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Friedensgipfel in Lindau: 900 Vertreter bei multireligiösem Fest | BR24

© BR/Tilmann Kleinjung

"Religions for Peace" ist einzigartig - es gibt keine andere Plattform, die so viele verschiedene Religionen versammelt. 900 Vertreter zahlreicher Weltreligionen sind nach Lindau an den Bodensee gekommen, um dort ein multireligiöses Fest zu feiern.

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Friedensgipfel in Lindau: 900 Vertreter bei multireligiösem Fest

"Religions for Peace" ist einzigartig - es gibt keine andere Plattform, die so viele verschiedene Religionen versammelt. 900 Vertreter zahlreicher Weltreligionen sind nach Lindau an den Bodensee gekommen, um dort ein multireligiöses Fest zu feiern.

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Die Teilnehmer des 10. Religionssgipfels "Religions for Peace", der vom 20. bis 23. August 2019 in Lindau am Bodensee stattfindet, haben sich am Mittwochmittag zu einer großen multireligiösen Prozession quer durch die Stadt zusammengeschlossen. Auch Markus Büker ist mitgelaufen. Er arbeitet für das katholische Hilfswerk Misereor und war beeindruckt von den verschiedenen Nationalitäten und Religionen.

"Ich sehe buddhistische Mönche, ich sehe Menschen aus Mittelamerika, Anzugträger aus den Kirchen Deutschlands, Österreichs. Gestern schon bei der Eröffnung war das äußerst eindrucksvoll, die Vertreter so vieler Religionen zusammen zu sehen, die ihren Willen ausdrücken, für Frieden einzustehen." Markus Büker, Misereor

Muhammad Amir ist Muslim, er kommt aus Ghana und weiß, dass er in seiner Heimat noch Überzeugungsarbeit leisten muss. Allein die Tatsache, dass Muslime beim Friedensgipfel Seite an Seite mit Juden, Christen oder Hindus für Frieden demonstrierten, dürfte fundamentalistischen Vertretern des Islam überhaupt nicht gefallen.

"Aber dafür gibt es überhaupt keine Begründung im Islam", so Amir. Der Islam lehre: "du musst mit anderen Menschen reden, auch mit Menschen anderen Glaubens."

Kein festes Ritual für multireligiöse Feier

Das Ziel der Prozession war der "Ring of Peace" - eine Skulptur in einem Park am Bodensee, geschaffen als Symbol für diese Weltversammlung. Ein 7,5 Meter hoher Holzring, zusammengefügt aus 36 Hölzern aus aller Welt. Ein Ring, der niemanden ausschließen soll.

Für die multireligiöse Feier, die am "Ring of Peace" stattfindet, gibt es kein festes Ritual, kein bereits bekanntes Drehbuch. Die Veranstalter versuchten es über Musik. Alle Teilnehmer einigten sich auf einen Grundton. Darüber wurden Worte gesungen, die für die verschiedenen Religionen zentral sind.

"Höchste Zeit, dass Frauen ihren Platz bekommen"

In praktisch allen Religionen spielen Frauen eine untergeordnete Rolle. Die Organisation "Religions for peace" will sich damit nicht abfinden. Beim Podium "Frauen als Friedensstifterinnen" trat die tunesische Politikerin und Friedensaktivistin Mehrezia Labidi-Maiza auf. Sie forderte einen festen Platz für Frauen.

"Es ist höchste Zeit, dass Frauen ihren Platz bekommen, dass sie die religiöse Sprache erklären und erneuern. Denn jede Gesellschaft wird danach beurteilt, welchen Platz Frauen einnehmen. Und wir wollen Gesellschaften, in denen der Glaube, die Frauen und die Rechte ihren Platz haben." Mehrezia Labidi-Maiza, tunesische Politikerin und Friedensaktivistin

Konflikt in Myanmar auch Thema bei Friedensgipfel

Ein weiteres Thema bei der Weltversammlung "Religions for Peace" war der Konflikt in Myanmar. 700.000 muslimische Rohingya wurden hier von nationalistischen Buddhisten ins benachbarte Bangladesch vertrieben. Und das ist nur einer von zahlreichen Konflikten, die das Land spalten.

"Religions for Peace" versuchte beim Friedensgipfel die verschiedenen Religionen und die Politik an einen Tisch zu bringen. Als Moderator fungierte Kardinal Charles Bo von Rangun: "Lasst uns eine neue Ära in Myanmar eröffnen", sagte er und fügte hinzu: "in der die Regierung und andere den Religionsführern die Hand reichen, um Frieden zu erreichen."

Tatsächlich trafen sich in Lindau Vertreter der ethnischen Minderheiten, der verschiedenen Religionen aus Myanmar zu Friedensgesprächen - allerdings hinter verschlossenen Türen.

© BR

Eröffnung der 10. Weltversammlung von "Religions for Peace": Ranghohe Vertreter aus Politik und Religion wollen weltweit mit einer Friedensbewegung Hass, Krieg und Extremismus entgegentreten.