BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

Frauenhäuser: Schutz und Ruhe ins Leben bringen | BR24

© BR

Im Zuge der Frauenbewegung entstanden in den 1970er Jahren die ersten Frauenhäuser. Heute gibt es in Deutschland rund 350 dieser Schutzräume. Trotz psychischer und physischer Gewalt ist der Weg dorthin für viele Frauen nicht leicht.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Frauenhäuser: Schutz und Ruhe ins Leben bringen

Im Zuge der Frauenbewegung entstanden in den 1970er Jahren die ersten Frauenhäuser. Heute gibt es in Deutschland rund 350 dieser Schutzräume. Trotz psychischer und physischer Gewalt ist der Weg dorthin für viele Frauen nicht leicht.

Per Mail sharen
Teilen

Frauenhäuser werden heute meist vom Staat oder der Kirche gefördert und getragen. In ihnen finden Frauen, die körperlich, sexuell oder seelisch verletzt werden, Schutz und Ruhe. Die Frauen, die nach einem Zimmer in einem der Häuser anfragen, haben oft schon einen langen Leidensweg hinter sich. So zum Beispiel Jasmin (deren wirklicher Name aus Schutzgründen nicht öffentlich genannt werden darf), die in einem Frauenhaus in Franken Schutz gefunden hat.

"Zuhause habe ich mich nicht mehr sicher gefühlt. In der Anwesenheit meines Mannes hatte ich Angst, ich war immer verspannt, ich habe nicht gewusst, was als nächstes kommt. Und ich habe gemerkt, dass auch meine Kinder die Übergriffe mitbekamen und um mich Angst hatten." – Jasmin

Jasmin ist Akademikerin, sie war berufstätig und glaubte von sich selbst, eine emanzipierte Frau zu sein. Bald nach der Hochzeit wurde ihr Mann zum Tyrann. Nach Außen gab es die Fassade der glücklichen Familie – im eigenen Haus herrschte Gewalt. Jasmin wurde bedroht, geschlagen und beschimpft. Sie durfte keine Freunde haben, musste nach der Arbeit sofort nach Hause. Für Jasmin war dieses Leben nach einigen Jahren nicht mehr zu ertragen.

"Der eigentliche Grund, warum ich im Frauenhaus Schutz suchte, war, dass ich nicht wollte, dass meine Tochter in einer Umgebung aufwächst, in der sie annimmt, dass häusliche Gewalt Normalität ist. Und ich wollte nicht, dass mein Sohn das Gefühl hat, mich beschützen zu müssen und mich andererseits zu hassen, weil ich mich selber nicht wehren kann." – Jasmin

Jede Frau, unabhängig von Alter, Bildungsstand, Einkommen und Herkunft, kann häusliche Gewalt treffen. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO gehört häusliche Gewalt zu den größten Gesundheitsrisiken für Frauen. Viele Frauen schämen sich für ihre erlebte Gewalt und fühlen sich mitschuldig. Diese Erfahrung macht Caroline Beekmann, die Abteilungsleiterin der Frauenhilfe in München, immer wieder:

"Am Anfang werden die Frauen oft auf Händen getragen, dann kommt die soziale Kontrolle, die körperliche Gewalt. Das baut sich Stück für Stück auf, das macht das Selbstbild der Frauen kaputt. Wir gehen davon aus, dass der Bedarf an Frauenhäusern sehr viel größer ist als die Frauen, die zu uns kommen. Viele trauen sich nicht, weil sie sich schämen." – Caroline Beekmann

In München gibt es drei Frauenhäuser mit Platz für 45 Frauen und etwa 60 Kinder. Damit kann der Bedarf aber nicht gedeckt werden. Es gibt Wartelisten. Manchmal kommen die Frauen zuerst in einem Frauenhaus in der Umgebung unter und ziehen dann nochmals um. Keine Frau, die Hilfe benötigt, soll im Stich gelassen werden. Auch die Münchner Bahnhofsmission springt ein und bietet Frauen im Notfall Zuflucht.

Jasmin ist froh, dass sie den Schritt gemacht hat und ins Frauenhaus gegangen ist. Sie musste dafür ihr ganzes bisheriges Leben aufgeben: Sie ließ ihr Haus zurück, gab von heute auf morgen ihren Beruf auf. Heimlich musste sie wenige Habseligkeiten aus ihrem Haus schmuggeln, bei Arbeitskollegen lagern und dann mit einem winzigen Koffer und den wichtigsten Papieren in der Tasche alles hinter sich lassen.

Trotz aller Verluste ist sie unendlich dankbar, dass sie so freundlich und liebevoll in einem Frauenhaus aufgenommen wurde:

"Ich fühle mich wieder wohl in meiner Haut. Das Selbstvertrauen konnte ich wieder aufbauen, ich liebe mich so, wie ich bin. Ich bin sehr zufrieden, ich schaue mit völlig anderen Augen in den Spiegel. Ich möchte, dass meine Kinder ein ganz normales Leben haben, Spielplätze, ohne Angst. Ich möchte wieder arbeiten gehen – das normale Leben ohne Gewalt." – Jasmin