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Für Menschenrechte und Freiheit: Flüchtlingsdienst der Jesuiten | BR24

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Eine Abschiebehaftanstalt

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    Für Menschenrechte und Freiheit: Flüchtlingsdienst der Jesuiten

    Vor 40 Jahren wurde der internationale Jesuiten-Flüchtlingsdienst gegründet. Seit 25 Jahren gibt es ihn auch in Deutschland. Bis heute wird er nicht müde, Geflüchtete zu unterstützen und die Flüchtlingspolitik kritisch zu begleiten.

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    Am Münchner Flughafen vor ein paar Wochen. Die 15-jährige Ghofran und ihre 11-jährige Schwester Bisan warten aufgeregt auf den Flieger aus Beirut. Darin sitzt: ihre Mutter Zeinab. Fünfeinhalb Jahre haben die beiden Mädchen sie nicht gesehen: "Sie ist gekommen, erst konnten wir es nicht glauben, bis wir sie umarmt haben. Es war schlimm, aber auch gut. Wir haben geheult", erzählt das Mädchen von der ersten Begegnung seit langem mit ihrer Mutter.

    Zeinab konnte ihre Töchter lange nicht sehen

    Und auch Mutter Zeinab ist froh, ihre Töchter endlich in die Arme schließen zu können. Ghofran war zehn, Bisan sechs, als sie sich für eine lange Zeit verabschieden mussten; als die Mädchen mit ihrem Vater aus Syrien über den Libanon nach Deutschland flohen. Die Mutter und die älteren Geschwister blieben zurück. Das Geld reichte nicht, um die Flucht für die ganze Familie zu bezahlen, sagt die Mutter: "Ich bin überglücklich. Die Kinder nach so langer Zeit wieder zu sehen, dieses Gefühl ist unbeschreiblich."

    Bruder Müller: Eine Familie gehört zusammen

    Für diese Familienzusammenführung eingesetzt haben sich Bruder Dieter Müller und sein Team vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst. Zunächst konnten sie nicht viel tun. Der Familiennachzug war per Gesetz verboten. Vor zweieinhalb Jahren änderte sich die Rechtslage. Doch auch dann war es noch ein bürokratischer Kraftakt, erzählt der Jesuit Dieter Müller: "Ich finde es einfach einen Skandal, dass es so lange dauert, denn eine Familie gehört eigentlich zusammen. Und wir haben in Deutschland auch ein Grundrecht auf Familieneinheit. Gott sei Dank hat es endlich geklappt mit der Genehmigung des Visums. Die Anwältin hat immer wieder an die Botschaft geschrieben und hat nachgefragt. Also es war sehr, sehr schwer, und ich kenne noch viele Fälle, wo es leider noch nicht so weit ist."

    Die Jesuiten kümmern sich um Geflüchtete in Abschiebehaft

    Seit 25 Jahren sind die Jesuiten in Deutschland im Flüchtlingsdienst aktiv. Sie setzen sich für Familienzusammenführungen ein, engagieren sich beim Kirchenasyl, beraten in Flüchtlingsunterkünften. Der Schwerpunkt von Bruder Müller: Er kümmert sich um Geflüchtete in Abschiebehaft. Seine Erfahrung ist, dass fast die Hälfte der Frauen und Männer, die in Haft auf einen Abschiebeflug warten, dort zu Unrecht sind. Der Freiheitsentzug sei vielfach unverhältnismäßig, so Müller: "Da haben wir schlechte Erfahrungen - ich fürchte, dass wir weiter massiv Rechtshilfe leisten müssen, dass wir eine Grauzone aufhellen. Es darf nicht zu schnell, zu häufig und zu lange Inhaftiert werden."

    Durchschnittlich 23 Tage bleiben Geflüchtete vor ihrer Abschiebung in Haft

    Offizielle Statistiken zum Ausgang solcher Haftbeschwerden führe man nicht, teilt das Bayerische Innenministerium mit. Im Schnitt seien die Geflüchteten vergangenes Jahr 32 Tage, in diesem Jahr 23 Tage, inhaftiert gewesen. Das sei ein vertretbarer Zeitraum, sagt der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Derzeit seien rund 70 Menschen in Abschiebehaft, aus seiner Sicht völlig zu Recht: "Abschiebehaft heißt, dass ein unabhängiger Richter darüber entschieden hat. Dazu kommt, in Abschiebehaft werden nur Personen genommen, die schon lange aufgefordert wurden, freiwillig auszureisen. Jeder hätte die Situation vermeiden können, wenn er der Aufforderung, das Land zu verlassen, freiwillig nachgekommen wäre." Trotz der inhaltlichen Differenzen bei der Flüchtlingspolitik zollt Herrmann dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst großen Respekt für dessen soziale Arbeit.

    Der Traum ist eine eigene Wohnung

    Die Familie von Zeinab und ihren beiden Töchtern ist vor allem dankbar. Noch leben sie in einer Flüchtlingsunterkunft in München. Doch Mutter Zeinab hat einen Traum. Sie hofft, dass sie mit ihrer Familie bald in eine eigene Wohnung ziehen kann. Vor allem aber ist sie froh, dass ihre Familie wirtschaftlicher Not, Krieg und Gewalt entkommen ist: "Gott sei Dank - wir sind am Leben."