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Fridays for Peace? Was aus der Friedensbewegung wurde | BR24

© Natasha Heuse/BR

Pace-Flagge am Königsplatz in München 2007

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    Fridays for Peace? Was aus der Friedensbewegung wurde

    2003, als der Irakkrieg begann, gingen weltweit Menschen auf die Straße. Die "Pace"-Flaggen waren allgegenwärtig. Anfang 2020 als nach der Tötung des iranischen Generals Kassem Suleimani neuer Krieg drohte, demonstrierte niemand für den Frieden.

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    In den 80er Jahren demonstrierte Friedensbewegung gegen das Wettrüsten, die Ostermärsche waren Massenveranstaltungen. Heute pilgern die Menschen zu den „Fridays for Future“. Der katholische Friedensaktivist Martin Pilgram sieht zwischen dem heutigen Protest für Klimaschutz und den damaligen Demonstrationen gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen durchaus Überschneidungen: allein schon, weil die heutigen Klimaaktivisten sich auch den Friedensdemonstrationen anschließen würden. "Beim letzten Ostermarsch zum Beispiel waren auch Leute von Fridays for Future dabei." Umgekehrt würden die Friedensaktivisten sich den Protesten der Kimaschützer anschließen.

    Pilgram: Frieden geht nur mit Klimaschutz

    Denn eine friedliche Welt, in der jeder seinen Platz findet – so der ehrenamtliche Vorsitzende der katholischen Friedensinitiative Pax Christi im Erzbistum München-Freising – sei nur mit Klimagerechtigkeit möglich. Man müsse die Zusammenhänge sehen: "Wenn wir hier über Flüchtlinge und Fluchtursachen nachdenken, dann sind da immer zwei große Punkte dabei: einmal Umweltzerstörung und der zweite Punkt, was vielleicht am Ende auch zu Umweltzerstörung führt: Kriege."

    Scheuing: Friedensbewegung verändert sich

    Bei der heute vor allem für Klimaschutz demonstrierenden Jugend seien diese Zusammenhänge nicht unbedingt präsent, sagt David Scheuing vom Bund für soziale Verteidigung, einem 1988 gegründeten pazifistischem Dachverband. Scheuing hat sein Studium vor zwei Jahren abgeschlossen, zählt also selbst zur Generation der neuen Friedensaktivisten. Als Auslaufmodell sieht er die Friedensbewegung nicht, sondern als Bewegung, die sich verändert. Zwar würden weniger Menschen zu den klassischen Friedensdemonstrationen, den Ostermärschen gehen. Das Thema Frieden sei aber weiterhin präsent. Lediglich die Organisationsformen und Ausdrucksweisen würden sich verändern, so Scheuing.

    Mehr Themen, andere Organisationsformen

    Die Themen hätten sich ausdifferenziert: Während die einen gegen automatisierte Waffen demonstrieren, sehen die anderen ihren Schwerpunkt bei Atomwaffen, wieder andere protestieren gegen Militärwerbung ein und manche setzen sich im Netz für eine friedlichere Kommunikation ein – etwa bei der Initiative Love Storm. Außerdem würden sich heute viele Menschen eher punktuell oder für einzelne Projekte engagieren, stellt Martin Pilgram von Pax Christi fest.

    Der Nachwuchs fehlt

    Zwar kann er aktuell keinen Rückgang der Mitgliederzahlen melden – die sind im Erzbistum München-Freising stabil bei 300. Langfristig könnte das allerdings schon zum Problem werden: "Das wird sich in den nächsten Jahren sehr drastisch ändern, weil die Leute, die in meinem Alter sind oder vielleicht noch ein bisschen älter, die werden halt irgendwann sterben, sag ich mal. Und das wird man dann schon merken."