BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Gericht urteilt: Denkmalschutz gilt auch für NS-Architekten | BR24

© Rolf Vennenbernd/Picture Alliance
Bildrechte: Rolf Vennenbernd/Picture Alliance

Blick in ein Esszimmer eines Hauses im Stadtteil Hösel

Per Mail sharen

    Gericht urteilt: Denkmalschutz gilt auch für NS-Architekten

    Der Eigentümer des Hauses wehrte sich vergebens: Im Denkmalschutz gibt es keine Moral, so die Düsseldorfer Richter, deshalb bleibt auch eine Villa des NS-Architekten Emil Fahrenkamp von 1957 besonders geschützt – Pool und Garten allerdings nicht.

    Per Mail sharen
    Von
    • Peter Jungblut

    Ein Gutachter hatte das "Landhaus Schulz" im Ortsteil Hösel der Stadt Ratingen bei Düsseldorf in die Liste besonders schutzwürdiger Bauten eingetragen. Erbaut wurde die großzügige Villa von Emil Fahrenkamp, einem Architekten, der zwar nicht zu den frühen Nazis gehörte, sich aber gern von Hermann Göring auf den alljährlichen Berliner Opernball einladen ließ. Der Baumeister bekannte sich zu Adolf Hitler und war in der Nazi-Zeit schließlich schwer beschäftigt, weil er das Vertrauen zahlreicher Parteifunktionäre genoss. Im Auftrag von Propagandaminister Joseph Goebbels möbelte Fahrenkamp Schloss Rheydt bei Mönchengladbach zu einem repräsentativen Gästehaus auf, in der Eifel überwachte er den Bau einer "Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei" und 1940 kümmerte er sich um die Planung der "Filmstadt Babelsberg" bei Potsdam. Vor allem jedoch kamen viele Aufträge aus der Schwerindustrie rein.

    "Großbürgerliches Bauen in der Nachkriegszeit"

    Ab 1938 wurde Fahrenkamp Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie, die er schnell "auf Kurs" brachte und wie von den Machthabern gewünscht an den Alten Meistern orientierte. Mit Hitlers Größenwahn hatte er keine Probleme, er entwarf monumentale Bauten und Villen im "englischen Landhausstil". Nach dem Krieg verlor Fahrenkamp seine Professur, wurde im Entnazifizierungsverfahren jedoch "entlastet" und kam auch wieder an Aufträge, abermals vor allem aus der Industrie. Das repräsentative "Landhaus Schulz" steht auf einem knapp 8.000 Quadratmeter großen Grundstück. Für die Stadt Ratingen ist der Bau beispielhaft für "großbürgerliches Wohnen in der Nachkriegsmoderne" – weshalb sie die Villa unter Denkmalschutz stellte. Die Immobilie stand für knapp zwei Millionen Euro zum Verkauf.

    © Rolf Vennenbernd/Picture Alliance
    Bildrechte: Rolf Vennenbernd/Picture Alliance

    Außenansicht der Villa Schulz

    Im Protokoll einer Sitzung des Bezirksausschusses von Ratingen-Hösel vom 8. November 2017 heißt es, Fahrenkamp sei "vielleicht etwas strittig" gewesen, er habe jedoch in den dreißiger Jahren "hervorragende Bauten der Moderne" errichtet. Die Villa sei "das prägendste Gebäude, dass der Architekt in der Nachkriegszeit gemacht" habe. Was das Leben von Fahrenkamp betrifft, heißt es, er habe "eine sehr bewegte Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts" gehabt – kein Wort von seiner Verstrickung in den Nationalsozialismus.

    "Typische" NS-Wohnkultur?

    Der neue Eigentümer Guido Arens ist nicht der Meinung, dass die Villa "denkmalwürdig" ist. Er klagte vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf. Sein Rechtsanwalt Gerd-Ulrich Kapteine sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir sind der Meinung, dass der Denkmalschutz auch eine historisch-moralische Komponente hat. Hier wird ein Nachkriegsbau des Bauherren von Goebbels und Göring zum kulturellen Erbe erhoben. Woanders werden belastete Straßennamen umbenannt – in Ratingen wird die 'alte Garde' auf diese Weise geehrt." Ein Gutachten habe ergeben, dass der Bau in "typischer" Weise "NS-Wohnkultur" widerspiegele. Das Haus sei auch kein Mahnmal.

    © Rolf Vennenbernd/Picture Alliance
    Bildrechte: Rolf Vennenbernd/Picture Alliance

    Eigentümer Guido Arens und seine Deutsche Dogge

    Zwar sind der Garten und der Swimming-Pool nicht geschützt, entschieden die Richter (Az.: 28 K 823/18), die Villa selbst sei aber sehr wohl "denkmalwürdig". Es müssten ja nicht nur "positive" Bauten für die Nachwelt erhalten werden, sonst wäre ja nicht auch ein Wachgebäude an der ehemaligen innerdeutschen Grenze geschützt worden. Das Gericht ließ sich auch nicht vom Argument der Kläger überzeugen, wonach der Originalzustand des Landhauses sowieso nicht mehr erhalten ist. Es habe zahlreiche Umbauten gegeben.

    Eigentümer Guido Arens kündigt an, in Berufung gehen.

    Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

    Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang