BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

Gelassenheit: Mit Meister Eckhart zum "Aha Okay!" | BR24

© BR

Den Lebensfluss, den Lauf der Dinge zu akzeptieren, das bedeutet für den Buddhisten und Meditationslehrer Heinz Roiger Gelassenheit. Seinen Morgen beginnt der gelernte Kaufmann aus Fürstenfeldbruck deswegen mit der Formel "Aha Okay". S

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Gelassenheit: Mit Meister Eckhart zum "Aha Okay!"

An die zwei Mitbrüder, die den Dominikanermönch Meister Eckhart seinerzeit denunziert und damit ein Inquisitionsverfahren ins Rollen brachten, erinnert sich heute niemand mehr. Die Lehren des Meister Eckhart dagegen leben weiter.

Per Mail sharen

Den Lebensfluss, den Lauf der Dinge zu akzeptieren, das bedeutet für den Buddhisten und Meditationslehrer Heinz Roiger Gelassenheit. Seinen Morgen beginnt der gelernte Kaufmann aus Fürstenfeldbruck deswegen mit der Formel "Aha Okay". Das Ziel dabei: Im Alltag mit allen Situationen angemessen umgehen. Wenn er im Restaurant einen Kaffee bestellt und stattdessen einen Tee bekommt, kann er "Aha Okay" sagen, es gelassen hinnehmen, statt sich über den Fehler der Bedienung zu ärgern.

Raum für Selbstreflektion

"Aha Okay", sagt Heinz Roiger, bedeutet aber nicht alles über sich ergehen lassen, sondern pragmatisch umzugehen mit Gegebenheiten, die nicht mehr zu ändern sind. Sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren, eine ruhige Entscheidung treffen, Emotionen wegbekommen, das ist für Heinz Roiger Meditation. Inspiration findet der Buddhist Roiger seit Jahrzehnten auch bei dem christlichen Mystiker und Theologen Meister Eckhart. Der Dominikanermönch war im Spätmittelalter in Erfurt und Köln ein berühmter Prediger, die Menschen hingen an seinen Lippen, liefen ihm nach. Doch dann musste er sich einem Inquisitionsverfahren stellen, weil Mitbrüder ihn wegen Ketzerei beim Kölner Erzbischof angezeigt hatten. Meister Eckart – der Name "Meister" kommt übrigens von dem universitären Titel "Magister" – starb noch während des Prozesses. Seine Lehren dagegen leben weiter. Vielleicht war der mittelalterliche Dominikanermönch einfach seiner Zeit voraus, gerade wird er als moderner Denker wiederentdeckt.

Zu den zentralen Begriffen des um 1260 in Thüringen geborenen Eckharts gehört die Gelassenheit. Ein Patentrezept dafür hat auch Meister Eckhart nicht. Vielmehr schuf der Dominikanermönch eine Lehre, die Raum lässt, sich selbst zu reflektieren und dadurch zu erkennen. "Das ist eins zu eins das Gleiche, was Buddha sagt", meint Heinz Roiger. "Auch Buddha sagt: Komm und sieh selbst. Also nicht blind glauben, sondern wohlwollend prüfen."

Sich lösen von Gedanken und Gefühlen

Für die Gelassenheit braucht es Stille, Konzentration und Rückzug. In christlichen Klöstern hat das eine lange Tradition. So auch im ehemaligen Benediktinerkloster bei Würzburg. Mehr als 1000 Jahre lebten hier Mönche in Abgeschiedenheit. Heute ist der Benediktushof ein religionsübergreifendes Zentrum für Meditation und Achtsamkeit. Dazu gehört auch ein japanischer Zengarten. Ein idealer Vorbereitungsort für den Berliner Religionswissenschaftler und Achtsamkeitstrainer Harald-Alexander Korp, der sich hier mit einer Gehmeditation auf sein Meister-Eckart-Seminar vorbereitet.

"Meister Eckart hat das Wort Gelassenheit in die deutsche Sprache eingeführt und er meinte Gelassenheit im Sinne von 'sich lassen'. Er hat also die Menschen gefragt, habt Ihr euch gelassen? Und damit meinte er‚ 'sich lösen' von etwas, von Gedanken, die uns beherrschen, von Gefühlen, die uns mitreißen und er sagte nimm dich selbst wahr und schau, was du da findest und wenn du dich gefunden hast, dann lass dich los. Also loslassen im Sinn von 'sich selbst zu lösen'."

Freiheit trainieren wie im Fitnessstudio

Sich selbst wahrnehmen, um sich dann von Verhaltensweisen zu lösen: Darum geht es im Meister-Eckart-Seminar von Harald-Alexander Korp. Das Seminar soll eine konkrete Anleitung für mehr Gelassenheit im Alltag sein. Wichtig ist bei Meister Eckhart auch der Begriff "Freiheit", sagt Harald-Alexander Korp. Etwa die Freiheit, sich Zeit für eine Reaktion zu nehmen. Zum Beispiel, wenn das Handy-Piepsen eine SMS ankündigt und ich erstmal durchatme statt sofort zu reagieren. So könne man sich Raum schaffen. Raum für neue Entscheidungen, neue Verhaltensweisen. Diese müssen aber erst trainiert werden, sagt Harald-Alexander Korp "Ich finde es ist so ein wenig wie Muskeln trainieren. Wenn ich ins Fitnessstudio gehe und trainieren möchte, dann dauert das eine Zeit lang und ich muss leider immer wieder hingehen."

Mehr zum Thema "Gelassenheit" gibt es in STATIONEN am Mittwoch, 19. Februar 2020 um 19 Uhr im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.