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Geschwister Scholl-Preis 2019 für Texte aus dem Gefängnis | BR24

© dpa / picture alliance

Ahmet Altan erhält den Geschwister Schollpreis 2019 für sein Buch "Ich werde die Welt nie wiedersehen. Texte aus dem Gefängnis"

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    Geschwister Scholl-Preis 2019 für Texte aus dem Gefängnis

    Für sein Buch "Ich werde die Welt nie wiedersehen. Texte aus dem Gefängnis" wird Ahmet Altan mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. In einem politisch motivierten Prozess wurde der türkische Schriftsteller zu lebenslanger Haft verurteilt.

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    Der 68-jährige türkische Bestseller-Autor Ahmet Altan erhält für seine Texte aus dem Gefängnis den 40. Geschwister Scholl Preis. Seit dem Sommer 2016 befindet sich Ahmet Altan in Haft. Am 16. Februar 2018 wurde er, in einem zweifelhaften Gerichtsverfahren, zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Anklage ist der Auffassung, Ahmet Altan habe den Putschversuch gegen die Regierung von Staatspräsident Recip Tayyip Erdoğan unterstützt, und zwar durch die angebliche ‚Verbreitung einer unterschwelligen Botschaft'.

    Texte aus dem Gefängnis

    Der Journalist und Schriftsteller war schon immer ein kritischer Geist, für die türkische Regierung unbequem - und in seinen journalistischen Texten angreifbar. Bereits mehrmals hatte er sich vor Gericht wegen seiner politischen Überzeugungen behaupten müssen. Sein neuestes Buch "Ich werde die Welt nie wiedersehen" handelt von Altans Erfahrungen in der Untersuchungshaft, im Gerichtssaal und schließlich im Gefängnis. Er schildert seine Begegnungen mit den Polizisten, die ihn verhaften, mit dem Staatsanwalt, der keinerlei Beweise für seine Anklage vorlegen kann, und mit den Richtern. Und er porträtiert seine Mitgefangenen im "Käfig", der überfüllten Zelle im Untersuchungsgefängnis.

    Die Begründung der Jury

    "Ahmet Altans Texte zeigen auf eine ruhige, klare Weise, wie es im Augenblick um die Türkei bestellt ist. Vor allem aber zeugen die Berichte von einer großen Standhaftigkeit, vom Entschluss, trotz allen Entbehrungen stärker zu sein als die Vernehmer, Ankläger und Richter. In der Situation größter Unfreiheit behauptet Ahmet Altan auf eine bewegende und mutige Weise seine innere Freiheit. Die Texte, geschrieben immer wieder auch im Dialog mit der Weltliteratur, sind ein Dokument des Widerstehens und der geistigen Unabhängigkeit. Nach der Urteilsverkündung, beschließt er, er werde kämpfen wie Odysseus. Und er erklärt, mit der Zaubermacht des Schriftstellers könne er mühelos auch durch die Wände des Gefängnisses gehen.

    Die Literatur ist am Ende stärker als alle Willkürjustiz, als jede Despotie. Ahmet Altans Buch Ich werde die Welt nie wiedersehen erinnert uns, die wir in Freiheit leben, an seine Stimme. Es mahnt uns darüber hinaus aber auch dazu, all die Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren, die wie der Schriftsteller, in Haft sitzen, weil sie mundtot gemacht werden sollen. Ahmet Altan spricht für alle die, die für die Wahrheit eintreten und die Freiheit verteidigen, gerade unter schwierigsten Bedingungen. Auf diese Weise verteidigt er selbst die Freiheit und erinnert an das Vermächtnis der Geschwister Scholl."

    Ahmet Altan, populärer Journalist und Schriftsteller

    Ahmet Altan, geboren 1950, ist mit seinen Romanen und Essaybänden einer der erfolgreichsten Schriftsteller, aber auch einer der bekanntesten Journalisten der Türkei. Ahmet Altan arbeitete als Kolumnist für zahlreiche namhafte türkische Medien und gründete 2007 die Zeitung „Taraf“. Sie wurde nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 verboten und Ahmet Altan zusammen mit seinem Bruder Mehmet Altan festgenommen.

    Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V. und die Landeshauptstadt München vergeben 2019 den mit 10.000 Euro dotierten Geschwister-Scholl-Preis zum 40. Mal. Jährlich wird ein Buch jüngeren Datums ausgezeichnet. "das von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben". Zu den Preisträgern zählten in den letzten Jahren unter anderem Götz Aly, Achille Mbembe, Liao Yiwu, Joachim Gauck, Roberto Saviano, David Grossman und Anna Politkovskaja.

    Der Geschwister-Scholl-Preis wird im Rahmen des Literaturfests München vergeben. Die Preisverleihung findet am 25. November 2019 in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität statt (geschlossene Veranstaltung).

    Ahmet Altan: "Ich werde die Welt nie wiedersehen". Texte aus dem Gefängnis . Aus dem Türkischen von Ute Birgi-Knellessen ist im S. Fischer, Frankfurt am Main 2018 erschienen.

    © S. Fischer Verlag/ Montage BR

    "Ich werde die Welt nie wiedersehen" von Ahmet Altan wird mit dem Geschwister Scholl-Preis 2019 ausgezeichnet