Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Fünf Künstlerinnen in der Fondation Beyeler | BR24

© Fondation Beyeler

Resonating Spaces

Per Mail sharen
Teilen

    Fünf Künstlerinnen in der Fondation Beyeler

    "Resonating Spaces", Resonanzräume heißt die neue Schau in der "Fondation Beyeler" in Basel. Es handelt sich um eine Ausstellung von fünf internationalen Künstlerinnen, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Wahrnehmung von Räumen beschäftigen.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Fünf Frauen, die vor allem Insidern bekannt sind und die nun die weit ausladenden Räume der "Fondation Beyeler" bespielen – das ist zunächst einmal überraschend bei einer Institution, die sonst mit Headlinern wie Francis Bacon, Alberto Giacometti oder Alexander Calder aufwartet. Haben die gestiegenen Kosten für Groß-Ausstellungen dazu geführt, dass man sich auch in der Schweiz immer öfter für kleinere Formate entscheidet? Oder wollen Galeristen und Sammler "ihre" Künstler besser am Markt platzieren?

    Sam Keller, Direktor der "Fondation Beyeler", sagt dazu salomonisch, dass die Ausstellungen seines Hauses immer in einer Beziehung zur eigenen Sammlung stehen sollen: "Ich finde es beim Programmieren wichtig, dass man immer wieder auch einen Kontrapunkt hat oder dass man sich selber ab und zu überraschen kann. Und dass das Format nicht immer von Anfang an feststeht, sondern sich aus der Kunst oder dem Nachdenken über die Künstler selber ergibt."

    Im Fall der "Resonating Spaces", der Resonanzräume, schlagen fünf Künstlerinnen im sonst eher lauten Kunstbetrieb nun ganz leise Töne an. Die Räume, die wir da betreten, haben etwas fast Transzendentes.

    © Stefan Altenburger

    INSTALLATIONSANSICHT AUSSTELLUNG "Resonating Spaces"

    Räume mit Schwingungen

    Die Sounds, die die schottische Künstlerin Susan Philipsz mit Schneckenhörnern aus allen Teilen der Welt erzeugt, zum Beispiel den Muscheln von Meeresschnecken, erinnern von fern an einen Wind, ein Atmen, an ein Rufen. Im Museum entsteht so ein fast sakraler, intensiver Raum, der gänzlich leer ist, nur aus den angeblasenen Tönen der chromatischen Leiter besteht – und in dem der Besucher mit sich selbst allein ist. "Das sind Räume, die zwischen dem Erkennbaren und dem Flüchtigen oszillieren," so Kuratorin Theodora Vischer.

    Aber auch die anderen Künstlerinnen der Ausstellung erzeugen diese meditative Atmosphäre, die uns den Raum, der uns umgibt, neu wahrnehmen lässt. Wo sind wir hier? Im Museum, natürlich. Aber die Netzwerke, die etwa die Schweizer Künstlerin Silvia Bächli zeichnet, oder ihre oft wie Menschengruppen angeordneten abstrakten Linien füllen auf großen Blättern nun den ganzen Raum aus – und machen ihn dadurch unwirklich und fast immateriell. Aber das Ganze folgt einem System, sagt Silvia Bächli, einer Grund-Idee: "Es ist fast so wie beim Gedichte Schreiben: da gibt es Wörter, die man zur Verfügung hat, und mit diesen Wörtern lässt sich ein Gedicht schreiben. Ganz ähnlich geht es mir mit meinen Räumen."

    Die Arbeiten haben fast alle diese Innerlichkeit. Zum Beispiel die großformatigen Zeichnungen der Australierin Toba Khedoori: An den Wänden sehen wir Wolken, die Sitzreihen eines Auditoriums; Fenster von Hochhäusern und Wolken tauchen auf, dann wieder Astwerk. Das alles scheint aber vom Verschwinden bedroht.

    © Susan Philipsz Foto: Eoghan McTigue

    Susan Philipsz The Wind Rose, 2019 Triplofusus Giganteus, Grosse Pferdeschnecke, Florida

    Modernes Labyrinth

    Äste und Gitter findet man auch bei der portugiesischen Installationskünstlerin Leonor Antunes, die die aufwändigste Raum-Illusion dieser Ausstellung gestaltet hat. Aus Holz, Bast, Leder, Nylon oder Messing sind die Linien und kühl wuchernden Gegenstände, die von der Decke auf den Boden herabhängen und den größten Ausstellungssaal wie einen abstrakten Urwald aussehen lassen. Es gibt viele Verweise auf indigene Kulturen, auf Kunsthandwerk, aber der Gesamteindruck ist: ein modernes Labyrinth.

    Ganz anders dagegen Rachel Whiteread. Sie ist für ihre Abformungen von Gegenständen und Gebäuden bekannt und hat sich hier von einer melancholischen Straßenszene von Balthus inspirieren lassen. Elemente dieser Szene stehen nun dem Gemälde gegenüber, als Hohlräume und unbrauchbare Fremdkörper.

    Die Arbeiten können alle einzeln bestehen, aber das verbindende Element ist die Ruhe und Unaufgeregtheit, die sie ausstrahlen. Die Fondation Beyeler kann es also auch unspektakulär. Und diese neue Bescheidenheit könnte auch dem Museumsbesucher nutzen: Die gezeigten Arbeiten sind Resonanzräume auch für sein eigenes Befinden.

    Resonating Spaces : Die Ausstellung mir Werken von Leonor Antunes, Silvia Bächli, Toba Khedoori, Susan Philipsz, Rachel Whiteread läuft bis 26. Januar in der Fondation Beyeler.

    Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

    Die tägliche Dosis Kultur – die kulturWelt als Podcast. Hier abonnieren!