Städtische Galerie im Lenbachhaus in München
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Städtische Galerie im Lenbachhaus in München

    Fünf Raubkunstwerke an Erben von Carl Heumann übergeben

    Drei deutsche Museen, darunter die Städtische Galerie im Lenbachhaus, haben fünf NS-Raubkunstwerke aus der Sammlung von Carl Heumann den Erben des Chemnitzer Bankiers übergeben.

    Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und die Städtische Galerie im Lenbachhaus gaben fünf Raubkunstwerke auf Grundlage der Washingtoner Prinzipien von 1998 in Anerkennung des Verfolgungsschicksals von Carl Heumann zurück. Das teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit.

    Heumann (1886-1945) sei ein ausgewiesener Kenner und gefragter Leihgeber der Kunst des frühen 19. Jahrhunderts gewesen und spätestens ab 1938 von den Nationalsozialisten systematisch verfolgt worden, weil er als jüdisch gegolten habe, hieß es von der Städtischen Galerie im Lenbachhaus. In den Räumen des Lenbachhauses nahm ein Vertreter der Erbengemeinschaft die Kunstwerke Heumanns entgegen.

    Werke wurden unter unterschiedlichen Umständen veräußert

    Zur Sammlung von Carl Heumann zählen Zeichnungen, Aquarelle und Druckgraphiken der deutschen Schule von 1750 bis 1850. Die Provenienzforschung hat ergeben, dass die Umstände, unter denen Heumann die fünf Werke zwischen 1939 und 1944 veräußerte, unterschiedlich waren.

    In Dresden wurden drei Werke aus der Sammlung Heumann identifiziert: "Mädchen mit Papagei" (1840) von Jakob Gensler sowie zwei Aquarelle von Peter Fendi (1796-1842): "Katholischer Priester mit Abendmahlsgefäßen" und "Vorhalle einer Kirche mit Kruzifix, Priester und Messknaben". Sie wurden nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 1944 beim Kunstantiquariat C.G. Boerner in Leipzig erworben.

    Zeichnung "Fischerweide" von 1854 im Lenbachhaus

    Im Lenbachhaus fand sich die Zeichnung "Fischerweide" von 1854, die das Museum 1939 ebenfalls bei Boerner auf einer Auktion erworben hatte. Die Staatlichen Museen zu Berlin ordneten zwei grafische Werke der Sammlung Carl Heumann zu, die 1942 und 1944 ersteigert worden waren: Friedrich Jentzens "Bildnis des Baumeisters August Stüler" (um 1830) und Johann Jakob Schillingers "Teufelsbrücke" (um 1800). Man habe sich mit den Erben Heumanns darauf geeinigt, dass die "Teufelsbrücke" restituiert werde, während Jentzens Bildnis von Stüler in der Sammlung verbleibe, teilten die Staatlichen Museen zu Berlin mit.

    Heumann starb am 5. März 1945 bei einem Bombenangriff auf Chemnitz, als er einen Koffer mit Kunstwerken aus seinem Haus retten wollte. Rund 500 Werke seiner Sammlung lagerten jedoch bei Banken und wurden nach dem Zweiten Weltkrieg den Nachfahren übergeben.

    Mit Material von dpa.

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