Zwei "Schwestern" blicken sich an - Illustriert von Hannah Kolling
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»Waren wir doch Teile voneinander«. Geschichten von berühmten Schwestern

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Geschichten berühmter Schwestern von Gunna Wendt

Geschichten berühmter Schwestern von Gunna Wendt

Von den Brontë-Schwestern, Simone de Beauvoir und Hélène, Kaiserin Sisi und Néné, bis hin zu Sophie und Inge Scholl – das Buch "Waren wir doch Teile voneinander" von Gunna Wendt widmet sich den intensiven Beziehungen berühmter Schwestern.

Was bedeutet die Beziehung zur eigenen Schwester? Vor allem wenn die eigene Schwester die Bühne der Welt mitbestimmt? Für Simone de Beauvoir war ihre Schwester Hélène sowohl Komplizin als auch Untertanin. Liesl Karlstadt fand nur durch die Unterstützung ihrer Schwester nach einer schweren Krise zurück in den Alltag. Kaiserin Sisi sprach mit ihrer Schwester Néné nur Englisch, um von Niemandem in ihrer Umgebung verstanden zu werden - während Queen Elizabeth und Prinzessin Margret sich in vielen Punkten ganz und gar nicht verstanden. Mit stimmungsvollen Illustrationen von Hannah Kolling erzählt Gunna Wendt die Geschichten berühmter Schwestern.

Die sowohl spannenden, als auch berührenden Schwesternpaare in diesem Werk sind außerdem: Zarin Alexandra und Großfürstin Elisabeth, Elsa Triolet und Lilja Brik, Virginia Woolf und Vanessa Bell, Anne, Charlotte und Emily Brontë, Else und Frieda von Richthofen, Annette und Jenny von Droste-Hülshoff, Gudrun und Christiane Ensslin, Lilo und Corinne Pulver, Caroline von Wolzogen und Charlotte von Schiller. Es geht um ihren Bund und ihre Konflikte. Denn die Beziehung zwischen Schwestern gehört zu den intensivsten Bindungen im Leben. Sie sorgt für Halt aber auch für viel Zündstoff, davon ist die Autorin überzeugt.

Berühmte Frauen, berühmte Schwestern

Gunna Wendt hat ihr Interesse für berühmte Frauen bereits mit zahlreichen Werken bewiesen. Wendt schrieb über die Rebellin Franziska zu Reventlow, die Glückssucherin Lena Christ, die Modeikone Coco Chanel, die letzte Zarin Alexandra, Lou Andreas-Salomé, Erika Mann und viele weitere beeindruckende Frauen und ihre Geschichten und Geheimnisse. 2017 wurde Wendt für ihre Arbeit mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet. Nun hat sie sich auf Schwesternpaare konzentriert und ihr neues Buch ihrer eignen Schwester Tina gewidmet. Darin erzählt Wendt von Gemeinsamkeiten, wie auch unterschiedlichen Lebenswegen, und vom Ungleichgewicht berühmter Schwestern. Der Autorin war wichtig, die vermeintlich weniger berühmten Schwestern sichtbarer zu machen. Gerade bei Annette und Jenny von Droste-Hülshoff oder bei Hélène und Simone de Beauvoir wird dieses Ungleichgewicht deutlich.

Das Los der Älteren, das Los der Jüngeren

Das Buch erzählt von Schwestern verschiedener Gesellschaftsschichten und Jahrhunderte. Das Besondere einer Schwesternbeziehung, findet die Autorin, ist, dass diese im Gegensatz zu einer Freundschaft nie selbst erwählt, und niemals abgelegt werden kann. Es ist ein Bund fürs Leben, der sowohl innig als auch von Konkurrenz behaftet sein kann. Trotz der Vielfalt der verschiedenen Paare berühmter Schwestern, lässt sich laut Wendt kein klares Muster im Beziehungsverhalten zwischen den Schwestern erkennen. Auch das Klischee, dass die jüngste Schwester bevorzugt wird, lasse sich nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil findet die Autorin, und erzählt davon, dass Simone de Beauvoir als ältere Schwester immer bevorzugt wurde und auch von der Beziehung zwischen Elsa Triolet und Lilja Brik, in der die ältere Schwester Lilja stets vorgezogen wurde. Deutlich wird, wie innig und intensiv die Beziehungen der vielen Schwestern sind. Dabei zählt die Berühmtheit der einen oder der anderen Schwester oft weniger als man vielleicht vermuten würde, meint Gunna Wendt:

"Ich habe gemerkt, dass die Berühmtheit gar keine so große Rolle spielt. Denn Berühmtheit ist ja keine Charaktereigenschaft, sondern eine Zuschreibung von außen. Und in seinem eigenen Leben ist es vielleicht gar nicht so wichtig, ob die andere berühmt ist, oder nicht." Autorin Gunna Wendt

Rivalität und Konkurrenz

Dennoch stehen die Schwestern zuweilen auch in Konkurrenz miteinander. Hélène de Beauvoir entdeckte das Talent ihrer Schwester Simone bereits in jungen Jahren und beschloss daraufhin sich lieber als Malerin in einem anderen Genre zu bewegen. Die Autorin Wendt zeigt sich überrascht, dass obwohl Hélène eine berühmte Malerin wurde, sie dennoch für die meisten bis heute unbekannt ist und ihr Leben lang im Schatten ihrer Schwester Simone stand. Die Rivalität zwischen Schwestern ist auch bei Else und Frieda von Richthofen und bei den berühmten Brontë-Schwestern zu erkennen. Dennoch schwang laut Gunna Wendt immer auch ein gewisser Schwestern-Stolz mit:

"Ob bei den Beauvoirs, den Richthofen-Schwestern oder auch bei den Brontë-Schwestern – war auch gleichzeitig immer ein gewisser Stolz dabei: 'Sie ist meine Schwester, sie ist toll und in dem Bereich toller als ich. Aber sie ist meine Schwester!'" Autorin Gunna Wendt

Neben den Rivalitäten zeigt das Buch, auch wie innig die Beziehungen zwischen Schwestern sein kann. Dies wird besonders bei den Schwestern Elsa Triolet und Lilja Brik deutlich. In einem Brief schreibt Elsa an Lilja: "Ich stelle mir vor, du würdest durch eine andere Lilia ausgetauscht, eine neue, von der es heißt hundertmal besser. Ich will aber keine Bessere. Ich liebe diese!"

Das Werk "Waren wir doch Teile voneinander" von Gunna Wendt blickt liebevoll und ausführlich auf Schwesternbeziehungen der besonderen Art.

Bildrechte: Bayerischer Rundfunk 2022

Nur 30 Jahre alt wurde die britische Schriftstellerin Emily Brontë. Ihr Roman Wuthering Heights gilt als Klassiker der englischen Literatur.

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