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© dpa-Bildfunk/Linda McCartney
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Linda McCartney

Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr und John Lennon (von links) proben im Filmstudio in Twickenham.

    "Get Back": Ein Einblick in das Innenleben der Beatles

    Die neue Doku "Get Back" von Regisseur Peter Jackson beschreibt eindrücklich die letzten Tage der Beatles. Eine Hommage an ein Pop-Phänomen und ihre zeitlosen Melodien. Nicht nur für Fans, sondern für jeden Musikbegeisterten ein Must-see.

    Von
    Julian IgnatowitschJulian Ignatowitsch

    Vor gut Fünfzig Jahren lösten sich die Beatles auf – die vielleicht bekannteste Pop-Gruppe der Welt. John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr waren zu dieser Zeit noch nicht mal 30 Jahre alt, aber hatten doch schon genug von ihrer so erfolgreichen und eingängigen Musik und sie hatten auch genug voneinander. Das letzte Beatles-Album "Let It Be" erschien zusammen mit einer Film-Dokumentation im Jahr der Auflösung, 1970. Entstanden waren die letzten neuen Songs im Januar 1969 in Aufnahmesessions, die heute vor allem durch den Ruf ihrer schlechten Stimmung bekannt sind. Jetzt zeigt eine neue Doku-Serie von Regisseur Peter Jackson die Wahrheit hinter diesen Aufnahmen. Aus 60 Stunden Video- und 150 Stunden Audio-Material sind rund acht Stunden Beatles "Behind the Scences" entstanden.

    Am siebten Tag verließ George Harrison die Beatles entnervt mit den Worten: "Sucht Ersatz!" Er ergänzte noch: "Ich seh euch bei den Clubs", aber da lief die Kamera schon nicht mehr. Die Szene ist ein Fanal für die gut ein Jahr spätere Auflösung der Band. Und sie ist jetzt – wie viele andere – erstmals für eine breite Öffentlichkeit zu sehen.

    Die neue Serie "Get Back" von Peter Jackson gibt einen ausführlichen Einblick in die letzten Tage der Beatles, ist eine "Dokumentation über eine Dokumentation", wie der Regisseur und Produzent selbst sagt. Und sie endet natürlich nicht mit Harrisons spontanem Ausstieg (nach nicht mal einem Drittel der Serie): Der Gitarrist kehrte ein paar Tage später ins Studio zurück, und die Aufnahmen zum letzten Album "Let It Be" wurden abgeschlossen, die endgültige Trennung ließ sich aber nicht mehr verhindern.

    Doku erzählt eine differenzierte Geschichte

    Trotzdem, es war nicht alles schlecht bei diesem letzten großen Zusammentreffen im Januar 1969. Das zeigt die Dokumentation, die eine differenzierterer Geschichte erzählt, als die geläufige Legende vom Ende einer zerstrittenen Band. Es wird gejammt. Es wird komponiert. Viel geraucht und geblödelt: Paul McCartneys Adoptivtochter Heather singt zusammen mit Lennon und Yoko; Schauspieler Peter Sellers guckt im Studio vorbei oder die Band zitiert selbst süffisant die medialen Zeitungs-Schlagzeilen ihres Untergangs: So sehen keine zerstrittenen Menschen aus, die es nicht mehr miteinander aushalten, sondern eher vier Musiker und Freunde, die zusammen zehn viel zu intensive und erfolgreiche Jahre im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit durchlebt haben.

    Wenn John mal wieder zu spät zur Probe kommt, Ringo seine Kollegen darüber informiert, dass er gerade gefurzt hat, oder Paul mit Augenringen zur Disziplin mahnt, dann zeigt das vor allem die alltägliche Seite des Ruhms, den Durchschnitts-Menschen im Pop-Star, die Schüler- in der Jahrhundertband. Und es zeigt, wie empfindlich so ein Bandgefüge mit vier Ausnahmekönnern ist. Jeder hat sein Ego, seine Ideen, seine Vorstellung vom Beatles-Sound. Man stelle sich vor, vier Bildende Künstler würden zusammen an einem Gemälde malen.

    Heimlich mitgeschnittenes Gespräch

    So spricht Harrison auch schon ganz offen über ein mögliches Soloprojekt. McCartney – aufgepasst, Beatles-Fans! – erklärt, wie Yoko Ono seine Beziehung zu Lennon gestört hat. Die beiden Frontmänner sprechen sich aus, heimlich mitgeschnitten mit einem Mikrofon in einer Blumenvase.

    Die anfänglichen Aufnahmen in den Twickenham Filmstudios samt geplantem Livekonzert enden kurz gesagt im Desaster. Die Band kommt erst wieder im vertrauten Keller-Studio der Apple-Büros und unter Mitwirkung des Pianisten Billy Preston zu sich. "Zu Hause", wie Lennon sagt, findet sie Unbefangenheit, Melodie, Rhythmus. Auch der ein oder andere Coversong reißt den Zuschauer mit.

    Emotionaler Einblick in das Innenleben der Band

    Die Serie hätte auch "acht Stunden mit den Beatles im Bandraum" heißen können. Das absolut Unglaubliche aber gelingt Regisseur Peter Jackson bei der Aufbereitung des alten Filmmaterials, das er digitalisiert, optimiert, koloriert und in 4K-Qualität umgewandelt hat. Auch beim Sound holt er das Maximum heraus. Die Band kommt einem dadurch wirklich so nahe, als hätte sie gestern neben einem geprobt. McCartneys Wangen glühen rot, der Bass vibriert, Zigarettenrauch hängt in der Luft – und wir sind mittendrin! Auch beim abschließenden, legendären Konzert auf dem Studio-Dach, das noch einmal den Live-Spirit der Band aufleben lässt und schließlich von der Polizei beendet wird.

    "Get Back" gibt einen emotionalen Einblick in das Innenleben der vielleicht größten Band des 20. Jahrhunderts. Eine gelungene Hommage an ein Pop-Phänomen und ihre zeitlosen Melodien. Nicht nur für Fans, sondern für jeden Musikbegeisterten: ein Must-see.

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