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Die Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

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    Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Tsitsi Dangarembga

    Die Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga kämpft in ihren Büchern und Filmen für Freiheit und die Rechte der Frauen. Die aus Simbabwe stammende 62-Jährige wird nun mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2021ausgezeichnet.

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    • BR24 Kultur

    Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2021 geht in diesem Herbst an die 62-jährige simbabwische Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga. Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bekannt.

    "Erzählen mit universellem Blick"

    Tsitsi Dangarembga sei nicht nur eine der wichtigsten Künstlerinnen ihres Landes, sondern auch eine weithin hörbare Stimme Afrikas in der Gegenwartsliteratur, teilte die Jury in Frankfurt mit. Tsitsi Dangarembga verbinde in ihrem künstlerischen Werk "ein einzigartiges Erzählen mit einem universellen Blick". "In ihren Filmen thematisiert sie Probleme, die durch das Aufeinandertreffen von Tradition und Moderne entstehen", erklärte die Vorsitzende des Stiftungsrats des Friedenspreises Karin Schmidt-Friderichs in Frankfurt am Main. Dangarembga kämpfe für Freiheitsrechte und gegen Korruption und nehme dafür in Kauf, von der Regierung gerichtlich verfolgt zu werden.

    Nominiert für Booker Prize

    Mit ihrem Roman "This Mournable Body" ist Tsitsi Dangarembga vergangenes Jahr schon für den Man Booker Prize nominiert worden. Auf Deutsch ist von der aus dem ostafrikanischen Simbabwe stammenden Autorin zuletzt die neue Übersetzung des Buches erschienen, mit dem sie international berühmt wurde: "Aufbrechen" (Orlanda Verlag, 2019). Der 1988 unter dem Titel "Preis der Freiheit" erschienene Roman schildert den zähen Kampf eines Mädchens um Bildung in einem Dorf in Rhodesien. Dangarembga zeigt darin zum einen, welche Tore sich für das arme benachteiligte Kind durch Bildung auftun - und zum anderen, was es dadurch verliert: Als gebildete junge Frau wird ihr die Rückkehr zu ihrer Familie und zum Stammes- und Dorfleben der Kleinbauern, dem sie entwachsen ist, nicht mehr möglich sein. Ihre Freiheit hat einen Preis. Die BBC hat den Roman 2018 in die Liste der 100 Bücher aufgenommen, die die Welt verändert haben.

    Promovierte Afrikawissenschaftlerin und Menschenrechtsaktivistin

    1989 begann Tsitsi Dangarembga ihr Studium an der Deutschen Film und Fernsehakademie in Berlin und dreht seitdem Spiel und Dokumentarfilme. Während sie an der Berliner Humboldt-Universität im Fach Afrika-Wissenschaften eine Doktorarbeit verfasste, schrieb sie das Drehbuch für den Film "Neria", der zum meistgesehenen Film Simbabwes wurde.

    Im Jahr 2000 kehrte Dangarembga mit ihrer Familie aus Deutschland nach Simbabwe zurück, wo sie sich verstärkt als Menschenrechtsaktivistin engagiert. Erst im Juli 2020 wurde sie während eines Antikorruptionsprotests verhaftet, kam aber auf Kaution frei. Sie fürchte, dass Simbabwe "implodieren" könnte, wenn sich an der gegenwärtigen, durch die Pandemie verschärften Situation des Landes nichts ändere.

    Preis ist mit 25.000 Euro dotiert

    Der Preis würdigt seit 1950 Persönlichkeiten, die mit ihrer literarischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Arbeit als Friedensstifter wirken. Er ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen in Deutschland und ist derzeit mit 25.000 Euro dotiert. Die Verleihung findet traditionsgemäß im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt, und zwar in der Paulskirche, wo 1848 die erste deutsche Nationalversammlung tagte.

    Der aus Spenden von Buchhändlern und Verlegern finanzierte Preis wird von einer Stiftung betreut. Ein Stiftungsrat kürt die Preisträger, wobei jedermann zuvor Vorschläge einreichen kann. Laut Statut soll eine Persönlichkeit geehrt werden, "die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat".

    Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger

    Mit dem Preis sind bislang mehr als 60 Schriftsteller, Philosophen, Wissenschaftler und Politiker ausgezeichnet worden, darunter Albert Schweitzer, Ernesto Cardenal und Vaclav Havel sowie Astrid Lindgren, Susan Sontag, Saul Friedländer und Liao Yiwu. Erster Friedenspreisträger 1950 war der deutsch-norwegische Schriftsteller und Verleger Max Tau, im vergangenen Jahr erhielt der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Amartya Sen die renommierte Auszeichnung.

    Umstritten war die Dankesrede des Schriftstellers Martin Walser 1998, die vom damaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis, als "geistige Brandstiftung" bezeichnet wurde. Darin hatte der Schriftsteller eine "Instrumentalisierung von Auschwitz" als "Moralkeule" kritisiert.

    Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wird traditionell am letzten Tag der Frankfurter Buchmesse in der Frankfurter Paulskirche verliehen. In diesem Jahr ist dies der 24. Oktober.