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Die Atelier-Gemeinschaft Marienstraße in Nürnberg verliert bald ihre Bleibe. Der Freistaat Bayern hat den Mietvertrag gekündigt.

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Freistaat Bayern kündigt Atelier von Nürnberger Künstlern

Die in der Coronakrise sowieso schon gebeutelte Künstlerszene muss in Nürnberg einen weiteren Schlag verkraften: Eine Atelier-Gemeinschaft soll ihr Haus Ende November räumen. Der Freistaat Bayern hat den Künstlern gekündigt.

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Von
  • Rika Dechant

Die Lage ist ernst für die "Ateliergemeinschaft Marienstraße 23". Einige der Künstlerinnen und Künstler arbeiten bereits seit 33 Jahren in diesem Nürnberger Haus. Zum Beispiel Hubertus Heß: Der hauptberufliche Bildhauer hat gerade erst den Wolfram-von-Eschenbach-Preis des Bezirks Mittelfranken gewonnen. Er hämmert nicht nur Skulpturen, er sammelt auch viel auf seinen Weltreisen. Und alles lagert er im Atelier.

Ohne Atelier können Künstler kein Geld verdienen

Nicht nur Hubertus Heß, viele der Künstler in der Ateliergemeinschaft haben staatliche und städtische Preise bekommen, fast alle können von ihrer Kunst leben. Die Coronakrise macht den Künstlern das Leben schwer. Doch ohne ihre Arbeitsstätte, ihr Atelier, wird es noch schwieriger. Im Juli 2020 haben sie ihre Kündigung für Ende November erhalten, von ihrem Vermieter, dem Freistaat Bayern. Die Begründung: Ein Gutachten bescheinige Mängel im Bereich Brandschutz und Statik.

"Die Gutachter meinten, es gebe rostige, instabile Träger, auch die Stärke des Putzes entspreche nicht mehr den aktuellen Brandschutzvorkehrungen." Thomas May, Ateliergemeinschaft Marienstraße

Einblick in das schriftliche Gutachten bekommen die Künstler allerdings nicht. Daher haben sie einen eigenen Statiker beauftragt. Dieser hält eine kostengünstige Lösung der Probleme für durchaus möglich.

TÜV findet auch noch Mängel in der Elektrik

Aber die Schreckensnachrichten für die Künstler gehen weiter: Plötzlich steht der TÜV vor der Tür, findet nun elektrische Mängel, die "Gefahr für Leib und Leben" darstellen sollen, und schaltet die Stromversorgung ab. Daraufhin installiert das staatliche Hochbauamt zumindest eine temporäre Baustromanlage.

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Eine Nürnberger Atelier-Gemeinschaft in der Marienstraße 23 soll das gemeinsam angemietete Haus räumen. Ende November ist Schluss, der Freistaat Bayern hat ihnen gekündigt.

Stadt kann nicht helfen: In Nürnberg sind Ateliers knapp

Die Künstlerinnen und Künstler der Ateliergemeinschaft fühlen sich alleingelassen. Wenn sie bei ihrem Vermieter, der "Immo Bayern", nachfragen, werden sie nur vertröstet. Deshalb wenden sie sich an die Nürnberger Kulturbürgermeisterin Julia Lehner. Aber auch sie kann nicht wirklich helfen, denn Raum für die Herstellung von Kunst fehlt in der Stadt.

"Uns ist es leider nicht möglich, adäquate Räumlichkeiten anzubieten, denn die Stadt Nürnberg hat selbst einen ganz großen Mangel an Ateliers und künstlerischen Ermöglichungsräumen." Julia Lehner, Kulturbürgermeisterin Nürnberg

Acht Künstler gehören insgesamt zur Ateliergemeinschaft Marienstraße 23. Auch Meide Büdel gewann schon zahlreiche Preise. Ihre Großskulpturen stehen in vielen Städten in Franken. Aktuell hat sie einen Auftrag von der evangelischen Kirche in Weisendorf (Lkr. Erlangen-Höchstadt). Sie darf den Innenraum der Kirche neu gestalten. Wenn sie nun ihren Arbeitsplatz verliert, geht es um ihre Existenz.

Bauministerium: Im Atelierhaus besteht "Gefahr für Leib und Leben"

Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks beim Bauministerium erklärt ein Sprecher, dass die Vermietung von vorne herein nur eine Übergangslösung gewesen sei, auch wenn sich der Zeitraum bereits über 30 Jahre erstreckt. Außerdem sei die Kündigung im Juli wegen erheblicher Mängel erfolgt. Es bestehe "Gefahr für Leib und Leben". Deshalb "können wir die Verantwortung für eine Verlängerung des Mietverhältnisses nicht übernehmen", so der Sprecher des Ministeriums weiter.

Freistaat sucht nach Alternative für die Ateliergemeinschaft

Allerdings bemühe sich der Freistaat, eine Alternative anbieten zu können. Die brauchen die Künstler nun dringend, gerade jetzt in der Coronakrise. Ansonsten müssen sie ihre Arbeit, der zugleich ihr Broterwerb ist, zum 30. November einstellen.

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