BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© 2021 LEONINE Studios
Bildrechte: 2021 LEONINE Studios

Gefangen: Sarah und Nyles

Per Mail sharen

    Gefangen in der Zeitschleife: Die Filmkomödie "Palm Springs"

    Beim Sundance-Festival 2020 war die romantische Komödie "Palm Springs" der Überraschungshit. Und tatsächlich: Der Debütfilm von Regisseur Max Barbakow gewinnt dem "Täglich grüßt das Murmeltier"-Genre einige schöne neue Volten ab.

    Per Mail sharen
    Von
    • Bettina Dunkel

    Auf der Liste der Situationen des Grauens dürfte diese relativ weit oben stehen: Eine Hochzeit irgendwo im Nirgendwo. Man ist nur Begleitperson, kennt weder das Brautpaar noch sonst jemanden. Das Niveau potentieller Gesprächspartner schwankt zwischen langweilig und dämlich, die Reden sind peinlich, der Wein nicht gut. Klingt schlimm? Ist es. Und nun stelle man sich vor: All das wiederholt sich Tag für Tag aufs Neue.

    Verkorkste Seelen und Singles auf Sinnsuche

    Willkommen im Leben von Nyles. Nyles ist eine der Hauptfiguren in der romantischen Komödie „Palm Springs“ und gefangen in einer Zeitschleife, so wie einst Bill Murray in "Und täglich grüßt das Murmeltier". Der Unterschied: Nyles ist nicht der einzige, dem ein Fehler in der Matrix die Zukunft raubt. Dummerweise ist es seine Schuld, dass Hochzeitsgast Sarah ebenfalls im Wurmloch landet – und ein Meister im Erklären quantenphysischer Paradoxe ist Nyles auch nicht.

    Aber um logische Erklärungsversuche geht es hier nicht, denn "Palm Springs" ist kein Christopher-Nolan-Film. Hauptdarsteller Andy Samberg wandelt eher auf den Spuren von Bill Murray. Heißt: Es geht um zynisch aufgeladene Zwischenmenschlichkeit, um verkorkste Seelen, um Singles auf Sinnsuche. Nyles' potentielle Traumfrau ist seine Partnerin in Time. Allerdings findet Sarah die Sache mit der Liebe nicht wirklich erstrebenswert, wenn sich das Leben auf die immer gleichen 24 Stunden beschränkt. Lieber zieht sie einen Schlussstrich.

    © 2021 LEONINE Studios
    Bildrechte: 2021 LEONINE Studios

    Sie wartet noch auf die Wende zum Besseren: Cristin Milioti als Sarah in "Palm Springs" von Max Barbarkow

    Ob Autounfall oder Flugzeugabsturz: Der Tod ist keine Lösung, erst recht nicht in Zeitschleifen-Filmen. Sonst gäbe es ja auch keine Actionkracher wie "Live. Die. Repeat" mit Tom Cruise. Nein, um dem Stillstand zu entkommen, muss man schon etwas kreativer werden. Gleiches gilt, wenn man einem Genre neue Impulse verleihen möchte. Ein Kunststück, das den Machern von „Palm Springs“ tatsächlich gelingt.

    Überraschend nah an der Wirklichkeit

    So absurd es auch klingen mag: Durch Popkulturreferenzen und unbeabsichtigte Parallelen zum Lockdown-Leben gewinnt der schräge Fantasyfilm eine genre-untypische Realitätsnähe. Hinzu kommt: Die Interaktion der Zeitschleifen-Gefangenen – denn neben Sarah und Nyles gibt es noch eine dritte Person – ermöglicht ein Plus an philosophischen Erkenntnissen. Die Moral von der Geschichte ist zwar nicht tiefschürfend, aber universell. Sie lautet: Zu zweit ist man weniger allein. Auf geht die Rechnung aber nur, wenn echte Emotionen im Spiel sind. Und ein gewisses Maß an Anarchie. Denn Monotonie und Alltag, die gefürchtete Killer-Kombination der Generation Beziehungsunfähig, sie drohen nur, wenn man sich nicht wehrt.

    Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang!

    Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen... In unserem kulturWelt-Podcast sprechen wir täglich über das, was die Welt der Kultur bewegt. Hier abonnieren!