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Gericht muss entscheiden: Wem gehört Gerhard Richters Müll? | BR24

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Gerhard Richter

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    Gericht muss entscheiden: Wem gehört Gerhard Richters Müll?

    Einer der teuersten zeitgenössischen Künstler hat Probleme mit dem Müll: Ein 49-jähriger Mann brachte weggeworfene Skizzen an sich und wollte sie zu Geld machen. Jetzt muss ein Kölner Gericht entscheiden. Es geht um einen Schätzwert von 60 000 Euro.

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    Laut Anklageschrift fischte ein Mann vier "postkartengroße Skizzen" aus der Altpapier-Mülltonne von Gerhard Richter, der im vornehmen Stadtteil Köln-Hahnwald wohnt. Anschließend soll der Angeklagte, der aus Bremerhaven stammt, versucht haben, den Abfall zu "versilbern" und dafür ein Auktionshaus kontaktiert haben. Der Wert der Blätter wurde auf 60 000 Euro geschätzt. Jetzt muss das Amtsgericht Köln entscheiden, wem der Müll des prominenten Künstlers gehört - ein "spannendes" Verfahren, wie die Kölner Justiz-Sprecherin Gabriele Bos dem BR erläuterte. In Zeitungsberichten hatte es mit Bezug auf Auskünfte von Juristen geheißen, es mache einen Unterschied, ob ein "Joghurtbecher" weggeworfen werde oder Kunstobjekte. Wörtlich wurde eine Sprecherin zum Fall Gerhard Richter zitiert: "Er wollte es entsorgen, er wollte nicht, dass die Werke in Umlauf geraten."

    Gerhard Richter entsorgt sogar Gemälde

    Der ursprünglich für Mittwoch terminierte Verhandlungstermin wurde wegen einer Erkrankung von Gerhard Richter (86) auf unbestimmte Zeit vertagt. In dem Strafverfahren hatte das Amtsgericht bereits getagt, die zuständige Richterin entschied jedoch, vor einem Urteil Zeugen anzuhören, neben Richter handelt es sich nach Angaben von Gabriele Bos um fünf weitere Personen, darunter ein Polizeibeamter. Von einem der teuersten derzeit lebenden Künstler ist bekannt, dass er regelmäßig Werke "entsorgt", sogar Gemälde sollen in den Abfall gewandert sein.

    In Ravensburg gewann der Maler

    Die Justiz in Ravensburg hatte 1987 bereits einen ähnlichen Fall zu entscheiden. Dort urteilte das Amtsgericht zunächst, die weggeworfenen Gemälde eines Ingenieurs und Hobby-Malers aus Biberach dürfe ein Passant aus dem Sperrmüll fischen. Der beklagte Kunstfreund hatte sich auf den Paragraphen 959 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) berufen, wonach eine Sache "herrenlos" wird, wenn der Eigentümer "in der Absicht, auf das Eigentum zu verzichten, den Besitz der Sache aufgibt". Die übergeordnete 3. Zivilkammer des Landgerichts war anderer Ansicht. Demnach wolle ein Künstler, der Werke entsorge, diese dem "Vermögens- und Rechtsverkehr" entziehen und vernichten. Der angeklagte Nachbar musste die Leinwände daher herausgeben. (Aktenzeichen Z 3 S 121/87)