Goldmünzen
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    Gestohlene Goldmünzen: Welche Geschichte haben sie erzählt?

    Gestohlene Goldmünzen: Welche Geschichte haben sie erzählt?

    Nachdem der millionenschwere Goldschatz aus dem Kelten-Museum in Manching gestohlen wurde, bleiben noch einige Fragen offen: Welche Geschichte erzählen die Münzen und was hätten wir von diesem Schatz noch lernen können?

    Aus dem Kelten-Römer-Museum im oberbayerischen Manching haben Einbrecher einen millionenteuren keltischen Goldschatz gestohlen - im schlimmsten Fall sind die Goldmünzen unwiederbringlich verloren. Vor allem für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wäre das ein Drama - denn hinter jenen Münzen stecken Informationen über die Kelten, eine für die Wissenschaft in Teilen noch immer rätselhafte Zivilisation. Die gestohlenen Münzen hätten uns also noch mehr erzählen und historische Aufschlüsse liefern können. Davon ist Bernward Ziegaus, Leiter der Abteilung Numismatik der Archäologische Sammlung in München, überzeugt.

    Historischer Wert der Goldmünzen

    Der Materialwert der Münzen beträgt mehrere Hunderttausend. Doch der Wert der Münzen für die Wissenschaft sei unbezahlbar, wie Bernward Ziegaus betont. Er forschte drei Jahre lang an diesem Schatz und sieht den Diebstahl als tragischen Verlust. Bei der Untersuchung der Münzen habe er bereits viele Detailinformationen herausfinden können. Doch die Forschung macht Fortschritte - und moderne Untersuchungen, die er bereits begonnen habe, könne er nun leider nicht abschließen.

    Einige Erkenntnisse hat der Schatz den Forscherinnen und Forschern schon beschert. Zum Beispiel, dass es sich nicht um lokales Gold handelte, sondern die Münzen aus dem böhmischen Raum nach Manching kamen. Diese Erkenntnis lässt darauf schließen, dass intensive Kontakte zwischen der reichen Bevölkerung der Böhmen und der Bayern existierten. Und damit auch der Ort Manching im ersten Jahrhundert vor Christus eine ganz besondere Bedeutung hatte. Dort wurden mit diesen Münzen hochwertige Waren gekauft.

    Was hätte man aus den Münzen noch lernen können?

    Durch die moderne Forschung und den Einsatz von Systemen, die sich auf künstliche Intelligenz stützen, hätte man aus den Münzen vielleicht noch viele weitere Erkenntnisse gewinnen können. Diese Form der Forschung war vor zehn Jahren, als die Bearbeitung der Münzen abgeschlossen wurde, noch nicht möglich. Hätte man sich den Schatz heute erneut vorgenommen, hätte man etwa mit Hilfe von 3D-Scans und einer Bild-Datenverarbeitung beispielsweise genauere Aussagen über den Ablauf der Prägung der Münzen machen können - und auch, welche besonderen Techniken bei der Herstellung angewendet wurden. Außerdem hätte man über eine naturwissenschaftliche Untersuchung mit Blei-Isotopen die Herkunft des Metalls genauer eingrenzen zu können.

    Geheimnisse der Münzen

    Bekannt wurde durch die Forschung, dass das Gold der Münzen nicht nur aus Lagerstätten und Fluss-Gold in Böhmen stammte. Es gab auch Hinweise darauf, dass Teile des Goldes eingeschmolzen worden waren. Daraus ließ sich schließen, dass der Schatz aus unterschiedlichen Herkunftsländern, möglicherweise sogar aus dem kleinasiatischen Raum über verschiedene Linien nach Europa gekommen war und sich das Gold so weiterverarbeitet hatte, um wieder eingeschmolzen und neu ausgegeben zu werden. All diese Erkenntnisse hätten nur durch eine exakte Untersuchung gewonnen werden können - und hätten dementsprechend auch viel Zeit erfordert. Doch das ist nun nicht mehr möglich. Niemand weiß, was die Münzen uns noch alles verraten hätten.

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