Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

New Yorker Metropolitan Museum präsentiert "Camp"-Mode | BR24

© Bayern 2

Von allem zuviel, das ist "Camp": Ein greller, aufdringlicher, aggressiver Mode-Stil, der den großen Auftritt fördert. Die Eröffnung der Ausstellung "Camp: Notes on Fashion" im Metropolitan Museum New York geriet entsprechend farbenfroh.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

New Yorker Metropolitan Museum präsentiert "Camp"-Mode

Von allem zuviel, das ist "Camp": Ein greller, aufdringlicher, aggressiver Mode-Stil, der den großen Auftritt fördert. Die Eröffnung der Ausstellung "Camp: Notes on Fashion" im Metropolitan Museum New York geriet entsprechend farbenfroh.

Per Mail sharen

New York rätselt: Was ist das bloß, camp? Judy Garland ist camp, aber auch Michelangelo und – ja, auch der gegenwärtige US-Präsident, so jedenfalls Max Hollein, Direktor des Metropolitan Museum: "Allein schon, wie Leute auf ihn reagieren, wie er mit Normen bricht, wie er vielleicht auch eine andere Figur als Politiker abgibt – camp kann in verschiedenste Richtungen gehen." Camp sei praktisch unmöglich zu definieren und so reiben sich viele die Augen. Die "New York Times" versuchte es mit einer Liste: Hundeausstellung: ja, das ist camp! Cher? Auf jeden Fall! Und Donatella Versace? Ohne jede Frage! Und so geht es weiter. Alles klar!

© Elaine Wells/picture alliance

Kosmetik-Unternehmerin Julie Macklowe: Grelle Farben, glitzernde Steinchen

Mode des Absolutismus und des Vatikans

"Bei camp geht es um ein Zuviel an Bedeutung, an Rüschen, an Federn, da ist einfach immer alles ein bisschen zu viel," sagt Andrew Bolton, Kostümkurator am Met. "Das treibt es über die Grenze und macht es zu camp". Vergangenes Jahr hat er Roben aus dem Vatikan nach New York geholt und den spielerischen Umgang der Modewelt damit ausgestellt. Vielleicht ist auch das ein bisschen camp. Dieses Jahr widmet sich die erste Hälfte der Ausstellung erst einmal dem Versuch einer Begriffs-Definiton. Camp, das reicht von üppigen Roben des französischen Absolutismus über schwule Subkultur bis zu extravaganter, überladener Haute Couture.

© Elaine Wells/picture alliance

Katy Perry als Kronleuchter: Erleuchtung durch schrille Auftritte

Camp, das ist ein Adjektiv und ein Substantiv und ein Begriff, der es überhaupt erst vor einhundert Jahren in ein Wörterbuch geschafft hat: Handlungen und Gesten mit übertriebenem Ausdruck, so hieß es da, Kennzeichen von "Menschen mit außergewöhnlichen Handlungen und Charakter". Andrew Bolton findet Camp hochaktuell: "Für mich wirkt das recht zeitgemäß. Camp war immer auch politisch. Leute würdigen es oft herab als frivol und inhaltsleer, Stil statt Inhalt. Aber es hat eine tiefe politische Bedeutung und die wird deutlich, wenn wir Momente der Instabilität erleben, politisch und sozial, wenn unsere Gesellschaften polarisiert sind". Also jetzt!

© Elaine Wells/picture alliance

Soul- und Funksängerin Janelle Monae: Gut behütet auf dem Laufsteg

Als Kronzeugin führt die Ausstellung Susan Sontag ins Feld: 1964 hat sie ihre 58 "Anmerkungen zu Camp" verfasst. Und dann entlässt das Museum seine Besucher in einen großen, dunklen Saal, in dem auf zwei Ebenen Roben, Gewänder und Schuhe leuchten. Camp sei Dandytum, unmöglicher Ästhetizismus, Rollenspiel, zweite Kindheit, heißt es da. Was aber nützt ein Begriff, der sich über Jahrhunderte erstreckt, der Oscar Wilde genauso erfasst wie Donald Trump, royale Welten, Subkulturen und ein Spiel der Ironie? "Gerade das macht den Begriff so nützlich", erklärt Max Hollein, "weil ihn jeder für sich selbst definieren kann – und auch eine spezifische Haltung dazu einnehmen kann. Oft sind das die Begriffe, die länger überleben, die virulenter sind, die nützlicher sind als etwas, das ganz genau definiert ist."

Männer-Strumpfhosen von Vivienne Westwood mit einem im Schritt aufgenähten Blatt, eine blauweiße Jacke mit Gold-Pailletten von Karl Lagerfeld, ein goldener Schuh mit Regenbogen-Sohle von Salvatore Ferragamo für, natürlich, Judy Garland. Camp! Camp! Camp! Hoffentlich, so Kurator Andrew Bolton, helfe die Ausstellung, die Definition zu klären, und die Leute fänden es nicht mehr so verwirrend, wie es doch eigentlich sei.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Die tägliche Dosis Kultur – die kulturWelt als Podcast. Hier abonnieren!