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Hardy Krüger

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Susann Prautsch
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"Gebummelt habe ich nie": Hardy Krüger gestorben

Heldenrollen waren sein Markenzeichen, und als strohblonder Deutscher begeisterte er Regisseure in Hollywood und Frankreich, wo er oft zwiespältige Bösewichte spielte. Hamburg wurde Wahlheimat des gebürtigen Berliners, der jetzt mit 93 Jahren starb.

Von
Peter JungblutPeter JungblutMoritz HolfelderMoritz Holfelder
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"Ich bin nicht verführt, ich bin falsch erzogen worden", sagte Hardy Krüger im Januar 2021 in einem Gespräch mit dem "Kölner Stadtanzeiger" und verwies darauf, dass auf dem Klavier seiner Mutter eine Hitlerbüste stand. Begeistert vom Nationalsozialismus, schickten ihn seine Eltern zur NS-Eliteschule auf die "Ordensburg Sonthofen", und rein äußerlich entsprach Krüger ja auch tatsächlich dem "germanischen Rassenideal" der deutschen Faschisten: Blond und blauäugig, war er geboren für "Heldenrollen".

Kein Wunder, dass ihn der Regisseur Alfred Weidenmann prompt für den Propaganda-Film "Junge Adler" besetzte. 1943 war das, gedreht wurde bei der Ufa in Potsdam-Babelsberg. Der gerade mal 16-jährige Schauspieler trat damals noch als "Eberhard Krüger" auf und spielte einen tapferen Lehrling in einer Kampfflugzeugfabrik. NS-Propaganda-Chef Joseph Goebbels war begeistert von dem Film und Krüger ein so leidenschaftlicher wie überzeugter Jung-Nazi.

"Ich hatte eine wahnsinnige Angst"

Erst eine Begegnung mit dem deutlich älteren Ufa-Star Hans Söhnker öffnete Krüger die Augen. Der Mann hatte ihm in aller Deutlichkeit und unter Lebensgefahr klargemacht, dass Hitler ein Verbrecher ist. Auch Ufa-Kollege Albert Florath sorgte für die nötige Aufklärung, und das hinterließ beim Jungstar einen bleibenden Eindruck: "Damals lebte ich auf der Ordensburg in Sonthofen, einer NS-Eliteschule, im Allgäu, und dort hatte ich eine wahnsinnige Angst, dass ich im Schlaf etwas von Söhnker verrate. Ich war ja nicht alleine im Zimmer. Glücklicherweise ist nichts passiert – vielleicht waren wir auch alle todmüde!"

Hardy Krüger

Bildrechte: Wolfgang Langenstrassen/Picture Alliance

Fortan wurde Hardy Krüger nach eigener Aussage zu einem "wilden Anti-Nazi" und engagierte sich auch noch jenseits des neunzigsten Geburtstags gegen Rechtsextremismus. Er ging in Schulen, warb für Toleranz, auch und gerade gegenüber Flüchtlingen, gehörte zu den Freunden und Fans der Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt, der übrigens auch mal als "Hardy Krüger" Autogramme gab, und fand Donald Trump "unerträglich".

Den Zweiten Weltkrieg überlebte Krüger nur, weil ein Offizier der SS-Waffendivision "Nibelungen" ihn nicht hinrichten ließ, obwohl er sich geweigert hatte, auf einen amerikanischen Spähtrupp zu schießen. Zum "Meldegänger" degradiert, nutzte Krüger die erste Gelegenheit, sich in die Büsche zu schlagen, der Vater blieb im Krieg.

Nach dem Neuanfang war Krüger zunächst als Statist am Hamburger Schauspielhaus tätig, auch als Sprecher beim Norddeutschen Rundfunk und wurde schon ab 1949 beliebter Star in seichten Liebes- und Verwechslungskomödien wie der "Christel von der Post" (1956) oder "An der schönen blauen Donau" (1955). Das füllte ihn jedoch nicht aus, er sehnte sich nach internationalen Herausforderungen: "Ich habe immer versucht, Filme zu machen, die den Menschen etwas sagen oder bedeuten sollen. Der Begriff 'Weltenbummler', der mir als Titel für meine TV-Dokumentationen diente, ist eigentlich nicht ganz richtig gewählt, denn gebummelt habe ich nie", so Krüger im Spiegel-Gespräch.

Blonder Hüne mit Wasserski

Bildrechte: Horst Janke/Picture Alliance

1957 gelang Hardy Krüger schließlich der Sprung ins Ausland, wenn auch zunächst nur bis nach Großbritannien. Dort dreht er "Einer kam durch", natürlich spielte er einen deutschen Jagdflieger und im Grunde seine eigene Geschichte zwischen NS-Begeisterung, Anpassung und Flucht. Daraus wurde 2002 auch der Dokumentarfilm "von Werra", benannt nach der Rolle, mit der Krüger den Grundstein für seine Weltkarriere legte.

Der Bedarf an Heldenfiguren, auch negativen, war im damaligen Kino groß. Und so wuchs Hardy Krüger mehr und mehr hinein in die Söldner-, Krieger- und Großwildjäger-Rollen. "Hatari!" wurde 1962 einer seiner größten weltweiten Erfolge, ein optisch überwältigendes Abenteuerdrama von Howard Hawks über Tierfänger am Fuße des Kilimandscharo. Krüger hatte an der Seite von Superstars wie John Wayne und Bruce Cabot einen ganz großen Auftritt und verliebte sich in die afrikanische Wildnis so sehr, dass er später noch lange die "Hatari"-Lodge in Tansania bewohnte.

Er versuchte "auch sympathische Deutsche" zu spielen

Der französische Film "Sonntage mit Sybil" (1962), in dem Krüger einen kriegsversehrten Vietnam-Veteran spielte, bekam den Auslands-Oscar, in Deutschland allerdings wollte ihn kaum einer sehen: "Hier hat das Publikum versagt, das noch an Opas beschauliches Kino aus der Wirtschaftswunder-Ära gewohnt war, und nicht die Verleiher", so der Schauspieler.

Zu seiner Dauerbeschäftigung als "Film-Nazi" von Hollywood sagte er dem "Spiegel", er habe "zwanzig oder dreißig" Rollen abgelehnt: "Allerdings wollte ich auch nicht das Bild eines deutschen Soldaten abgrundtief verändern. Es gab in meiner Karriere nur sechs oder sieben Deutsche in Uniform, allesamt keine Hollywood-Karikaturen. Warum sollte ich nicht versuchen, der Welt zu zeigen, dass es auch sympathische Deutsche gegeben hat? Nehmen Sie den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt, ein hochintelligenter, integrer Mensch. Der war auch nicht freiwillig in der deutschen Armee. Er wurde einfach eingezogen. Diese Rollen habe ich gespielt. Ich habe kein Interesse daran gehabt, die Kriegsverbrecher darzustellen."

Hörspielproduktion für den NDR

Bildrechte: Siegfried Pilz/Picture Alliance

In der "Brücke von Arnheim" (1977) durfte Krüger als so skrupelloser wie erfolgreicher SS-Obergruppenführer Ludwig in einem ganzen Ensemble von Hollywood-Stars glänzen: Dirk Bogarde, James Caan, Sean Connery und Gene Hackman gehörten zum Cast. Doch damals war Krüger auch schon zum Fernsehen gewechselt, spielte in Durbridge-Krimis ("Das Messer") und öffnete für Radio Bremen sein "Bordbuch" (1963 bis 1968). Als "Weltenbummler" wurde er Ende der Achtziger zum Inbegriff der deutschen Sehnsucht nach der Ferne (1987 bis 1995). Seine Kino-Karriere hatte Krüger da bereits einige Jahre beendet: "Angebote gibt es noch genug, doch die meisten sagen mir einfach nicht zu. Weder in Deutschland noch im Ausland muss ich in gleichgespülten Fernsehfilmen mitwirken", so 2003 der damals 75-jährige.

"Ich drehe keinen Schrott"

Immerhin, ein paar Jahre später, 2011, wurde er dann doch "rückfällig" und drehte für das ZDF "Familiengeheimnisse - Liebe, Schuld und Tod", ein Drama, in dem er einen Beauty-Konzernchef spielt, der erfährt, dass er eine Tochter in Afrika hat (nicht zu verwechseln mit dem Utta-Danella-Zweiteiler "Das Familiengeheimnis", in dem sein Sohn Hardy Krüger jr. eine Hauptrolle übernahm). Zu seiner bis dahin zwanzigjährigen Drehpause sagte Krüger: "Ich kann ja nicht jahrelang mir eine internationale Karriere aufbauen, mit den besten Regisseuren der Zeit auf der ganzen Welt verteilt, den besten Drehbüchern und den besten Schauspielern, großen Stars, mit denen ich gearbeitet habe - und dann komme ich nach Hause und drehe Schrott." Dass es nicht ganz einfach gewesen sein muss, mit Krüger auszukommen, ließ er selbst durchblicken. Gegen seine "innere Stimme" sei noch kein Regisseur "angekommen": "Ich fand den Stoff hervorragend, nur meine Rolle hat nicht gestimmt. Die haben wir in eine neue Form gebracht."

Großwildjäger unter sich: Hardy Krüger (links) in "Hatari" mit John Wayne (rechts)

Bildrechte: United Archive/Picture Alliance

Zu seinem bekannten, gleichnamigen Sohn Hardy Krüger jr. hat der weitgereiste Weltstar in den letzten Jahren keinen Kontakt mehr gehabt. Seine Enkel sollen ihn noch nicht einmal kennengelernt haben. "Er ist der Hardy Krüger Weltenbummler und wir lassen ihn so sein, wie er ist", sagte der Sohn dazu. Mit über neunzig wolle der Mann "vielleicht seine Ruhe" haben , und das respektiere er. Ein gemeinsamer Auftritt vor der Kamera, wie von vielen lange herbeigesehnt, kam somit nicht zustande, obwohl es 2009 zeitweise danach aussah. Damals machten Berichte die Runde, Hardy Krüger wolle seinen Roman "Schallmauer" über einen Starfighter-Piloten verfilmen, die Luftaufnahmen seien schon im Kasten. Als Drehorte waren Israel und Kanada ins Auge gefasst, Vater und Sohn waren fest entschlossen, gemeinsam aufzutreten, doch das Projekt kam letztlich nie zustande.

Zu den zahlreichen Büchern, die Krüger verfasste, gehören neben seinen dreibändigen "Weltenbummler"-Erinnerungen die "Szenen eines Clowns" und der autobiografische Roman "Junge Unrast". Aber auch der schwarze Kontinent ließ ihn literarisch nie los: 1970 schrieb er über "Eine Farm in Afrika", 2012 folgte "Tango africano". Zuletzt erschienen seine Erzählungen von "Tod und Liebe" 2018.

2013 gehörte Hardy Krüger zu den Gründungsmitgliedern von "Exit Deutschland", einer Initiative gegen rechte Gewalt. Für sein bürgerschaftliches Engagement scheute er die Öffentlichkeit keineswegs, ansonsten wurde es still um ihn. Er lebte zuletzt in seiner Wahlheimat Hamburg und in Palm Springs.

Krüger starb im Alter von 93 Jahren "plötzlich und unerwartet" in seinem kalifornischen "Altersruhesitz" Palm Springs, wie seine Agentur unter Berufung auf dessen Ehefrau mitteilte.

Hamburgs Kultursenator: "Weltenbürger mit Haltung"

Hamburgs Kultursenator Carsten Brodsa (SPD) twitterte, Krüger sei eine "der wichtigsten Stimmen Nachkriegsdeutschlands" gewesen: "Hardy Krüger war nicht nur ein besonderer Schauspieler, sondern ein Weltstar und Weltenbürger mit Haltung, der sich bis zum Schluss gegen rechte Gewalt engagiert hat. Hamburg trauert." Andere Twitter-Nutzer würdigten Krüger als "ganz großen, aufrichtigen Mann", als "Kämpfer gegen jeden Alt-Nazi und jeden neuen Nazi" und empfahlen "unbedingt" dessen Bücher zu lesen: "Seine Herzenswärme, seine Lebensfreude und sein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn werden ihn unvergessen machen."

Bundeskulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) würdigte die "künstlerische Kraft" von Hardy Krüger gewürdigt. Er habe über Jahrzehnte hinweg Millionen Menschen als Schauspieler, Schriftsteller und Weltreisender in seinen Bann gezogen: "Auch als Grenzgänger und überzeugter Demokrat bleibt sein bewundernswertes Engagement gegen Rechtsextremismus unvergessen." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Krüger in einem Kondolenzschreiben an dessen Ehefrau Anita als "großen deutschen Schauspieler", dessen Wirken "von spürbarer Leidenschaft zum Fach, von unvergleichlicher Wandlungsfähigkeit und von beeindruckender Ausdruckskraft geprägt" gewesen sei. Die Nachricht von Krügers Tod habe ihn "sehr getroffen".

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