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Geistwesen im Islam: Geheimnisvolle Dschinn | BR24

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Sie leben unsichtbar neben den Menschen und Engeln. Nur in seltenen Fällen werden sie sichtbar: die Dschinn. Nach islamischer Vorstellung sind sie übersinnliche Wesen aus einem Paralleluniversum. Und sie liefern Stoff für Märchen aus 1001 Nacht.

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Geistwesen im Islam: Geheimnisvolle Dschinn

Sie leben unsichtbar neben den Menschen und Engeln. Nur in seltenen Fällen werden sie sichtbar: die Dschinn. Nach islamischer Vorstellung sind sie übersinnliche Wesen aus einem Paralleluniversum. Und sie liefern Stoff für Märchen aus 1001 Nacht.

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Der Geist, der aus Aladins Wunderlampe schlüpft, ist wohl eine der bekanntesten Dschinn-Darstellungen überhaupt. Auch die beliebte Fernsehserie "Bezaubernde Jeanny" aus den 60-er Jahren lebt von der Faszination des sprechenden blonden Geistes, der magische Kräfte besitzt. Aber mit dem Dschinn aus dem Koran haben diese Figuren wenig zu tun. Dschinn sind Geistwesen, die in friedlicher Co-Existenz neben den Menschen leben. Allerdings im Verborgenen. Denn sehen könne sie niemand, sagt der Islamwissenschaftler Masoud Janbaz. "Gott hat drei Schöpfungsarten erschaffen, so steht es im Koran: die Engel, die Dschinn und die Menschen."

Die Dschinn, so heißt es in einer Sure, seien aus einer rauchlosen Feuerflamme entstanden. Es sind mysteriöse Wesen, die im Koran mehrfach erwähnt werden. Die Dschinn dürfen nicht verehrt werden, wie beispielsweise Heilige. Den Quellen zufolge können sie nur von den Propheten gesehen werden.

Unsichtbare Dschinn unter den Menschen

"Wir Muslime glauben an die Dschinn, weil es im Koran steht", sagt Masoud Janbaz. "Doch wir Menschen haben keine Berührungspunkte mit ihnen." Allerdings werden den Dschinn wegen ihrer mysteriösen Gestalt viele verschiedene Funktionen und Eigenschaften zugeschrieben. Das sei historisch gewachsen, erklärt Masoud Janbaz.

Schon in vorislamischer Zeit gab es die Dschinn. Damals wurden sie um Hilfe angerufen. „Wenn ein Araber mit seiner Familie in die Wüste unterwegs war und Angst bekam, dann hat er einen Dschinn um Hilfe gerufen, dass er sie beschützen solle. Mit dem Aufkommen des Korans hat sich diese Funktion der Dschinn komplett aufgelöst. Denn der Koran sagt: die Dschinns können euch keinen Schutz gewähren. "Der, der euch Schutz gewähren kann, bin alleine ich, also Gott."

Die Gestalt der Dschinn lebt aber weiter, nun oft als Dämon und als ein Geistwesen, das in den Menschen fahren und ihn verrückt machen kann. Vor allem Computerspiele haben die Dschinn-Vorstellungen geprägt. Masoud Janbaz ist nicht nur Islamwissenschaftler, sondern auch Arzt und Psychiater. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Patienten aus dem arabischen Raum immer wieder behaupten, sie seien von einem Dschinn besessen.

"Es ist ein universelles Phänomen, dass Menschen, die zum Beispiel an psychischen, psychiatrischen Erkrankungen leiden - wie zum Beispiel die paranoide Schizophrenie - dafür eine Erklärung suchen." Masoud Janbaz, Islamwissenschaftler

Und da sei es manchmal einfacher, einen Dschinn oder Dämon im Körper zu akzeptieren, als eine Krankheit, sagt Janbaz. Und er sieht das Problem, dass viele von ihnen dann einem Dschinn-Austreiber mehr vertrauen als einem Arzt. Doch das seien meistens Scharlatane, die mit Dschinn-Austreibungen sehr viel Geld verdienen.

Dass Dschinn existieren, daran glaubt auch Masoud Janbaz. Sie gehören zu seinem Glauben. Aber sie leben friedlich als Geistwesen neben den Menschen her. Und haben nichts Böses im Sinn.

Mehr zum Thema „Geheimnisse und Mysterien in den Religionen in STATIONEN, am Mittwoch, 13. Mai 2020 um 19 Uhr im BR-Fernsehen, und in der BR-Mediathek.