Der katholische Diakon Kornelius Wagner spricht auf dem Gipfeltreffen der Weltreligionen.

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Gipfeldialog OBADOBA: Weltreligionen setzen ein Friedenszeichen

Gipfeldialog OBADOBA: Weltreligionen setzen ein Friedenszeichen

Gemeinsame Gebete und Segenssprüche für den Frieden und ein respektvolles Miteinander - dafür trafen sich am Sonntag die Vertreter der Weltreligionen auf dem Fellhorn in Oberstdorf. Für sie ist das Miteinander der Religionen ein Zukunftsmodell.

Als die Alphornisten die Mittelstation erreichen, sieht es noch düster aus auf dem Fellhorn. Eine weiße Nebelsuppe versperrt die Sicht auf das große Holzkreuz, vor dem sich die Besucher versammeln wollen. Es regnet und windet. Die Musiker der Band Vuimera müssen ihre Instrumente mit Planen abdecken. Fällt das gemeinsame Gebet von sieben Weltreligionen ins Wasser?

Es ist der Höhepunkt des zweitägigen Dialogs darüber, wie sich die Glaubensgemeinschaften gegenseitig bereichern und gemeinsame Probleme lösen können. Eine Notwendigkeit, findet Martin Rötting, Professor für Religious Studies an der Paris-Lodron-Universität in Salzburg. "Religionen können nur noch überzeugen, wenn sie gemeinsam agieren", sagt Rötting.

Es geht nur noch miteinander

Gleichzeitig helfe der Zusammenschluss bei der Suche nach Lösungen für gemeinsame Probleme. Missbrauch und veraltete Strukturen seien in vielen Religionen ein Problem, so Rötting, "es gibt aber gleichzeitig in vielen Religionen spirituelle Aufbrüche, die Hoffnung bereiten." Die Religionen werden nicht verschwinden, da ist er sich sicher, aber sie werden in Zukunft immer näher zusammenrücken.

Als die Alphörner ertönen, verzieht sich der Nebel langsam und die Besucher verlassen das trockene Restaurant. Das Wetter meint es doch noch gut mit den Gästen, Musikern und den Vertretern aus dem Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus und dem Bahaitum. Benedikt Poller vertritt die Bahai-Weltgemeinde, die daran glaubt, dass alle Religionen aus einer einzigen göttlichen Quelle hervorgegangen sind.

"Unsere Botschaft ist, dass die Anhänger verschiedener Religionen, trotz aller Unterschiede gemeinsam handeln können", sagt Benedikt Poller. "Die Einheit ist wichtiger als das Durchsetzen von Wahrheiten." Letzteres führe zu Konflikten und Kriegen. Der Frieden hingegen ist das große Thema auf dem Gipfeldialog. Während sich atmosphärische Klänge von Harfe, Akkordeon und Querflöte über das Panorama legen, wird ein hölzernes Herz mit weißen Tauben nach vorne getragen.

Frieden im Herzen finden

"Die Weltreligionen können einen großen Beitrag zum Frieden in der Welt beitragen", sagt der Buddhist Roland Nyanabodhi. In den Gebeten, Segenssprüchen und Geschichten, die die Religionsvertreter vortragen, geht es um den Frieden. Doch auch ohne Worte würden die Besucher die Intention hinter dem Gipfeldialog verstehen. "Ich war gerade so berührt von der Musik", sagt Roland Nyanabodhi, "mir sind die Tränen gekommen, bei dieser friedlichen und liebevollen Stimmung."

Frieden hat viel mit Respekt zu tun, zu diesem Schluss kommt eine Gruppe von Jugendlichen, die am Ende der Veranstaltung ein Banner ausrollen. Wenn eine Muslima eine Kopfbedeckung trägt, habe er als Christ das nicht zu hinterfragen, so ein junger Mann. Liebe und Frieden sei der Inhalt aller Religionen, so der Buddhist Roland Nyanabodhi. "Nur leider wird das nicht immer umgesetzt."