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Der katholische Bischof Georg Bätzing (vorne) und sein evangelischer Kollege Volker Jung bei der Kunstinstallation "Ein Tisch" in Frankfurt.

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    Gemeinsames Mahl: Darum könnte der Kirchentag historisch werden

    Beim Kirchentag 2003 war es noch ein Eklat: Ein katholischer Priester lud bewusst Protestanten zur Kommunion ein. 2021 sind es die Bischöfe, die Christen der anderen Konfession zur gemeinsamen Mahlfeier begrüßen - ein Bruch mit Vorgaben des Vatikan.

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    Von
    • Tilmann Kleinjung
    • Martin Jarde

    Eucharistiefeier am Samstagabend im Frankfurter Dom. Im Programm des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) steht: "Eucharistie ökumenisch sensibel feiern". Was das bedeutet, erklärt der katholische Gastgeber dieses Kirchentags, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing:

    "Eine Messe zu gestalten, in der Christinnen und Christen der anderen Konfessionen nicht nur da sind, wie ja in jeder Messe, sondern sich willkommen fühlen." Bischof Georg Bätzing

    Bewusster Bruch mit Vorgaben aus dem Vatikan

    Der entscheidende Moment: Die Kommunion. Also der Punkt, an dem die Gläubigen aufgefordert werden, nach vorne zum Altar zu kommen und wo sich (zumindest in einer römisch-katholischen Messfeier) nur die angesprochen fühlen sollen, die auch den römisch-katholischen Glauben teilen.

    Die Einladung an alle ist da ein bewusster Bruch mit den Vorgaben. Die Unterschiede im Eucharistie- und Amtsverständnis seien "noch so gewichtig", dass sie eine Teilnahme katholischer und evangelischer Christen an der Feier der jeweils anderen Konfession derzeit ausschlössen, hieß es in einer Stellungnahme der Glaubenskongregation im Oktober.

    Bätzing: Bei Abendmahl und Eucharistie Zeichen der Einheit setzen

    Der Limburger Bischof Georg Bätzing setzt sich über diesen Einspruch hinweg: "Wir wollen auch in der Frage von Abendmahl und Eucharistie, soweit es geht, aufeinander zugehen. Wir wollen Zeichen der Einheit setzen."

    Das Zeichen ist gesetzt. Die Formulierung "ökumenisch sensibel Abendmahl feiern" könnte Schule machen, zum Alltag in den Gemeinden werden.

    Ökumene passiert an der Basis bereits jeden Sonntag

    Der katholische Präsident des Ökumenischen Kirchentags Thomas Sternberg formuliert das so: "Ökumene passiert nicht von oben nach unten. Ich bin überzeugt, dass Ökumene an der Basis passiert. Es sind die tausenden von Familien, die konfessionsverbindenden Familien, in denen Ökumene Sonntag für Sonntag gelebt wird und die Gewissensentscheidungen treffen, über die sich die offizielle Theologie Gedanken machen muss."

    Die Theologie hat sich Gedanken gemacht. Der renommierte Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen hat vor dem Kirchentag festgestellt, dass eine wechselseitige Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl mit guten theologischen Gründen verantwortbar ist. Am Ende entscheidet das Gewissen des einzelnen, nicht der Priester oder die Pfarrerin.

    Gemeinsames Mahl "ein großer Fortschritt"

    Zwei Mitglieder dieses Arbeitskreises, die evangelische Theologin Friederike Nüssel und ihr katholischer Kollege Thomas Söding, verteidigten ihr Votum auf einem Podium des Ökumenischen Kirchentages. Es sei ein großer Fortschritt erzielt worden, der nun nicht wieder verspielt werden dürfe. Der Diskurs mit der Kurie um die Unterschiede müsse geführt werden.

    "Der Vatikan braucht da noch ein bisschen. Ich bin positiv gestimmt, dass die Ergebnisse dann auch zu einem guten Ergebnis führen." Theologe Thomas Söding

    Rom gegen gemeinsames Abendmahl

    Bislang ist die römische Haltung klar. Der für die Ökumene zuständige Kurienkardinal Kurt Koch hat sie in einem Interview mit Radio Vatikan so formuliert: Der Text des Arbeitskreises gehe von der falschen Voraussetzung aus, dass die katholische Eucharistiefeier und das evangelische Abendmahl identisch seien.

    Doch wie lange wird es noch dauern, bis die offenen Fragen endgültig beantwortet sind? Viele Katholikinnen und Protestanten haben keine Geduld mehr. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

    Bundespräsident: Menschen verstehen Spaltung nicht mehr

    Er erwähnte in seinem Grußwort ausdrücklich die "engagierten Christinnen und Christen, die sich dafür einsetzen, die Spaltung der Kirche zu überwinden".

    Denn die aktuelle Spaltung werfe "einen dunklen Schatten auf die christliche Friedensbotschaft", so Steinmeier, "die, gestatten Sie mir diese Formulierung, angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen immer weniger verstanden wird."

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