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Erfolgreicher Galerist in New York: David Zwirner
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Peter Jungblut
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Erfolgreicher Galerist in New York: David Zwirner

Wer hat am meisten Einfluss im internationalen Kunstbetrieb? Das Kunstmagazin "Art Review" gibt darauf mit seiner jährlichen "Power 100"-Liste eine Antwort. In diesem Jahr landet der deutsche Galerist David Zwirner auf Platz 1.

David Zwirner machte in Deutschland Abitur, ging aber direkt anschließend zum Musik-Studium nach New York, wo er zu einem der erfolgreichsten Galeristen wurde. "Art Review" begründete die Entscheidung, Zwirner auf Platz 1 der aktuellen "Power 100"-Liste zu setzen mit dem Hinweis darauf, dass der Galerist gerade in einer "nachdenklichen Stimmung" sei zwischen dem Rückblick auf einen boomenden Kunstmarkt in den vergangenen 25 Jahren und dem Ausblick auf eine "Zukunft, die er durch seinen Einfluss selbst mitprägen kann". Zwirner wisse, dass alle seine Entscheidungen weitreichende Folgen hätten: "Als bei einem Branchentreffen Anfang diesen Jahres die Galerie-Giganten kritisiert wurden, weil sie das 'Ökosystem' Kunstmarkt zu destabilisieren drohen, schlug er vor, Kunstmessen könnten die größten Kunsthändler künftig stärker zur Kasse bitten, um damit den Auftritt kleinerer Anbieter zu subventionieren." Kurz darauf setzte die Art Basel diese Anregung in die Tat um.

"Künstler hassen es, wenn sich was ändert"

Mit der Eröffnung seiner Niederlassung in Hongkong stellte Zwirner den bis dahin dort prominenten Galeristen Leo Xu als Filialleiter an, woraufhin der seine eigene Firma aufgab. Ein Beispiel von Konzentration auf dem Kunstmarkt, eine Entwicklung, die Künstler eigentlich ablehnen, wie Zwirner der "Art Review" freimütig sagte. Dort wird er mit den Worten zitiert: "Künstler wollen, dass du klein bleibst. Sie hassen es, wenn sich was ändert. Wie kannst Du deinen Laden übersichtlich halten und gleichzeitig im immer stärkeren Wettbewerb auf dem Markt bestehen?" Franz West, mit dessen Werken Zwirner 1993 seine Galerie in New York eröffnete, ging 2001 vorübergehend zur Konkurrenz, kehrte aber in diesem Jahr zurück: Ein Zeichen dafür, dass Zwirner im Umgang mit seinen Künstlern durchaus die nötige Sensibilität walten lässt.

#metoo auf Platz 3

Auf Platz 2 der aktuellen "Power 100"-Liste findet sich der in Chicago lebende afroamerikanische Künstler Kerry James Marshall, dessen Werk "Past Times" von 1997 gerade für rund 21 Millionen Dollar versteigert wurde. Platz 3 belegt die #metoo-Debatte, womit erstmals eine soziale Bewegung in der Hitliste auftaucht. In der Kunstwelt hatte es speziell über Knight Landesman, den Co-Verleger und Miteigentümer des "Artforum" Debatten wegen angeblicher sexueller Übergriffe gegeben. Nach einer Stellungnahme des Fachblatts soll er derzeit dort keinerlei Einfluss mehr auf den Inhalt haben. Außerdem geriet Riyas Komu, der Mitbegründer der Kochi-Muziris Biennale im indischen Kerala, ins Visier von #metoo-Aktivistinnen, woraufhin er zurücktrat.

Deutsche unter den Top 50

Die Münchner Video-Künstlerin Hito Steyerl belegt Platz 4 der "Art Review"-Liste, sie beeindruckte mit ihren Werken die documenta in Kassel und war auf der Biennale in Venedig präsent. Der Szene-Fotograf Wolfgang Tillmans schaffte es auf Platz 11, die in Memmingen geborene, in London tätige Monika Sprüth kam mit ihrer Galerie-Partnerin Philomene Magers,die aus Bonn stammt, auf Platz 22. Der Berliner und Kölner Galerist Daniel Buchholz, der neben vielen anderen Prominenten auch so viel diskutierte Künstlerinnen wie Isa Genzken und Anne Imhof vertritt, darf sich über Platz 48 freuen.

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