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Bildrechte: picture-alliance/ dpa | Marijan Murat

Ein Priester feiert die tridentinische Messe - auf Latein und mit dem Rücken zu den Kirchenbesuchern gewandt.

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    "Gescheitert" - Papst schränkt Messe für Traditionalisten ein

    Die Sprache Latein, der Priester mit dem Rücken zum Volk: Katholische Traditionalisten feiern gerne die "Alte Messe". Benedikt XVI. hatte die Gottesdienst-Form 2007 wieder ermöglicht. Nun spricht Papst Franziskus ein Machtwort und schränkt sie ein.

    Von
    Martin JardeMartin Jarde
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    Der Papst vollzieht bei der Tridentinischen Messe, im Volksmund auch "Alte Messe" genannt, eine 180-Grad-Wende. Mit einem Erlass schränkt er die Bedingungen zu der Feier erheblich ein. Zur Verteidigung der Einheit der Kirche "sehe ich mich gezwungen, die von meinen Vorgängern gewährte Möglichkeit zu widerrufen", schreibt Franziskus im Begleitbrief zu dem Erlass. Damit spricht das Kirchenoberhaupt ein Machtwort und revidiert eine Entscheidung seines Vorgängers, dem bayerischen Papst Benedikt XVI.

    Experte: "Papst verbannt Alte Messe in Museum"

    Papst Franziskus verbannt nach Ansicht des Liturgiewissenschaftlers Helmut Hoping die Feier der sogenannten alten Messe damit quasi ins Museum. Mit seinem Liturgie-Erlass wonach nur noch die 1970 reformierte Form der Messe legitimer Ausdruck des römischen Ritus sei, habe Franziskus die Unterscheidung Benedikts XVI. zweier Formen des römischen Ritus als illegitim widerrufen, sagte Hoping dem katholischen Kölner Internetportal domradio.de.

    Das Anliegen Benedikts XVI., mit zwei Formen der Messfeier konservative und progressive Strömungen in der katholischen Kirche zu versöhnen, sieht Franziskus als gescheitert an.

    Bischöfe müssen künftig Priestern Erlaubnis erteilen

    Mit seinem Erlass mit dem Titel "Traditionis custodes" (Hüter der Tradition) spricht der Papst dem zuständigen Ortsbischof die Aufgabe zu, die Erlaubnis für diese besonderen Gottesdienste zu erteilen. Dieser entscheidet künftig, in welcher Kirche an welchen Tagen welcher Priester im alten Ritus die Messe feiern darf.

    Zudem erlässt der Papst weitere Einschränkungen: Lesungen müssen in der Landessprache, nicht in Latein, vorgetragen werden. Reguläre Pfarrkirchen sind ausgeschlossen; auch dürfen für solche Feiern keine Personalgemeinden (die sich nicht aus einem bestimmten Gebiet, sondern aus überörtlich zusammenfindenden Mitgliedern zusammensetzen) mehr gegründet werden. Alle bisherigen Regelungen, die dem neuen Erlass widersprechen, sind ab sofort aufgehoben.

    Möglichkeit von Benedikt XVI. werde missbraucht

    Franziskus begründete seine Entscheidung damit, dass die außerordentliche Ritusform instrumentalisiert werde für Opposition gegen das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965). "Der verzerrte Gebrauch" der bisherigen Möglichkeiten, so Franziskus an die Bischöfe, stehe in Widerspruch zu jenen Absichten, mit denen Benedikt XVI. den Priestern 2007 mehr Freiheiten einräumte.

    Franziskus vollzieht Kehrtwende

    Dass Papst Franziskus den Erlass seines Vorgängers modifizieren würde, war vermutet worden; kaum aber, dass es eine regelrechte Kehrtwende würde - wenn auch kein gänzliches Aus. Für seine Entscheidung beruft sich der Papst auf eine in den vergangenen beiden Jahren durchgeführte Umfrage der Glaubenskongregation. Die wollte von Bischöfen wissen, welche Erfahrungen sie mit dem außerordentlichen Ritus gemacht haben.

    Was genau die Bischöfe antworteten, hat die Kongregation bislang nicht verraten; nicht einmal die Tatsache der Befragung wurde offiziell kommuniziert. Laut Franziskus zeigt sie aber die erwähnten Missstände.

    Liturgiewissenschaftler: Gläubige könnten sich zurückziehen

    Hoping kritisiert dies. Zum einen sei eine Umfrage, auf die Franziskus sich beruft, bisher nicht veröffentlicht. Auch sei der genannte Vorwurf "zumindest für die katholische Kirche in Deutschland ungerecht - den Diözesanpriestern gegenüber, der Petrusbruderschaft gegenüber und den Gläubigen gegenüber, die der alten Messe verbunden sind".

    Kurzfristige Änderungen in der Praxis befürchtet der Liturgiewissenschaftler in dem Interview nicht. Jene, die bisher in der alten Form feierten, würden dies weiter tun. Sollten Bischöfe die Feier der alten Messe aber restriktiv handhaben, würden sich entsprechende Gruppen von Gläubigen wohl zurückziehen oder gar zur traditionalistischen Pius-Bruderschaft wechseln.

    Kardinal Müller kritisiert Papst-Entscheidung scharf

    Scharfe Kritik an der Entscheidung kommt vom deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Er vermute, dass es Franziskus' Absicht sei, die Alte Messe "auf Dauer zum Aussterben zu verurteilen", schreibt der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation in einem Gastbeitrag für das US-amerikanische Internetportal thecatholicthing.org. Ohne das geringste Einfühlungsvermögen würden durch die Einschränkung der Außerordentlichen Form des Ritus die religiösen Gefühle der oft jungen Messeteilnehmer ignoriert, erklärte Müller. Statt den Geruch der Schafe zu würdigen, schlage der Hirte mit seinem Hirtenstab hier hart auf sie ein.

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