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Gemeinschaft ohne Gott: 150 Jahre Bund für Geistesfreiheit | BR24

© picture alliance/Guido Kirchner/dpa

Ein Mann trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Gottlos glücklich".

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    Gemeinschaft ohne Gott: 150 Jahre Bund für Geistesfreiheit

    Rund 60 Prozent der Deutschen gehören den großen Kirchen an. Immerhin etwa 30 Prozent sind hingegen konfessionslos. Der Bund für Geistesfreiheit München sieht sich als Interessenvertretung dieser Menschen an – und das inzwischen seit 150 Jahren.

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    Von
    • Julia Mumelter

    "Heidenspaß statt Höllenqualen" - so lautet das Motto der Partys am Karfreitag. Sie gehören zu den größten Errungenschaften der letzten Jahre des Bundes für Geistesfreiheit München. Die Möglichkeit, an Karfreitag trotz Tanzverbot Tanzabende zu veranstalten, hat sich die säkulare Weltanschauungsgemeinschaft vor Gericht erkämpft. Voraussetzung dafür ist, dass bei der Veranstaltung eine eigene Weltanschauung zum Ausdruck kommt.

    Gegen das Tanzverbot

    Assunta Tammelleo hat die Klage vor über zehn Jahren mit-initiiert. Sie meint: "Wenn jeder mit der nötigen Mehrheit für irgendein religiöses Bekenntnis seine eigenen Feiertage so auslegt, dass andere Menschen an dem Tag nicht essen, trinken oder nicht tanzen dürfen, überlegen Sie sich, wo wir da vielleicht mal hinkommen!" Als eine der beiden Vorsitzenden des Bundes für Geistesfreiheit München und setzt sich für die Trennung von Staat und Kirche ein, die ihrer Meinung nach hierzulande immer noch nicht wirklich besteht.

    Tammelleo ist streng katholisch aufgewachsen und als junge Erwachsene aus der Kirche ausgetreten – so wie auch immer mehr Deutsche jedes Jahr aus der katholischen und evangelischen Kirche austreten. Alleine im vergangenen Jahr waren es bundesweit über eine halbe Million Menschen. Die meisten von ihnen sind allerdings keine expliziten Atheisten, sondern Agnostiker, die eine Existenz Gottes nicht zu 100 Prozent ausschließen, so der evangelische Theologe Andreas Fincke. "Es sind eher Leute, die sich schulterzuckend von der Kirche abwenden und auch gar nicht mehr Lust haben, über Gott oder atheistische Fragen zu diskutieren."

    Wofür steht der Bund für Geistesfreiheit?

    Der Bund für Geistesfreiheit München, der in dieser Woche 150 Jahre alt wird, hat derzeit rund 2.000 Mitglieder. In einer Stadt wie München, wo fast die Hälfte der Menschen konfessionslos ist, sind das nicht viele. Das könnte an der Botschaft des Bundes liegen, vermutet Pfarrer Andreas Fincke. "Die wissen, wogegen sie sind – Kirchensteuer oder die Nähe von Staat und Kirche – aber man muss natürlich zu Recht fragen, wofür sie eintreten." Für Fincke sind die Inhalte, die der Bund für Geistesfreiheit vertritt, "Worthülsen für Humanismus, Freiheit oder das Gute im Menschen." Hier stelle sich die Frage nach einer konkreten Weltanschauung.

    Eine Kritik, die dem Bund nicht unbekannt ist. Umso wichtiger ist es seinen Mitgliedern, zu betonen, dass sie nicht gegen, sondern für etwas sind. Humanistische Werte wie Menschenwürde, Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit - diese Werte haben für Michael Wladarsch, den zweiten Vorsitzenden des Bundes für Geistesfreiheit, durchaus mit Weltanschauung und Ethik zu tun.

    Es gehe darum, so Wladarsch, "aktiv zu zeigen, dass man auch ohne Religion eine Organisation sein kann, die sich sozial engagiert." Eine säkulare Gesellschaft positiv vorantreiben, nach dem Motto "Gut ohne Gott" - das will der Bund für Geistesfreiheit.

    Kritik am Kreuzerlass

    Als Körperschaft des öffentlichen Rechts findet die Gemeinschaft 150 Jahre nach ihrer Gründung auch Gehör in der Öffentlichkeit. Dennoch gebe es noch viel zu tun, finden die Mitglieder des Bundes - gegen Markus Söders "Kreuzerlass" läuft zum Beispiel noch ein Verfahren und auch das bayerische Polizeiaufgabengesetz sei unter humanistischen Gesichtspunkten nicht hinnehmbar, so Wladarsch.

    Er und seine Mitstreiter sind optimistisch, dass sie noch einiges erreichen werden. So wie mit der Klage gegen das Tanzverbot am Karfreitag.

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