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Friedemann Weise singt über Twitter wie John Lennon | BR24

© Audio BR

Mit doppeltem Zwinkerauge und dreimal metamäßig: Das weise Album sei einfach gut! – sagt Weise.

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Friedemann Weise singt über Twitter wie John Lennon

Bei diesem Namen lag der Titel ja nun wirklich in der Luft: "Das weise Album" von Liedermacher und Comedian Friedemann Weise ist klar eine Beatles-Referenz. Nicht die einzige auf der nun dritten Platte des selbsternannten "King of Understatement".

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Was passiert eigentlich bei einem digitalen Entzug im Wald? "Nur ein paar Kilometerchen weiter, da legt sich Peter grad hin. Im Regen wars gar nicht so einfach, einen Platz für den Schlafsack zu finden. Hier gibt es kein Bett und kein Küsschen, geschweige denn WLAN und Strom. Das würde eh nicht viel nützen, denn Peter hat kein Telefon." Und einige Verse weiter fragt sich jener Peter, von dem hier die Rede ist: "Wie viel kann man einem Menschen nehmen?" Das alles in Friedemann Weises Song "Digital Detox in der Eifel". Weise erklärt dazu: "Es ist ja oft so bei humorvollen Songs, dass man im ersten Refrain weiß, wo der Witz ist, und dann muss man krampfhaft noch ne Strophe suchen und dann ist man fertig." Bei "Digital Detox in der Eifel" habe er es zum ersten Mal geschafft, dass der Song komplett anders verstanden werden könne – und zwar bis zur letzten Sekunde. "Live macht das Spaß, weil da guck' ich in Gesichter, die sich fragen: Warum eigentlich jetzt so ein ernster Song ohne jeden Bruch? Aber dann, ganz am Ende kommt dann das dicke Ende ..."

Minimalistisches Konzept

Das dicke Ende vom Ende dieses Lieds sparen wir uns für das Ende dieses Artikels über Friedemann Weise auf, den Punchline-Prinzen auf Twitter, den zauselfrisurigen Zeitgeist-Humoristen in der ZDF heute-show. Am Anfang ist da meist ein Text, ein Gag, der wird dann schnell über Twitter rausgehauen – oder mit einem Twist zu einem Song aus- und aufgebaut, so beschreibt der Comedian sein minimalistisches Konzept: "Ich hab dann so zwei, drei Zeilen und suche dann zwei von den drei Akkorden aus, die ich kann – und die spiele ich dann!"

Im "Twitter-Song" lauten diese Zeilen: "Eine Fridays for Future-Schulschwänzerin, eine querschnittsgelähmte Bauchtänzerin, ein Kampfhund-Trainer, ein russischer Hacker, ein Identitärer und Boris Becker. Die treffen sich alle auf Twitter und dann: Schreien sie sich an!“

Ein typischer Aufzählsong à la Weise. Denn zu sagen, soziale Medien und Twitter sind scheiße – das wäre dem Kölner zu einfach: "Bei mir war der Twist der ruhigere Part. Das einzige, wo sich Leute mal nicht auf Twitter den Kopf einschlagen, ist, wenn jemand stirbt, das hab ich oft erlebt. Dann herrscht kurz mal eine Friedlichkeit." Er wolle am Ende noch die Sonne aufgehen lassen und daran erinnern: "Du musst da gar nicht sein, du musst nicht mitmachen. Inklusive mich."

© Philipp Boell

Sich Twitter zu entziehen sei gar nicht so schwer, meint Friedemann Weise. Man brauche einfach nur nicht mitzumachen, inklusive ihn.

John-Lennon-Romantik, auf Twitter gedreht

So this is Weise: John Lennons Weihnachtslieder-Romantik wird auf Twitter gedreht, ein Gedankensprung bespringt den nächsten, hier noch ein Kassensturzlied: Wenn 68er 68 werden, dort ein Barista-Boogie Woogie, der sich über die übertrieben zelebrierte Kaffee-Kultur lustig macht. Und dann wären wir auch schon wieder bei den ganz großen philosophischen Debatten: Was unterscheidet den Menschen vom Tier? Geld? Das kann's nicht sein. Was dann? Im Song "Kunst" erfahren wir es: "Mozart ist keine Amöbe und Frida Kahlo kein Reh. Ein Pferd ist nicht wie Gert Fröbe und auch nicht Beyoncé. Doch eines unterscheidet uns: Die Kunst, die Kunst, die Kunst."

"Mir wurde bei dem Song jetzt auch schon vorgeworfen, dass ich die menschliche Rasse als Krönung über die Tiere stelle", erzählt Weise. "Aber das ist es gar nicht. In meinem Kunst-Kosmos gilt: Tiere können keine Kunst machen. Das geht aber eher darauf zurück, dass sie nicht genug leiden. Ich will nicht, dass sie leiden, aber ich glaube, der Mensch hat so viel gelitten als Individuum, dass das irgendwann nur noch mit Kunst zu verarbeiten ist. Und so nem Hündchen geht’s immer gut … Jetzt sag' bitte nix von Tönnies, weil da gehen mir die Argumente aus ..."

Das dicke Ende vom Lied

Ein Faultier ist nicht Goethe und der Weise – wundert sich über so manchen Kommentar unter seinen youtube-Videos, etwa bei seinem Corona Home-Kita-Song: "'Ist das jetzt ein Comedy-Song oder ein Kinderlied?' Das war, glaube ich, eine ernst gemeinte Frage, wo ich dachte: Schade, diese Frage stellt sich mir nicht. Ein gutes Helge-Schneider-Lied fragt auch keiner: 'Ist Katzenklo für Kinder oder nicht?' Es ist einfach ein lustiger Song. Gute Melodie, schöner Text – das ist mir recht. Wenn das Kinder hören, ist das schön."

Fehlt noch das dicke Ende vom Anfang: Das Ende des Liedes mit den traurigen Geigen über den handylosen Obdachlosen im Regen, das auf so typische Weise endet: "Und als dann die Nässe den Schlafsack durchdringt, wird ihm plötzlich klar. Er muss etwas ändern und zwar unbedingt. Er schwört es bei seinem Bart. Nie mehr, nie mehr digital Detox in der Eifel. 2000 Euro für 3 Nächte im Wald. Nie mehr hierher, dann lieber online-süchtig bleiben.“

© Label Staatsakt (Bertus) / Weise

Cover von Friedemann Weises "Das weise Album"

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