wo die "16 Summits" abgehakt sind, ist für Isabelle Auer Zeit für neue Pläne und Ziele. Als nächstes, sagt sie, hat sie sich die 16 Nationalparks vorgenommen. Ein guter Vorsatz fürs neue Jahr!

    Die jeweils höchsten Gipfel oder Erhebungen der 16 Bundesländer

    Baden-Württemberg: Feldberg (1493 m NN)

    Bayern: Zugspitze (2962 m NN)

    Berlin: Arkenberge (121 m NN)

    Brandenburg: Kutschenberg (201 m NN)

    Bremen: Blockland-Deponie (50 m NN)

    Hamburg: Hasselbrack (116 m NN)

    Hessen: Wasserkuppe (950 m NN)

    Mecklenburg-Vorpommern: Helpter Berge (179 m NN)

    Niedersachsen: Wurmberg (971 m NN)

    NRW: Langenberg (843 m NN)

    Rheinland-Pfalz: Erbeskopf: (816 m NN)

    Saarland: Dollberg (695 m NN)

    Sachsen: Fichtelberg (1215 m NN)

    Sachsen-Anhalt: Brocken (1141 m NN)

    Schleswig-Holstein: Bungsberg (167 m NN)

    Thüringen: Großer Beerberg (983 m NN)