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Gewalt in der Familie: Hier gibt es Hilfe! | BR24

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Viele Familien sitzen seit Wochen auf engstem Raum zusammen. Finanzielle Sorgen, drohende Arbeitslosigkeit und Homeschooling: Die Belastung bei den Familien wächst, Experten fürchten eine Zunahme häuslicher Gewalt. Wo bekommen sie Hilfe?

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Gewalt in der Familie: Hier gibt es Hilfe!

Viele Familien sitzen seit Wochen auf engstem Raum zusammen. Finanzielle Sorgen, drohende Arbeitslosigkeit und Homeschooling: Die Belastung bei den Familien wächst, Experten fürchten eine Zunahme häuslicher Gewalt. Wo bekommen sie Hilfe?

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Der Stresspegel in vielen Wohnungen dürfte im Moment höher sein als sonst. Leidtragende sind dabei meistens Frauen und Kinder. Zwar verzeichnen Münchner Beratungsstellen derzeit nicht mehr Hilfeanrufe als sonst. Das sollte allerdings nicht falsch interpretiert werden, sagt die Geschäftsführerin Gundula Brunner von der "Initiative für Münchner Mädchen", kurz IMMA. Gundula Brunner geht davon aus, dass das wirkliche Ausmaß an häuslicher Gewalt erst nach der Krise sichtbar sein wird: "Wenn Mädchen Gewalt erfahren, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt, gehen sie meistens so damit um, dass sie das nach Innen kehren. Dass sie eher autoaggressiv werden, sich selbst verletzen, sich zurückziehen." Normalerweise gehen Lehrer oder Schulsozialarbeiter, die solche Veränderungen oder Auffälligkeiten bemerken, auf die Kinder zu. Dieses System sei im Moment komplett weggebrochen, so Brunner.

Depressive Spirale befürchtet

Die Situation wird für die Beratungsstellen noch dadurch erschwert, dass Hausbesuche derzeit nicht möglich sind. So ist es auch für Katharina Reinholz, ambulante Erziehungsberaterin bei IMMA, eine große Herausforderung Kontakt zu halten. Insgesamt 27 Mädchen in schwierigen Familiensituationen betreut sie zur Zeit. Diese Mädchen erfahren zuhause wenig Anregung und Struktur und laufen jetzt Gefahr, in eine depressive Spirale zu kommen, aus der sie nicht mehr so leicht herauskommen, so Katharina Reinholz: "Und dann auch nicht mehr anrufen, weil ihnen dazu die Kraft und die Energie fehlt."

Jeder Anruf kann entscheidend sein

Gewalt ist übrigens keine Frage von Status oder Bildung, sagt IMMA-Geschäftsführerin Gundula Brunner: "Gewalt gibt es nicht in jeder Familie, aber in allen Schichten." Wenn nun Schutz-Systeme wie Schule und Sozialarbeiter weniger präsent sind, ist es umso wichtiger, dass auch Nachbarn, Freunde oder Verwandte nicht zögern anzurufen, sobald sie das Gefühl haben, Kindern und Jugendlichen geht es schlecht. Jeder Anruf, selbst nur bei Verdacht, kann entscheidend sein.

Hier gibt es Hilfe für Kinder und Jugendliche

Initiative für Münchner Mädchen (IMMA)

Die stationären Einrichtungen und ambulanten Wohn- und Betreuungsangebote der IMMA laufen auch zu Corona-Zeiten weiter, Aufnahmen sind weiterhin möglich.www.onlineberatung.imma.de

Telefon: 089 260 75 31

Mail: beratungsstelle@imma.de

Kein Kind alleine lassen ist eine bundesweite Aktion des unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung. Auf der Seite gibt es Infos für Kinder und Jugendlichen und direkte Kontakte zu Beratungsstellen. Erwachsene erfahren auf der Seite, wo sie bei sexueller oder familiärer Gewalt in der Corona-Krise Hilfe bekommen. Auch Flyer zum Ausdrucken gibt es auf der Seite. Damit kann man zum Beispiel die Nachbarschaft daran erinnern, Hilfe zu holen, falls der Verdacht besteht, ein Kind wird misshandelt.

www.kein-kind-alleine-lassen.de

Telefon: 0800 22 55 530

Mail: beratung@save-me-online.de

Beratungsstelle für Jungen und junge Männer

Auch Jungen und junge Männer sind von häuslicher Gewalt betroffen. KIBS berät und informiert von Montag bis Freitag Betroffene am Telefon. Jeder Anrufer und jede Anruferin kann anonym bleiben.

www.kinderschutz.de

Telefon 089 2317 1691 20

Mail: mail@kibs.de