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Monika Maron wechselt Verlag und ist "empört, nicht verletzt" | BR24

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Wegen ihrer persönlichen Verbindungen zu Rechtskonservativen und politisch umstrittenen Passagen in ihren Werken trennte sich der S. Fischer-Verlag von Monika Maron. Ab Dezember wird sie beim Hamburger Verlag Hoffmann und Campe veröffentlichen.

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Monika Maron wechselt Verlag und ist "empört, nicht verletzt"

Wegen ihrer persönlichen Verbindungen zu Rechtskonservativen und politisch umstrittenen Passagen in ihren Werken trennte sich der S. Fischer-Verlag von Monika Maron. Ab Dezember wird sie beim Hamburger Verlag Hoffmann und Campe veröffentlichen.

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Von
  • Peter Jungblut

Für Dezember ist eine neue Erzählung mit dem Titel "Bonnie Propeller" angekündigt, im kommenden April wird Monika Marons Essayband "Was ist eigentlich los?" erscheinen, und ein neuer Roman ist auch in Arbeit. All das wird jetzt der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe in die Hand nehmen, nachdem sich der langjährige Verlag S. Fischer in Frankfurt vor drei Wochen von der hoch umstrittenen Schriftstellerin getrennt hatte - allerdings nicht so plötzlich, wie es jetzt erscheint. S. Fischer wollte bereits früher publizierte Essays der in Hamburg lebenden Autorin zu deren 80. Geburtstag im kommenden Jahr in neuer Aufmachung herausbringen, obwohl Monika Maron Aufsätze in einem "neurechten" Verlag in Dresden publiziert hatte.

Doch dann ging alles ganz schnell: Sobald die Trennung am 19. Oktober öffentlich geworden war, stellte Maron in der "Süddeutschen Zeitung" klar: "Der Essayband wird nicht bei S. Fischer erscheinen." Sie empfand das Buchprojekt demnach als "Täuschungsmanöver", das nur von dem "Rauswurf" ablenken sollte, denn ein anderes, "ganz und gar unpolitisches Manuskript" habe der S. Fischer-Verlag "ungelesen abgelehnt".

© Fredrik von Erichsen/Picture Alliance

Im Geiste Heinrich Heines

"Mich verletzt es nicht, wenn mein Verlag mich raus schmeißt", hatte Monika Maron am vergangenen Donnerstag bei einem Online-Interview geäußert: "Ich finde es zwar unverschämt und unmöglich und kann mich darüber empören, aber ich bin nicht verletzt." Gleichwohl schlägt die Trennung Marons vom S. Fischer-Verlag seit Wochen hohe Wellen in der Buchbranche. Der "Süddeutschen" hatte sie geschrieben: "Man hat mir ausrichten lassen, ich sei politisch zu unberechenbar, passe nicht mehr in die Zeit und sei damit ein Risiko für den Verlag."

Neuer Verlag Hoffmann und Campe

Überraschend schnell fand die Autorin, die aus Sicht ihrer vielen Kritiker mit rechtskonservativen Ansichten sympathisiert, von ihren Fans aber auch für "sehr eigenständige Werke" (Berliner Zeitung) gelobt wird, jetzt einen neuen Verleger: Sie wird künftig bei Hoffmann und Campe in Hamburg veröffentlichen. Der dortige Chef Tim Jung in einer Pressemitteilung: "Monika Maron ist eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen der Gegenwart, die mit ihrem Schaffen dem gesellschaftlichen Diskurs, der für eine lebendige Demokratie unabdingbar ist, immer wieder wichtige Impulse gibt. Zugleich wohnt Monika Marons Werk eine tiefe Menschlichkeit und poetische Eleganz inne, von der sich die Leserinnen und Leser in Zukunft bei Hoffmann und Campe überzeugen können."

Monika Maron ließ sich mit dem Hinweis zitieren, der einstige Hoffmann und Campe-Autor Heinrich Heine sei "ihre Jugendliebe" gewesen und werde jetzt "unverhofft" auch zur ihrer Altersliebe: "Hoffmann und Campe ist einer der wenigen Verlage in Deutschland, die konzernunabhängig geführt werden. Die Gespräche mit Tim Jung haben mich überzeugt – seine Pläne für die Zukunft des Verlages ganz im freiheitlichen Geist von Heine."

© Fredrik von Erichsen/Picture Alliance

Die Autorin im Porträt

Erneut kontroverse Aussagen

Am vergangenen Donnerstag hatte Monika Maron in einem Gespräch mit dem Rechtsintellektuellen David Engels abermals für Schlagzeilen gesorgt. Sie lobte in dem bei Youtube abrufbaren Interview, das eigentlich im Polnischen Kulturinstitut in Berlin stattfinden sollte, die Aktualität von Oswald Spenglers pessimistischem Klassiker "Untergang des Abendlandes": "Eigentlich weiß diese Gesellschaft so wirklich nichts mehr mit sich anzufangen." Die Autorin wünschte sich, die Leute wären "etwas rebellischer".

Außerdem fühlt sich Maron "wehrlos" gegenüber der globalen Entwicklung: "Wenn wir sehen, wie sich Afrika in den letzten fünfzig Jahren vermehrt hat und sie immer noch mehr werden und wie der Islam aufrüstet: Was uns da entgegen kommt, das sind ja Leute, die sehr vitale Interessen haben. Die wollen besser leben, die wollen haben, was wir auch haben, ohne dass sie es sich selbst wirklich organisieren können."

"Man muss das aushalten"

Die Schriftstellerin beschrieb einen ihrer Meinung nach unlösbaren Konflikt: "Wir sind wegen unserer Überzeugungen von Demokratie und Humanismus eigentlich in einer Zwickmühle. Wir verlieren so oder so. Entweder, wir geben das auf, worauf wir so stolz sind, die Toleranz und die Menschlichkeit und unsere universalen Werte, oder wir gehen unter, weil wir uns einfach erobern lassen."

Zu ihrer erzwungenen Trennung von S. Fischer sagte Maron: "Man muss das aushalten, was einem da widerfahren kann. Man muss zur Not auch ein bisschen Spaß daran haben, an so einem Streit und muss die Folgen hinnehmen können, ohne seelisch besonders verletzt zu werden." Das Argument von Kritikern, sie müsse mit "Widerspruch" rechnen, wenn sie kontroverse Ansichten verteidige, ließ die Schriftstellerin nicht gelten: "Dieser Widerspruch ist kein Widerspruch, sondern Verlust von Arbeit und Zugehörigkeit."

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