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Gérard Depardieu: Justiz ermittelt erneut wegen Vergewaltigung | BR24

© Thierry Roge/Picture Alliance

Gerard Depardieu

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    Gérard Depardieu: Justiz ermittelt erneut wegen Vergewaltigung

    Nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP muss sich der Star-Schauspieler seit dem 16. Dezember abermals Untersuchungen wegen sexueller Übergriffe stellen. Depardieu bestreitet alle Vorwürfe und ist nach wie vor auf freiem Fuß.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Für die französische Presse ist er ein "heiliges Monster", für seine Schauspiel-Kollegin Catherine Deneuve hat er "als Mann eine dunkle Seite, als Schauspieler jedoch eine ungeheuer überzeugende". Gérard Depardieu beherrscht gerade wieder die Schlagzeilen, was die Medien zum Anlass nehmen, die Kette seiner Skandale ausführlich abzuschreiten, seine "Fresssucht" ebenso zum Thema zu machen wie seine Weinberge, seine Auseinandersetzungen mit Paparazzi und seine Kumpanei mit Wladimir Putin. Vor allem aber wird darauf hingewiesen, dass er wirklich alle französischen Nationalhelden spielte, von Cyrano de Bergerac über Kardinal Jules Mazarin, Jean Valjean ("Les Miserables"), Honoré de Balzac, Joseph Fouché, den Grafen von Monte Christo, Hinkelstein-Fan Obelix und Louis Leplée (Entdecker von Edith Piaf) bis hin zu August Rodin. Und vor Negativ-Helden wie Josef Stalin hatte Depardieu auch keine Scheu.

    Noch 2019 hatte die Staatsanwaltschaft keine Beweise für ein unangemessenes Verhalten von Gérard Depardieu (72) oder gar gerichtsfeste Indizien für eine Vergewaltigung gefunden und die Akte nach einer neunmonatigen Untersuchung ergebnislos geschlossen. Gegen diesen Beschluss hat eine bisher in der Öffentlichkeit anonym gebliebene junge Frau Beschwerde eingelegt, weshalb der Fall jetzt wieder auf dem Tisch eines Untersuchungsrichters landete. Die Klägerin behauptet, von Depardieu in dessen Pariser Wohnung im 6. Arrondissement zweimal missbraucht worden zu sein, am 7. und 13. August 2018. Laut der französischen Zeitung "Le Figaro" ist Depardieu mit der Familie des mutmaßlichen Opfers befreundet. Er soll dem Vater der Nachwuchsschauspielerin versprochen haben, sich um deren Karriere zu kümmern, wie der "Parisien" meldet. An Gerüchten, die Vorfälle hätten sich am Rande einer Theaterprobe ereignet, sei nichts dran, wenngleich beide an den Tagen der angeblichen Vergewaltigungen miteinander geprobt hätten.

    Es kam zu einer Gegenüberstellung

    Ob zwischenzeitlich neue Indizien für sexuelle Nötigung aufgetaucht sind oder ob das Verfahren aus rein formalen Gründen fortgesetzt wird, ist offen. Jedenfalls wird nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP seit dem 16. Dezember erneut gegen Depardieu ermittelt. Dessen Anwalt Hervé Témime zeigte sich verärgert, dass über den Fall aufgrund einer Indiskretion aus Justizkreisen jetzt öffentlich berichtet wurde. Der Schauspieler bestreite nach wie vor alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

    © Somer/Picture Alliance

    Depardieu 2018 auf der Pariser Buchmesse

    Es soll nach den Informationen von AFP in den Räumen der Pariser Justiz eine Gegenüberstellung stattgefunden haben zwischen Depardieu und der Frau, die ihn beschuldigt. Die Anwältin der Frau, Élodie Tuaillon-Hibon, wollte zu dem Fall nicht näher Stellung nehmen und forderte die Medien auf, "die Privatsphäre ihrer Mandantin zu wahren". Das Verfahren hatte zunächst in den Händen der Justizbehörden von Aix-en-Provence gelegen, da die Anzeige gegen Depardieu auf der Polizeistation vom unweit gelegenen Dorf Lambesc aufgenommen worden war.

    Nach Informationen des Fachblatts "Variety" befindet sich Depardieu weiterhin auf freiem Fuß, die Justiz habe gegen ihn bisher keinerlei Maßregeln ergriffen. Der Schauspieler wird nicht nur in Frankreich als einer der größten Film- und Bühnenkünstler seiner Generation verehrt, machte jedoch mit seinen Eskapaden und streitbaren Meinungsäußerungen bereits mehrfach Schlagzeilen. Wegen der seiner Meinung nach zu hohen Steuern in Frankreich war Depardieu nach Belgien umgezogen und ist seit Januar 2013 auch russischer Staatsbürger. In seinem Buch "Ailleurs", das im vergangenen Oktober erschien, rechnete Depardieu mit Politikern ab, vor allem den französischen Grünen, und betrauerte den "Tod des ländlichen Frankreichs" mit all seinen Traditionen.

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