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Ginger Baker: Schlagzeug-Genie und Donnergott | BR24

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Feuerroter Haarschopf, herkulische Gestalt, ein Donnergott der Flüche, ein Ekel vorm Herrn und ein begnadeter Drummer: das war Ginger Baker. Gestern ist der Kult-Drummer, der mit Cream Musikgeschichte schrieb, im Alter von 80 Jahren gestorben.

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Ginger Baker: Schlagzeug-Genie und Donnergott

Feuerroter Haarschopf, herkulische Gestalt, ein Donnergott der Flüche, ein Ekel vor dem Herrn und ein begnadeter Drummer: Das war Ginger Baker. Gestern ist der Kult-Drummer, der mit Cream Musikgeschichte schrieb, im Alter von 80 Jahren gestorben.

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Als Ginger Baker 2005 in der Royal Albert Hall noch einmal die alten Cream-Songs spielte, durfte natürlich das Schlagzeug-Solo aus "Toad" nicht fehlen. Dieses Solo hatte ihn einst in den Ohren der Kritiker zum wohl besten Schlagzeuger der Welt gemacht, damals Ende der 1960er-Jahre, als Baker zusammen mit Jack Bruce und Eric Clapton die Gruppe Cream gegründet hatte, Musikgeschichte schrieb und das Rock-Schlagzeug-Solo erfand. Cream lösten sich zwar schon nach zwei Jahren wieder auf, schufen in dieser kurzen Zeit aber Musik für die Ewigkeit.

Vom Jazz-Drummer zum Rockstar

Peter Edward Baker, den alle wegen seiner roten Haare nur Ginger Baker nannten, kam im Süd-Londoner Arbeiterviertel Lewisham zur Welt, sein Vater, ein Maurer, fiel im Zweiten Weltkrieg. Ginger Bakers Kindheit war alles andere als glücklich: In der Schule ein Problemkind, schloss er sich einer Jugend-Gang an und fiel durch Diebstähle auf. Immerhin trommelte er in der Schule ständig auf den Tischen herum – der erste Schritt zum Drummer.

Eigentlich war sein Jugendtraum die Tour de France, aber nachdem er auf seinem Fahrrad mit einem Taxi kollidiert war, zerbrach dieser Traum. Immerhin halfen ihm die kräftigen Beine dann beim Trommeln. Zunächst spielte er in Blues- und Jazzformationen, erst an der Seite von Clapton und Bruce wurde er zum Rockstar.

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Ein schwieriger Zeitgenosse

Die Geschichte von Cream war kurz und heftig: Baker und Bruce prügelten sich manchmal sogar auf offener Bühne, Clapton stand weinend daneben. Nach vier Alben und einem Abschiedskonzert 1968 in der Royal Albert Hall war Schluss. Immerhin hatte Cream die drei Musiker zu Superstars gemacht.

Baker trommelte anschließend mit Clapton und Steve Winwood bei Blind Faith, gründete Ginger Baker's Air Force, zog später nach Afrika und verschmolz Jazz und Rock mit afrikanischen Elementen. Nebenbei spielte er Polo und verletzte sich dabei immer wieder schwer.

Er war ein großartiger Musiker, aber ein schwieriger Zeitgenosse. 2012 kam eine Dokumentation über sein Leben unter dem Titel "Nehmen Sie sich vor Herrn Baker in Acht" in die Kinos. Gleich in der Anfangsszene des Films ging er mit seinem Krückstock auf den Autor los.

Am Sonntag ist Ginger Baker im Alter von 80 Jahren gestorben, laut seiner Familie entschlief er friedlich in einem Krankenhaus in Südengland.

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