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Gegenentwurf zur Spaltung der USA: Das neue Album von Aloe Blacc | BR24

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Songs wie "I Need A Dollar" haben Aloe Blacc zum Star gemacht. Doch am Star-Dasein hat der Soul-Sänger aus Los Angeles eigentlich gar kein Interesse. Auch in seinem neuen Album "All Love Everything" geht es dem Künstler um etwas ganz anderes.

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Gegenentwurf zur Spaltung der USA: Das neue Album von Aloe Blacc

Songs wie "I Need A Dollar" haben Aloe Blacc zum Star gemacht. Doch am Star-Dasein hat der Soul-Sänger aus Los Angeles eigentlich gar kein Interesse. Auch in seinem neuen Album "All Love Everything" geht es dem Künstler um etwas ganz anderes.

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Von
  • Marcel Anders

Aloe Blacc ist der etwas andere Popstar: Ein Dressman in eleganten Anzügen samt Hut, ein ambitionierter Musiker, aber auch ein Familienmensch. Zuletzt hat der Sänger eine sechsjährige Pause eingelegt, sich auf seine Familie konzentriert. Jetzt präsentiert er sein Comeback-Album "All Love Everything" – ohne damit auf eine größere Bekanntheit zu schielen. "Was ich in dieser Branche festgestellt habe", so Blacc im Interview: "Viele jagen dem schnellen Ruhm hinterher. Mein Ziel ist es dagegen, diesen besonderen Song zu schreiben, der die Herzen der Menschen von ganz alleine erobert." Wenn ihm so ein Song gelinge – einer, der ganz ohne PR zum Hit wird –, dann habe er sein Ziel erreicht. "Und der tolle Nebeneffekt ist: Die Leute kennen zwar meine Stimme, aber nicht mein Gesicht. Deshalb kann ich unbemerkt in den Supermarkt oder mit meinen Kindern in den Park gehen. Eine wunderbare Freiheit!"

Ein Album wie ein Silberstreifen am Horizont

Der 41-jährige aus Los Angeles singt keine Songs von der Stange, die ihm irgendwelche Produzenten vorsetzen und die vor Banalitäten triefen. Im Gegenteil: Mit seinem vierten Album verfolgt er ein geradezu missionarisches Ziel: Es soll wie ein Silberstreifen am Horizont wirken, Motivation und Inspiration für den Tag bieten. "Es war mir wichtig, es in diesem Jahr zu veröffentlichen," erklärt Blacc, "denn die Leute brauchen dringend ein bisschen Lebensfreude, Liebe und das Gefühl von Zugehörigkeit."

Das Selbstbewusstsein des Musikers kommt nicht von ungefähr: In einer Zeit, in der die meisten seiner Kollegen in den USA seltsam lethargisch wirken und offenkundig abwarten, wie das Wahlergebnis ausfällt, ist Aloe Blacc die goldene Ausnahme von der Regel. Mit zehn Songs, die so einfühlsam und unaufgeregt klingen, dass sie wie ein Gegenpol zum lauten Gepolter made in Washington wirken. Mit Piano, akustischer Gitarre, Streichern und souliger Samtstimme beklagt Blacc den Realitätsverlust durch soziale Medien sowie die sozio-politische Spaltung der USA.

Plädoyer für mehr Um- und Weitsicht

"All Love Everything" ist ein Aufruf zu Optimismus und Menschlichkeit – verpackt in charmante kleine Pop-Songs über Familienglück, Kindheitserinnerungen und Alltagsgeschichten. Wie im Song "Harvard". Das Lied erzählt davon, dass Blacc auf einer Bank im Park sitzt, Leute beobachtet und ein Gespräch mit einer hart arbeitenden Mutter zweier Kinder führt. Im Gespräch erkennt Blacc, dass er einiges mit dieser Frau teilt, auch wenn sie auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben: "Ich erkenne, dass wir beide Familienmenschen sind, die ihre Kinder bestmöglich zu unterstützen versuchen. Ich bin Künstler, sie arbeitet im Dienstleistungsgewerbe. Aber wir haben beide tolle Momente, wir haben Ängste und Hoffnung für die Zukunft."

Einheit, Gleichheit und Solidarität trotz unterschiedlicher sozialer und ethnischer Hintergründe: Die Botschaft eines unaufdringlichen, aber ausdrucksstarken Albums, mit der Aloe Blacc, selbst ein Kind panamaischer Einwanderer, seine fellow Americans zu mehr Um- und Weitsicht bewegen will. Einfach, indem er zeigt, dass alle ähnliche Probleme haben und gemeinsam für eine bessere Zukunft kämpfen müssen. Denn ein anderer US-Präsident, so Blacc, bedeute auch eine andere Welt: "Ich bin zuversichtlich, dass wir im November einen Wechsel an der Spitze der Vereinigten Staaten erleben werden. Denn die Art von Führung, die wir in den letzten vier Jahren hatten, war miserabel. Wir brauchen jemanden, der sich wirklich um die Menschen kümmert. Und ich denke, das wird passieren."

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