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Furchtlos und gebildet: Schauspieler Christopher Plummer ist tot | BR24

© Armando Arorizo/Picture Alliance

Christopher Plummer

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    Furchtlos und gebildet: Schauspieler Christopher Plummer ist tot

    Er spielte im Musical-Film "Sound of Music" den Baron von Trapp, gewann als Über-80-Jähriger den Oscar und brillierte auf der Theaterbühne wie auch als Klingonengeneral in Star Trek. Nun ist Christopher Plummer mit 91 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

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    Von
    • Peter Jungblut

    In Deutschland und Österreich wurde der Drei-Stunden-Film nie populär, vielleicht auch deshalb, weil Nazi-Auftritte 1965 im Unterhaltungs-Kino nicht besonders gefragt waren. In den USA freilich wurde "Sound of Music" nach dem gleichnamigen Musical von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein zu einem unfassbaren Erfolg, auch noch fünfzig Jahre nach den Dreharbeiten fahren die Touristen-Busse mit Filmfans durch Salzburg, und daran hatte Christopher Plummer seinen Anteil. Er spielte den Baron Georg von Trapp, der mit seiner Großfamilie und einer tapferen Ex-Novizin (Julie Andrews) alpenländische Weisen singt ("Edelweiss") und als NS-Gegner Österreich nach dem "Anschluss" verlassen muss - natürlich nicht mit dem Zug, sondern malerisch über die grüne Grenze wandernd.

    Der sagenhafte Kitsch hätte deutsche Zuschauer nicht mal gestört, den gab es auch in der deutschen Filmfassung mit Hans Holt in der Hauptrolle von 1956 überreichlich, aber amerikanische Schauspieler in Lederhose und Dirndl wollte das Publikum hierzulande dann doch nicht sehen. In Amerika regnete es für die Produktion dagegen Oscars, allerdings in diesem Fall noch nicht für Plummer.

    Jenseits der 80 kam der Oscar-Glanz

    Insgesamt 70 Jahre stand er auf der Bühne und vor der Filmkamera, immer ein jovialer Herr mit Anstand und Benehmen. Als "Workaholic" hat er sich übrigens nie gesehen, trotz nimmermüder Arbeit, dazu sei sein Leben viel zu spaßig gewesen selbst bei den "miesesten" Rollen, so Plummer in seinem letzten Interview mit dem kanadischen Fernsehen. Er habe die Show-Branche immer geliebt, ja bewundert.

    Am gestrigen Freitag nun ist Christopher Plummer im Alter von 91 Jahren gestorben. Einer der Charakterdarsteller seiner Generation. Einer, der noch und gerade im späten Alter zahlreiche Erfolge feierte.

    Dass er erst gegen Ende seiner Karriere mit den ganz großen Trophäen rechnen konnte, hatte ihm seine eigene Mutter übrigens angeblich vorhergesagt. Seine erste Oscar-Nominierung kam erst im Alter von achtzig, da hatte er den russischen Klassiker Lew Nikolajewitsch Tolstoi gespielt und ging dann doch leer aus. Ein Jahr später, 2012, durfte er den Goldjungen schließlich doch noch in Händen halten, für seine Nebenrolle in "Beginners" von Mike Mills, wo er einen Mann spielt, der 44 Jahre verheiratet war und erst dann seine Homosexualität auslebt. Auch für seinen Auftritt als Öl-Tycoon Jean Paul Getty im Film "Alles Geld der Welt" war Plummer 2018 als bester Nebendarsteller nominiert, ohne dann zu gewinnen: Er hatte die Rolle von Kevin Spacey übernommen, der wegen Missbrauchsvorwürfen kurzfristig aus dem Cast geworfen wurde.

    © 20th Century Fox

    Christopher Plummer als Georg von Trapp (Mitte)

    Geboren am 13. Dezember 1929 in Toronto, wuchs Plummer in Montreal auf und debütierte 1954 in New York am Broadway. Als Kanadier war er zweisprachig, konnte auf Englisch und Französisch spielen und beeindruckte auch das Publikum am Londoner West End. Für seine Beteiligung am Musical "Cyrano" nach Edmond Rostands Erfolgsroman und am Zwei-Personen-Stück "Barrymore" über den gleichnamigen berühmten britischen Shakespeare-Darsteller bekam er zwei Tony-Awards, noch 2004 glänzte er auf der Bühnen in "König Lear".

    In 38 Jahren war er sieben Mal nominiert: "Mein ganzes Leben im Theater war reichhaltig, und das zählt, weil dort alle großen Rollen gespielt werden. Auf der Bühne fühle ich mich wie ein Kind, heute sogar mehr als früher. Wir gehen in unserer senilen Phase rückwärts, es macht Spaß", sagte er zu seinem 90. Geburtstag in einem Interview. Und überhaupt: Erst jenseits der vierzig kämen die wirklich interessanten Rollen.

    Der Mann für epische Stoffe

    Sidney Lumet holte Plummer 1958 zum Kino. Gern wurde der Schauspieler für pathetische Stoffe besetzt, ob es nun die "Schlacht um England" oder "Waterloo" waren, wo er den siegreichen Herzog von Wellington gab, der "Fall des Römischen Reichs" oder "Star Trek", wo er die nötige Würde für einen Klingonengeneral mitbrachte. Klar, Plummer waren seine Erfolge eher peinlich, vor allem der Georg von Trapp, doch die seriöseren Partien waren naturgemäß nicht so populär. Die Zahl seiner Fernsehauftritte ist nicht zu übersehen, in England, Kanada und den USA. Einem Herrn, der an Laurence Oliviers "Royal National Theatre" engagiert gewesen war und bei der "Royal Shakespeare Company" unter Sir Peter Hall mitmachte, standen die Türen überall offen.

    Lou Pitt, der langjährige Freund und Manager von Plummer, sagte dem Online-Magazin "Deadline": "Chris war ein außergewöhnlicher Mann, der seinen Beruf zutiefst liebte und respektierte, mit altmodischen Manieren, selbstironischem Humor und einer Musikalität der Worte. Er war eine nationale Kostbarkeit, der seine kanadischen Wurzeln ungemein schätzte. Mit seiner Kunst und seiner Menschlichkeit berührte er alle unsere Herzen und sein legendäres Leben wird die nächsten Generationen überdauern. Er wird immer bei uns sein."

    "Ein Großer im eigentlichen Sinne des Wortes"

    Regisseur Ridley Scott, der mit Plummer bei "Alles Geld der Welt" zusammengearbeitet hatte, ehrte den Verstorbenen mit den Worten: "Was für ein Kerl, was für ein Talent, was für ein Leben. Und ich war so glücklich, vor zwei Jahren mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen und es war eine wunderbare Erfahrung. Er wird vermisst werden." Helen Mirren war es nach ihren eigenen Worten eine Ehre, mit Plummer vor der Kamera gestanden zu sein: "Er war eine mächtige Erscheinung als Mann und Schauspieler. Er war ein Bühnenheld im Sinne des 19. Jahrhunderts, was sein Vertrauen in den Beruf betraf. Seine Kunst war total, das Theater seine Konstante und der wichtigste Teil seiner Hingabe für das Erzählen. Er war furchtlos, energisch, mutig, gebildet, professionell und ein Monument, das zeigte, was ein Schauspieler sein kann. Ein Großer im eigentlichen Sinne des Wortes."

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